Wirtschaft
Ein Plakat bei einer Demonstration 2009: "France Télécom räumt ein: Wir fordern euch auf, euch zu Tode zu arbeiten, nicht Suizid zu begehen".
Ein Plakat bei einer Demonstration 2009: "France Télécom räumt ein: Wir fordern euch auf, euch zu Tode zu arbeiten, nicht Suizid zu begehen".(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 07. Juli 2016

35 Selbstmorde bei France Télécom: Ex-Chef droht nach Suizidwelle Anklage

Bei dem französischen Konzern France Télécom begehen innerhalb von zwei Jahren 35 Beschäftigte Suizid - eine Serie, die jetzt auch die Justiz beschäftigt. Im Fokus der Ermittlungen steht der damalige Firmenchef. Hat er seine Angestellten systematisch gemobbt?

Der Ex-Chef von France Télécom: Didier Lombard.
Der Ex-Chef von France Télécom: Didier Lombard.(Foto: picture alliance / dpa)

Mehr als sieben Jahre nach einer beispiellosen Reihe von Suiziden beim französischen Telekommunikationskonzern France Télécom hat die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen das Unternehmen und den damaligen Chef Didier Lombard wegen systematischen "moralischen Drucks" auf die Angestellten gefordert. France Télécom und Lombard hätten in den Jahren 2008 und 2009 eine "Politik der Destabilisierung" im Unternehmen etabliert, um Mitarbeiter in die Kündigung zu treiben, lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Das verlautete aus Justizkreisen in Paris.

In den beiden Jahren hatten sich nach Angaben der Konzernleitung 35 Angestellte des Unternehmens das Leben genommen. Die Gewerkschaften machten dafür großen Stress und wachsenden Leistungsdruck auf die Belegschaft verantwortlich. Unter Lombard, der von 2005 bis 2010 an der Spitze des Konzerns stand, hatte France Télécom ein großangelegtes Umstrukturierungsprogramm beschlossen. Zwischen 2006 und 2008 wurden 22.000 Jobs gestrichen - rund 10.000 Mitarbeiter mussten ihren Arbeitsplatz wechseln.

Das Ermittlungsverfahren gegen France Télécom - heute Orange - und Lombard war 2012 eingeleitet worden. Der Konzern hatte die Vorwürfe damals bestritten. Lombard selbst schrieb in einem Beitrag für die Zeitung "Le Monde", die Umwälzungen in dem Unternehmen hätten die Beschäftigten möglicherweise verunsichert. Er weise aber "entschieden" zurück, dass diese Veränderungen die Ursache für die "menschlichen Dramen" gewesen seien.

Quelle: n-tv.de