Wirtschaft

Kritik und Lob für PallaGDL-Chef Reiß vergleicht Deutsche Bahn mit "Geldwaschmaschine"

30.03.2026, 14:12 Uhr
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Reiß findet auch positive Worte für den Staatskonzern und dessen Führung. (Foto: dpa/Kay Nietfeld)

Evelyn Palla ist jetzt schon ein halbes Jahr lang Chefin der Deutschen Bahn. Eine erste Zwischenbilanz des GDL-Chefs Mario Reiß fällt durchwachsen aus. Die Finanzstruktur des Konzerns missfällt dem Gewerkschafter.

Mario Reiß, der Vorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, hat in einem Interview die intransparenten und ineffizienten Finanzkreisläufe der Deutschen Bahn kritisiert. "Der Bahnkonzern hat über Jahre hinweg Finanzstrukturen etabliert, die einer Geldwaschmaschine ähneln", sagte Reiß dem "Tagesspiegel". "Er hat eigene Serviceleistungen intern verrechnet und zig Firmen unter dem Dach der DB AG organisiert. Das waren zwischenzeitlich mehr als 1000, jetzt sind es knapp 600. All diese Firmen dienen dazu, dass man die einzelnen Finanzierungskreisläufe durchbricht und selbst Steuergeld akquiriert. Das muss geändert werden."

Der GDL-Chef setzte auch DB-Chefin Evelyn Palla unter Druck. "Es wäre schon mal schön, wenn Frau Palla weniger Versprechungen als ihr Vorgänger Richard Lutz machen und mehr in das System Bahn eingreifen und tatsächlich die kleinen Schritte erst mal gehen würde." Gleichwohl würdigte Reiß die ersten Erfolge ihres Sanierungskurses: "Ich glaube, das sieht momentan ganz gut aus. Frau Palla macht sich die Mühe, ins Detail zu gehen. Und sie gibt Verantwortung nach unten ab, das ist ganz wichtig."

Allein durch die von Palla vorgenommene Halbierung des Top-Managements werde sich das Betriebsergebnis verbessern, während die DB durch eine bessere Steuerung gleichzeitig produktiver werden könne. "Das gilt auch für den Fernverkehr. Der dürfte eigentlich mit seinen neuen Zügen und moderner Technik keine Krise haben."

Dass Palla sich sowohl von Cargo-Chefin Sigrid Nikutta als auch von Finanzvorständin Karin Dohm getrennt hat, findet Reiß richtig. "Konsequenz gehört zum Management. Nur so kann Frau Palla etwas erreichen. Als rigoros würde ich ihr Vorgehen nicht bezeichnen", sagte GDL-Chef Mario Reiß. Er erklärte die Alternative: "Inkonsequent oder gar nicht zu handeln, würde uns viel Geld kosten und uns nicht weiterbringen."

Dass Dohm überhaupt geholt worden war, ärgere ihn allerdings, "weil wir aus dem Vorstand schon bei der Einstellung gehört haben, dass Frau Dohm die falsche Person ist. Man hat einen Finanzvorstand gesucht und eine Dame ausgewählt, die offensichtlich für diesen Job überhaupt nicht taugt. Aber man hat den Aufsichtsrat davon überzeugt, sie einzustellen. Jetzt kostet es auch den Steuerzahler wieder eine Menge Geld. Ich denke, es wird noch viel Streit um das Thema geben."

Quelle: ntv.de, mpa

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