Wirtschaft

Huawei, OPPO und TCL Facebook gesteht Datentransfer an Chinesen

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Facebook hatte 60 Firmen weltweit erlaubt, auf einige Nutzerinformationen zuzugreifen.

(Foto: imago/Christian Ohde)

Der Datenskandal um Facebook reißt nicht ab. Nun gibt der Techkonzern zu, Nutzerdaten an chinesische Handyhersteller übermittelt zu haben. Die Produkte der Unternehmen aus Fernost gelten als Werkzeug für Auslandsspionage und Cyber-Angriffe.

Facebook hat mehreren chinesischen Technologiekonzernen Zugang zu Daten seiner mehr als zwei Milliarden Nutzer gewährt. Neben dem weltweit drittgrößten Handybauer Huawei seien dies der Computer-Hersteller Lenovo sowie die Smartphoneanbieter OPPO und TCL gewesen, teilte das weltgrößte soziale Netzwerk mit und bestätigte damit einen Bericht der "New York Times".

Die vier seien unter den rund 60 Firmen weltweit gewesen, die auf einige Nutzerinformationen zugreifen durften, nachdem sie entsprechende Verträge mit Facebook unterzeichnet hätten. Vor allem die Vereinbarung mit Huawei dürfte der US-Politik ein Dorn im Auge sein. US-Geheimdienstler haben in der Vergangenheit immer wieder vor Tech-Konzernen aus der Volksrepublik gewarnt, da diese ein Einfallstor für Auslandsspionage und Cyber-Angriffe böten und die US-Infrastruktur gefährdeten.

Die US-Telekom-Wettbewerbsbehörde FCC prüft neue Vorschriften, die es Behörden untersagen würden, Produkte von Unternehmen zu kaufen, die ein Sicherheitsrisiko für US-Telekomnetze darstellen. Sollten diese Regeln in Kraft treten, dürften sie vor allem Huawei sowie ZTE treffen. ZTE kämpft gerade mit einem US-Lieferverbot - hat in US-Präsident Donald Trump aber einen Fürsprecher.

Geheimdienste vermuten Auslandsspionage

Der Geheimdienstausschuss des US-Repräsentantenhauses habe erstmals 2012 seine Besorgnis über Huawei geäußert, sagte der stellvertretende Ausschussvorsitzende, Senator Mark Warner. Er warte nun darauf, zu erfahren, wie Facebook sichergestellt habe, dass die Nutzerinformationen nicht auf chinesischen Servern gelandet seien. Konkret geht es um sogenannte Programmierschnittstellen (APIs), die definieren, welchen Zugang andere Firmen haben können.

Ein Facebook-Manager betonte, man sei sehr vorsichtig gewesen. Es sei sichergestellt worden, dass die Informationen lediglich auf den Geräten und nicht auf den Servern gespeichert wurden. Die "New York Times" hatte berichtet, auch Daten von Freunden der Facebook-Nutzer hätten ohne deren ausdrückliche Zustimmung abgegriffen werden können. Facebook bestreitet dies. Die Kooperationen hätten den Zweck gehabt, Facebook-Nutzern auf mobilen Endgeräten ihre Konto-Einstellungen zugänglich zu machen.

Facebook beendet Partnerschaften

Facebook erklärte, mehr als die Hälfte der umstrittenen Datenpartnerschaften seien bereits beendet worden, unter die mit Huawei werde noch diese Woche ein Schlussstrich gezogen. Auch die Kooperationen mit den anderen drei chinesischen Firmen würden bald der Vergangenheit angehören. Eine ähnliche Zusammenarbeit habe es unter anderem auch mit Apple, Blackberry, Amazon und Microsoft gegeben. Facebook befindet sich seit dem Datenskandal um die Analysefirma Cambridge Analytica weltweit im Visier der Politik.

Die britische Firma, die inzwischen Insolvenz angemeldet hat, soll die Informationen von 87 Millionen Facebook-Mitgliedern missbraucht haben, um US-Präsident Donald Trump im Wahlkampf zu unterstützen. Von der unrechtmäßigen Nutzung waren auch bis zu 2,7 Millionen Menschen in der Europäischen Union betroffen. Insgesamt nutzen in Europa 377 Millionen Menschen monatlich das Netzwerk, also mehr als jeder zweite Einwohner.

Nach zwei Anhörungen im US-Kongress hat sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg auch im Europäischen Parlament schuldbewusst gezeigt: Facebook habe nicht genug getan - bei Falschnachrichten, der ausländischen Einmischung in Wahlen oder dem Missbrauch von Nutzerinformationen durch Entwickler. "Das war ein Fehler und es tut mir leid", sagte er. Bei den drei öffentlichen Anhörungen erklärte der 34-Jährige immer wieder, dass er bestimmte Antworten nachreichen müsse. Laut US-Kongressmitarbeitern ist dies bisher noch nicht geschehen.

Quelle: ntv.de, mba/rts

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