"Existenzbedrohender Druck"SPD-Politiker will Anthropic wegen KI-Streit mit Trump nach Europa holen

"Radikal" und "Woke" - so nennt US-Präsident Trump Anthropic. Das KI-Startup will dem Militär seine Software nur eingeschränkt zur Verfügung stellen und riskiert seine Existenz in den USA. Ein Digitalexperte der SPD schlägt nun eine Lösung für das Unternehmen vor.
Der SPD-Digitalexperte Matthias Mieves hat die Bundesregierung und die EU-Kommission aufgefordert, das KI-Unternehmen Anthropic nach Europa zu holen. Anthropic stehe "unter existenzbedrohendem Druck der US-Regierung", schreibt Mieves in einem Brief, über den die Zeitung "Rheinpfalz" berichtete. "Deutschland und Europa sollten alle notwendigen Schritte unternehmen, um Anthropic nach Europa zu holen."
Hintergrund ist die Auseinandersetzung zwischen Anthropic und der US-Regierung um die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) durch das Militär. Anthropic hatte darauf bestanden, dass seine Software nicht für die "Massenüberwachung im Inland" oder in vollautonomen Waffensystemen eingesetzt wird.
US-Präsident Donald Trump hatte das Unternehmen daraufhin als "radikal" und "woke" bezeichnet. Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte, mit sofortiger Wirkung dürften Auftragnehmer, Zulieferer oder Partner des US-Militärs keine Geschäfte mehr mit Anthropic machen.
Der Bundestagsabgeordnete Mieves sprach von einer "einmaligen Chance", das Unternehmen nach Europa zu holen. Ein entsprechender Brief ging laut "Rheinpfalz" an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Bundeskanzler Friedrich Merz, Vize-Kanzler Lars Klingbeil und Digitalminister Karsten Wildberger.
Käme Anthropic in die EU, könne das Unternehmen sein auf "menschenzentrierte, vertrauenswürdige KI" ausgerichtetes Geschäftsmodell "unter optimalen Rahmenbedingungen und der gleichen freiheitlichen Denkrichtung" fortsetzen, argumentierte Mieves dem Bericht zufolge. Die Europäer auf der anderen Seite könnten die Lücke in der KI-Wertschöpfung schließen und "einen wesentlichen Beitrag zur digitalen und technologischen Souveränität zu leisten".