Wirtschaft

Buße für Börsen-Pleite Ex-Mt.-Gox-Chef verschenkt Milliarde Dollar

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Juli 2017: Mark Karpeles verneigt sich bei einer Pressekonferenz im Justizministerium in Tokio.

(Foto: REUTERS)

Er selbst nennt es "geschmacklos". Selbst im Gefängnis verdient Mark Karpeles, der ehemalige Chef der bankrotten Krypto-Börse Mt. Gox, noch viel Geld mit Bitcoin. Die geprellten Anleger dürfte es dennoch freuen.

Ein Fan von Bitcoin ist Mark Karpeles nicht mehr. Im Chat auf der Internetplattform Reddit gibt sich der ehemalige Chef der Krypto-Börse Mt. Gox geläutert:

"Die (Blockchain-)Technologie wird bleiben, aber Bitcoin könnte Probleme haben, sich weiterzuentwickeln und Schritt zu halten", prophezeit der 32-Jährige. Auch die große Konkurrenz-Kryptowährung Ethereum ist nach seiner Meinung noch "nicht genug getestet", um sie wirklich nutzen zu können. Allerdings könne er sich auch irren. "Ich habe mich in vielen Dingen geirrt", räumt der einstige Bitcoin-Guru ein.

Er selbst halte keine Bitcoin mehr, versichert er der Community, die vier Jahre nach der Pleite der einst größten Bitcoin-Börse immer noch viele Fragen zu den damals verschwundenen Bitcoins und den Entschädigungszahlungen hat. Karpeles muss immer noch unzählige wütende Kommentare geprellter Anleger einstecken.

Mt. Gox meldete Anfang 2014 Insolvenz an. Tausende Bitcoins waren zuvor vermisst gemeldet worden. Seitdem warten viele Kunden immer noch auf ihr Geld. Schätzungsweise 70 Prozent aller Bitcoin-Transaktionen fanden vor der Pleite auf der Handelsplattform statt. Karpeles, der die Börse seit 2011 geführt hatte, wurde 2015 von der japanischen Polizei festgenommen und in ein Hochsicherheitsgefängnis gesteckt. Etwa ein Jahr später kam er auf Kaution wieder frei. Der Prozess in Tokio läuft noch.

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Karpeles plädiert auf unschuldig. Er will sich nicht am Niedergang von Mt. Gox bereichern.

(Foto: REUTERS)

In dem Chat schreibt er über diese Zeit im Gefängnis: Er habe 77 Pfund in vier Monaten verloren, weil er mittags lediglich zwei Marmeladenbrote zu essen bekommen habe. Er sei geschieden, aber "meine Katze hat mich nicht verlassen", erfährt die Krypto-Gemeinde noch. Freunde hätten ihn zu dem Chat geraten. Der Grund dafür: Vor Kurzem begann der japanische Konkursverwalter, aus dem Verkauf von 200.000 Bitcoin, die bei der Pleite sichergestellt worden waren, Gläubiger zu entschädigen.

Seitdem so große Mengen an Bitcoin auf den Krypto-Handelsplattformen angeboten werden, ist die Befürchtung groß, der Preis könne negativ beeinflusst werden. Außerdem ist Karpeles selber zum Nutznießer der Kurssteigerungen beim Bitcoin geworden. Das japanische Konkursrecht sieht vor, dass die Anteilseigner von Mt. Gox, nachdem alle Gläubiger ihr Geld erhalten haben, die restliche Summe bekommen. Die Anteilseigner von Mt. Gox sind immer noch Karpeles mit 88 Prozent und Jeb McCaleb mit 12 Prozent.

Mt. Gox ist nicht mehr insolvent

Laut Karpeles bleibt nach allen Entschädigungen der Gegenwert von 160.000 Bitcoin übrig, also gut eine Milliarde Dollar. Auf diese Summe will der einstige Bitcoin-Guru nun verzichten. Er spreche für sich, hoffe aber auch, dass es McCaleb es ebenso halten werde, schreibt Karpeles auf Reddit. Es sei einfach "geschmacklos", wenn die Aktionäre von Mt. Gox so davonkämen. "Ich will diese Milliarde Dollar nicht."

Durch den immensen Wertanstieg des Bitcoin in den vergangenen Jahren hat die Pleite-Börse plötzlich deutlich mehr Geld als nötig wäre für die Entschädigungen. Schon ein Kurs von 2000 Dollar je Bitcoin hätte ausgereicht, um alle ausstehenden Forderungen zu begleichen. Aktuell ist ein Bitcoin aber über 6500 Dollar wert. Eigentlich ist die Firma also gar nicht mehr insolvent.

Anleger haben damals mit ihren Investments bei Mt. Gox viel Geld verloren oder sich sogar ruiniert. Rückgängig machen kann Karpeles die Pleite nicht, aber er betont immer wieder, wie leid es ihm tue und dass er es wiedergutmachen möchte: "Ich weiß, dass ich die letzten stressigen Tage des schmerzlichen Zusammenbruchs von Gox nicht sehr gut bewältigt habe. Da kann ich im Nachhinein nur demütig sein."

Der frühere Programmierer hofft, in Zukunft wieder als Ingenieur arbeiten zu können - jedoch nicht für Krypto-Startups. Das hängt davon ab, wie das Urteil des Gerichts in Tokio ausfällt. Ihm drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis. Karpeles wird vorgeworfen, Geld für den persönlichen Gebrauch gestohlen und falsche Einzahlungen auf das Konto des Unternehmens getätigt zu haben. Er hat auf "nicht schuldig" plädiert.

Quelle: n-tv.de

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