Wirtschaft

Inflation von glatt zwei Prozent Experten zweifeln am neuen EZB-Ziel

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Die Zentrale der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main.

(Foto: picture alliance / greatif)

Die Europäische Zentralbank fährt einen neuen Kurs beim Thema Inflation: Ziel ist künftig eine Preissteigerung von genau zwei Prozent. Alle Werte, die darüber oder darunter liegen, sind unerwünscht. Eine Umfrage am Finanzmarkt belegt, dass die neue Strategie auf ein eher zwiespältiges Echo stößt.

Experten sind unsicher, ob die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer neuen Strategie die Inflation künftig stärker anschieben kann als bisher. Das geht aus einer Erhebung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) unter 147 Finanzmarktexperten hervor, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Danach gaben 49 Prozent der Befragten an, dass sie ihre Inflationsprognosen für 2021 bis 2023 wegen des EZB-Strategiewechsels nach oben korrigiert haben. Für 46 Prozent hatte der Strategiewechsel dagegen keine Auswirkungen auf ihre Inflationsprognosen. Etwa fünf Prozent erwarteten sogar einen negativen Einfluss.

"Die Marktakteure tun sich schwer, die Botschaft der EZB eindeutig zu interpretieren", sagte ZEW-Wissenschaftler Frank Brückbauer und Co-Autor der Untersuchung. Es bestehe noch große Unklarheit darüber, wie sich der Wechsel zu einem symmetrischen Inflationsziel von zwei Prozent mittelfristig auf die Inflation und die Leitzinsen auswirken werde.

Die EZB strebt nach einem Strategiecheck inzwischen auf mittlere Sicht einen Anstieg der Verbraucherpreise im Euro-Raum von glatt zwei Prozent an. Bis zuletzt hatte ihr Inflationsziel noch auf unter, aber nahe zwei Prozent gelautet. Das neue Ziel soll zudem symmetrisch verstanden werden - Abweichungen nach oben wie nach unten hin sind gleichermaßen unerwünscht. Zur neuen Strategie gehört auch, dass künftig selbst genutztes Wohneigentum bei der Inflationsmessung einbezogen werden soll und Klimaschutzaspekte in der Geldpolitik berücksichtigt werden.

Skepsis beim Einfluss der Klimapolitik

Die Frage, wie sich der Wechsel zum symmetrischen Inflationsziel auf ihre Inflationsprognosen ausgewirkt hat, beantworten der Umfrage zufolge nur rund 80 der 147 Teilnehmer. Diese gehen davon aus, dass der Einfluss der neuen Strategie auf die Inflationsrate für die Jahre 2021 bis 2023 im Schnitt bei jeweils knapp plus 0,4 Prozentpunkten liegen wird. Die Auswirkungen auf den Leitzins, der aktuell auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent liegt, wurden von 70 Teilnehmern auf Sicht von sechs und 24 Monaten mit jeweils plus 0,1 Prozentpunkten sogar noch geringer eingestuft.

Der Erhebung zufolge erwarten außerdem rund 70 Prozent der Experten, dass die Berücksichtigung von selbstgenutztem Wohneigentum bei der Inflationsmessung die Inflationsrate 2021 bis 2023 leicht erhöhen wird. Die Berücksichtigung klimapolitischer Aspekte in der Geldpolitik sehen sie eher skeptisch. 51 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass dies die Umsetzung der Geldpolitik mit Blick auf das Erreichen des Inflationsziels erschweren wird.

Die Inflation lag im Juli im Euro-Raum bei 2,2 Prozent, womit die Zielmarke der EZB von zwei Prozent übertroffen wurde. Die EZB rechnet mit einem weiteren Anstieg der Preise in diesem Jahr. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos erwartet den Höhepunkt im November mit etwa drei Prozent. Allerdings geht die EZB davon aus, dass sich der Preisauftrieb im nächsten Jahr wieder abschwächt. Für 2022 sehen ihre bisherigen Projektionen eine Teuerung von 1,5 Prozent vor, für 2023 von 1,4 Prozent.

Quelle: ntv.de, mau/rts

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