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2016 erwirtschaftete die DFS einen Gewinn von 86,6 Millionen Euro bei einem Umsatz von 1,22 Milliarden Euro.
2016 erwirtschaftete die DFS einen Gewinn von 86,6 Millionen Euro bei einem Umsatz von 1,22 Milliarden Euro.(Foto: picture alliance / Oliver Berg/d)
Dienstag, 02. Januar 2018

Blick in die nahe Zukunft: Fluglotsen erwarten Drohnen-Jets

Seit 25 Jahren wacht die Deutsche Flugsicherung über die Sicherheit im deutschen Luftraum. Billigflieger und Drohnen verdichten den Flugverkehr beständig - und auch die Automatisierung des Luftverkehrs stellt Lotsen vor neue Herausforderungen.

Die deutschen Fluglotsen können in diesem Jahr gleich mehrere Jubiläen feiern. Noch im Ersten Weltkrieg erging 1918 die erste Order an das damalige Reichsministerium des Inneren, sich um die Belange der Flugsicherheit zu kümmern. Und deutlich aktueller ist die Gründung der privatrechtlichen Deutsche Flugsicherung GmbH (DFS) zum 1. Januar 1993. DFS-Chef Klaus-Dieter Scheurle sieht zahlreiche Aufgaben vor sich. Vor allem die europäische Integration und der von Billigfliegern und Drohnen verdichtete Flugverkehr machen dem 63-Jährigen Sorgen.

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Am Firmensitz in Langen bei Frankfurt blickt die DFS auf 25 Jahre ohne tödliche Unfälle zurück. Der tragische Zusammenstoß zweier Jets bei Überlingen im Juli 2002 fiel nicht in den Verantwortungsbereich der deutschen Flugsicherer. Hier waren Lotsen der Schweizer Flugsicherung Skyguide zuständig. Damals starben wegen falscher Fluglotsenbefehle 71 Menschen, davon 49 Kinder.

"Die deutsche Flugsicherung gehört sicher zu den besten in der Welt", fasst Jörg Handwerg von der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) die Leistung der Kollegen im Tower zusammen. Leichter wird die Arbeit vor den Radarschirmen allerdings nicht: Die Herausforderungen auf europäischer Ebene bleiben trotz aller Bemühungen um einen einheitlichen Luftraum unübersehbar.

Der Flugverkehr am Himmel über Europa wird von nicht weniger als 27 nationalen Flugsicherungsorganisationen verwaltet, die sich gemeinsam mit ihren Regierungen und Militärs zäh an die jeweiligen Besitzstände klammern. Einzelnen gemeinsamen IT-Projekten zum Trotz scheint es kaum vorstellbar, dass Frankreich oder Spanien die Kontrolle ihrer Militärflüge einer EU-Flugsicherung übertragen könnten.

"Das Ziel eines einheitlichen europäischen Luftraums ist bei weitem nicht erreicht, weil die Staaten an ihren hoheitlichen Rechten festhalten", sagt DFS-Chef Scheurle. Dafür gebe es aber keine rechtlichen, sondern nur politische Gründe. "Aus meiner Sicht müsste die Europäische Kommission da wesentlich mehr Druck machen, weil man sonst wegen der technologischen Entwicklung Ergebnisse bekommt, die man nur noch schwerer ordnen kann."

3,2 Millionen Flugbewegungen

Die Fluggesellschaften beklagen milliardenschwere Mehrkosten und Zeitverluste durch umständliche Streckenführungen über Europa. Im deutschen Luftraum mussten lange Zeit besonders hohe Gebühren gezahlt werden, weil schlichtweg sämtliche Kosten abgedeckt werden mussten. Erst 2012 beendete die EU-Kommission das Prinzip der Vollkostendeckung und machte den nationalen Flugsicherungen bei teils unrealistischen Verkehrsschätzungen scharfe finanzielle Vorgaben. Die bundeseigene DFS geriet trotz erheblicher Personaleinsparungen in finanzielle Schieflage, die sich erst mit einer kräftigen Kapitalspritze des Bundes besserte. 2016 erwirtschaftete die DFS einen Gewinn von 86,6 Millionen Euro bei einem Umsatz von 1,22 Milliarden Euro.

Die privatrechtlich organisierte Tochter DFS Aviation Services (DAS) betreibt unter anderem die Tower an neun deutschen Regionalflughäfen, in London-Gatwick und demnächst auch im schottischen Edinburgh. An den 16 internationalen Flughäfen Deutschlands wie in den vier Kontrollzentren sind die Lotsen der Mutter DFS aktiv. Sie haben 2017 die Rekordzahl von mehr als 3,2 Millionen Flugbewegungen im deutschen Luftraum abgewickelt.

Die DFS hat einen erheblichen personellen Aderlass hinter sich: Das Unternehmen baute innerhalb von fünf Jahren die Zahl der Mitarbeiter um 700 auf aktuell 5400 ab. "Unsere Personalziele haben wir bereits übererfüllt", sagt Scheurle stolz. "Wir werden sicherlich nicht noch einmal um mehr als 10 Prozent schrumpfen können, überprüfen aber weiterhin jede frei werdende Stelle, ob wir sie weiterhin benötigen." Kleinere Flughäfen wie Saarbrücken, Erfurt oder Dresden werden künftig aus einer in Leipzig angesiedelten Zentrale ferngesteuert.

Flugzeuge ohne Piloten?

Trotz aller europäischen Uneinigkeit muss sich die DFS nach Scheurles Einschätzung künftig auf globale Konkurrenz einrichten. "Die Digitalisierung wird uns in ganz neue Dimensionen führen. Die für eine Flugsicherung notwendigen Bausteine werden leichter verfügbar sein und die Hürden zum Markteintritt senken. Mit dem Auftreten großer privater Anbieter von Drohnenverkehr ist zudem mit neuartigen Dienstleistern zu rechnen."

Der frühere Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium erwartet für den Luftverkehr einen Automatisierungsschub, dem perspektivisch auch die Arbeitsplätze der Piloten zum Opfer fallen könnten. Schließlich sei die Technologie für unbemannte Flugzeuge längst grundsätzlich vorhanden. "Einer weitgreifenden Automatisierung stehen nur die Sorgen der Fluggesellschaften im Wege, die um die Akzeptanz ihrer Passagiere fürchten, wenn vorne kein Pilot mehr im Cockpit sitzt." Allerdings bewege sich die Gesellschaft auf automatisierte Mobilität beim Auto zu. "Wenn es dort funktioniert, wird auch das Vertrauen in unbemannte Flugzeuge wachsen."

Auch am Boden könnten Computer den Lotsen helfen, immer größere Zahlen von Flugobjekten zu überwachen, meinte Scheurle. Ganz ohne Menschen werde es aber nicht gehen. "Jemand muss den Luftraum überwachen und für Ordnung sorgen. Über Würzburg ist der obere Luftraum beispielsweise schon jetzt zu manchen Zeiten so voll, dass wir an der Grenze des Möglichen sind."

Neue Herausforderungen sind mit dem massenhaften Einsatz von Drohnen verbunden, deren kommerzieller Einsatz erst am Anfang steht. Seine eigene Zukunft sieht der 63 Jahre alte Flugsicherungschef Scheurle gelassen. "Ich werde meinen zweiten Vertrag bis zum Jahresende 2020 mit Freude erfüllen. Dann sehen wir weiter."

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Quelle: n-tv.de