Wirtschaft

Moralinstanz oder PR-Aktion?Experten bewerten Alarmismus der KI-Branche skeptisch

14.09.2026, 00:01 Uhr
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Soll die Entwicklung von KI-Agenten künftig verlangsamt werden? Die Branche schlägt das vor. (Foto: picture alliance / Ipon)

Dass die großen KI-Konzerne plötzlich selber vor den Folgen Künstlicher Intelligenz warnen, überzeugt Skeptiker nicht ganz. Zwei Experten vermuten ganz andere Motive hinter dem Alarmismus von OpenAI oder Anthropic.

Der Sozialethiker Elmar Nass hält eine Verlangsamung der Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) für wenig sinnvoll. Der "Rheinischen Post" sagte Nass: "Der Vorschlag einer Verlangsamung der KI-Entwicklung ist in der Praxis nicht zielführend. Und er ist ja auch gar nicht neu." Nass betonte: "Der Markt soll offenbar mit seiner Logik verlassen werden. Und die Avantgarde der Technik-Mogule schwingt sich auf zur Moralinstanz." Zudem würde damit "auch menschendienliche Innovation blockiert", kritisierte er. 

Es stelle sich die Frage, wer die Geschwindigkeit vorgeben und wie der Prozess gemessen und kontrolliert werden soll, sagte Nass der Zeitung. "Natürlich wird es dann Akteure und Länder geben, die sich einfach nicht daran halten, wie etwa China, und sich dadurch Wettbewerbsvorteile erhoffen. Das ist nur ein populäres Herumdoktern an Symptomen, ohne das eigentliche Problem an der Wurzel zu packen", sagte er. 

Statt einer Verlangsamung forderte Nass ethische Leitplanken für die KI-Forschung und internationale Regeln. "Entscheidend ist, dass eine solche Forschung ethisch flankiert werden muss. Damit sollte sofort begonnen werden. Und es sollte darüber hinaus internationale Regeln und auch Verbote geben wie bei entsprechenden Waffen. Das sind Maßnahmen, die sofort greifen können", sagte Nass. 

"Kein Zufall, sondern gezielte PR-Aktion"

Der Digitalexperte Thomas Köhler bewertete die jüngsten Warnungen von KI-Unternehmen vor den Folgen der Technologie teilweise als eine PR-Aktion. Der "Rheinischen Post" sagte Köhler: "Für mich spricht viel dafür, dass es sich bei dem Vorstoß diesmal nicht um Zufall, sondern um eine gezielte PR-Aktion handelt."  

Aus seiner Sicht stünden hinter dem Vorstoß mehrere Motive. "Zum einen ist die Wirtschaftlichkeit vieler KI-Geschäftsmodelle weiterhin hochfragil: Der Aufwand für Rechenzentren, Chips, Strom und Kühlung ist enorm, während noch nicht klar ist, wann sich das wirklich trägt." KI, die Kurzform für Künstliche Intelligenz, sei im Moment "ein erhebliches Milliarden-Zuschussgeschäft - und es gibt noch keine Perspektive, damit Geld zu verdienen. So erkläre ich mir auch den verschobenen Börsengang von OpenAI", sagte Köhler. 

Hinzu komme, dass der Druck durch immer leistungsfähigere Open-Source-Sprachmodelle wachse. "Genau das bedroht die Geschäftsgrundlage der großen kommerziellen Anbieter. Deshalb lese ich diese neue Warnrhetorik auch als Versuch, Open Source stärker unter regulatorischen Druck zu setzen und damit die eigene Marktposition zu sichern", sagte er. Köhler betonte: "Das zeigt: In dieser Debatte geht es nicht nur um Sicherheit, sondern auch um Marktinteressen und globale Machtfragen."  Gleichwohl betonte der Sicherheitsexperte: "Ich bin bei der Sicherheitsfrage durchaus alarmiert." Das gelte aber eher auf lange Sicht, so Köhler. "Kurzfristig werden die Effekte oft überschätzt, langfristig eher unterschätzt", sagte er zu den Fortschritten von KI. 

Quelle: ntv.de, mau

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