Wirtschaft

Wall Street schließt im Minus Fed-Chef sorgt für Schrecksekunde

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Fed-Chef Powell sieht keine dauerhafte Inflationsgefahr.

(Foto: picture alliance / Newscom)

Die Börsen legen jeden Satz von Fed-Chef Powell auf die Goldwaage: Nur der Hinweis, dass einige Titel überbewertet sein könnten, reicht für einen Dreh ins Minus. Auch der scharfe Ton zwischen China und den USA beunruhigt die Anleger an der Wall Street.

Die Wall Street hat nach einem vielbeachteten Auftritt des Fed-Chefs Jerome Powell schwächer geschlossen. Powell äußerte sich vor dem Finanzdienstleistungsausschuss des Repräsentantenhauses. Die Kurse an der Wall Street weiteten ihre Verluste aus, als Powell sagte, einige Vermögenswerte hätten erhöhte Bewertungen erreicht. Überraschungen blieben dennoch aus. Trotz des umfangreichen Fiskalpakets habe er keine Sorge wegen einer steigenden Inflation, sagte Powell: "Wir glauben, dass die Auswirkungen für die Inflation weder besonders groß, noch dauerhaft sein werden." Ebenfalls vor dem Ausschuss prognostizierte Finanzministerin Janet Yellen für das kommende Jahr Vollbeschäftigung in den USA.

Der Dow-Jones-Index verlor um 0,9 Prozent auf 32.423 Punkte, der S&P-500 fiel um 0,8 Prozent. Der Nasdaq-Composite schloss 1,1 Prozent tiefer. An der New Yorker Börse wurden 735 (Montag: 1.458) Kursgewinner gezählt, denen 2.583 (1.814) -verlierer gegenüberstanden. Unverändert schlossen 60 (102) Titel.

Streit mit China sorgt für Unsicherheit

Daneben stand ein außenpolitischer Belastungsfaktor im Fokus. Die Verschärfung der Beziehungen zwischen China einerseits, den USA, der EU und Kanada andererseits sorgten für Verunsicherung. Der Westen hat Sanktionen gegen Peking wegen des Vorgehens gegen die muslimische Minderheit der Uiguren verhängt. China reagierte bereits mit Gegenmaßnahmen.

"Wir befinden uns wahrscheinlich in einem zyklischen Aufschwung, aber vielleicht sind wir uns selbst vorausgeeilt", warnte Fondsverwalter Sebastian Mackay von Invesco vor den aktuellen Risiken. Als positiv für die Aktienmärkte wird indes die Diskussion über ein großes Infrastrukturpaket der Biden-Regierung gesehen. Hier wird über Investitionen in die marode US-Infrastruktur von bis zu 3 Billionen Dollar nachgedacht.

Aktuell sinkt die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen um knapp 7 Basispunkte auf 1,63 Prozent. Anleiheexperten befürchten jedoch, dass durch die enorme Verschuldungsnachfrage gerade im Hinblick auf das Infrastrukturprogramm die Renditen weiter nach oben getrieben werden könnten. Bank of America nimmt ihre Prognose für die US-Zehnjahresrendite deutlich über die 2-Prozentmarke nach oben. Der Präsident der Federal Reserve Bank von Richmond, Thomas Barkin, will sich indes in den nächsten sechs Monaten nicht von höheren Inflationszahlen schrecken lassen. Sein Kollege Robert Kaplan aus Dallas erwartet, dass die Fed den Leitzins im nächsten Jahr anheben werde.

Netflix legt zu, Quantumscape rauscht ab

Quantumscape
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Unter den Einzelwerten zogen Biolife Solutions nach zunächst zweistelligen Gewinnen noch um 8,8 Prozent an. Die Biopharmagesellschaft schluckt Stirling Ultracold. Finanzielle Details wurden nicht genannt. Biolife rechnet aber damit, dass sich der Umsatz 2021 mehr als verdoppeln werde. Ionis Pharmaceuticals sackten um knapp 22 Prozent ab. Bei dem Präparat Tominersen gegen die Huntington-Krankheit, entwickelt mit Roche, wurde der Phase-III-Versuch eingestellt.

Hartford Financial Services Group will sich nicht von dem Wettbewerber Chubb übernehmen lassen und lehnt eine entsprechende Offerte ab. Hartford tendierten unverändert, Chubb stiegen um 0,2 Prozent.

Netflix
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Die Titel von Quantumscape fielen um 10,6 Prozent. Der Batteriehersteller hat eine überraschende Kapitalerhöhung angekündigt. ViacomCBS sanken um 9 Prozent, auch der Medienkonzern plant eine Kapitalerhöhung. Die Papiere von Apollo Global Management verloren 0,6 Prozent. Leon Black, Mitbegründer der Investmentgesellschaft, tritt als Vorstandsvorsitzender zurück. Netflix verteuerten sich um 2,3 Prozent, nachdem Argus die Aktie auf "Kaufen" hochgestuft hat.

Quelle: ntv.de, mau/DJ

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