Fehlende Anreize Studie: Unternehmen schalten beim Klimaschutz einen Gang zurück

Das Thema Nachhaltigkeit verliert laut einer Bertelsmann-Umfrage in deutschen Firmen an Priorität. Hintergrund seien unter anderem unsichere politische Vorgaben. Vom Tisch ist es aber noch nicht, wie ein Aspekt der Studie zeigt.
Das Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit verliert in den Unternehmen in Deutschland an Nachdruck. Laut einer von der Bertelsmann Stiftung veröffentlichten Studie geben fast 60 Prozent der über 800 befragten Unternehmen an, dass das Thema Nachhaltigkeit intern an Priorität verloren habe. Im Jahr davor waren es nur 14 Prozent. Die Studie Sustainability Transformation Monitor wird in Kooperation mit der Stiftung Mercator erstellt.
Zwar ist wie im Vorjahr bei 73 Prozent der Unternehmen aus der Real- und Finanzwirtschaft die Verantwortung für die Nachhaltigkeit weiterhin auf Vorstands- und Geschäftsführerebene verankert. Auch halten die Befragten an den eigenen Zielen fest. Dennoch schalten die Verantwortlichen einen Gang zurück. Laut den Autoren der Bertelsmann Stiftung empfinden die Betriebe die unsicheren politischen Rahmenbedingungen sowie fehlende Marktanreize als stärkste Hemmnisse für mehr Transformation. Hier gab es ein Plus von 30 Prozentpunkten im Vorjahresvergleich.
Der Anteil der Unternehmen, die angaben, das Thema Nachhaltigkeit in Planung zu haben, ging um 7 Prozentpunkte zurück. "Ohne klare, verlässliche Signale aus Politik und Märkten droht die Transformation in eine Phase der Stagnation zu geraten", analysiert Jakob Kunzlmann, Nachhaltigkeitsexperte der Bertelsmann Stiftung.
Die Autoren verweisen darauf, dass das Thema Nachhaltigkeitstransformation in den Unternehmen noch nicht verschwunden sei. So sei der Anteil der Unternehmen mit selbstgesteckten Klimazielen von 53 auf 59 Prozent gestiegen, bei den Banken von 46 auf 65 Prozent. "Es ist ein wichtiges Signal, dass immer mehr Unternehmen ihre Emissionen erfassen und an Klimazielen festhalten. Entscheidend ist nun, dass daraus konkrete Transformationspfade mit klaren Investitionsentscheidungen, Zeitachsen und Finanzierungsplänen entstehen", sagt Philipp Wesemann, Projektmanager im Bereich Klimaresiliente Gesellschaft der Stiftung Mercator.
Die Bundesregierung hat sich bis 2045 zur Klimaneutralität und der damit verbundenen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft verpflichtet. Die nun vorgelegte Studie soll den Beteiligten eine Datengrundlage für Entscheidungen liefern.
Der sogenannte Sustainability Transformation Monitor entstand in diesem Jahr zum vierten Mal in Kooperation der Bertelsmann-Stiftung, der Stiftung Mercator, der Universität Hamburg und der Peer School for Sustainable Development. An der Befragung beteiligten sich den Angaben zufolge 822 Unternehmen, Banken und Investoren.