Wirtschaft

Gerüchte um Eklat dementiert Gabriel fordert mehr Marktöffnung von China

17db508070857add36742a0a572200be.jpg

Gabriel fordert in China gleiche Investitionsbedingungen wie in Deutschland.

(Foto: dpa)

Es knirscht in den deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen. Peking ärgert sich über erschwerte Übernahmen in Deutschland. Gleichzeitig fordert Wirtschaftsminister Gabriel gleiche Bedingungen beim Marktzugang. Von Irritationen will er aber nichts wissen.

Spannungen über die Investitionsbedingungen in China und Deutschland haben den Besuch von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel in Peking überschattet. Für Irritationen sorgte auch das Fehlen von Chinas Handelsminister Gao Hucheng und Gabriel in der Sitzung des gemeinsamen Wirtschaftsausschusses. Dass der deutschen Wirtschaft damit "die kalte Schulter" gezeigt worden sei, wies Gabriel aber zurück. Das gemeinsame Gespräch habe länger gedauert, so dass beide direkt zum Treffen mit Premier Li Keqiang gefahren seien.

In seinen Gesprächen mit dem Ministerpräsidenten und dem Handelsminister setzte sich der Vizekanzler für mehr Marktzugang und faire Wettbewerbsbedingungen in China ein. "Wir sind ein Land, in dem chinesische Unternehmen investieren können, aber wir wollen umgekehrt auch ein gleiches Spielfeld in China", sagte Gabriel. Sein Besuch steht vor dem Hintergrund von Verstimmungen in Peking über den Widerstand in Berlin gegen chinesische Übernahmen von deutschen Hightech-Firmen.

Berlin fordert gleiche Bedingungen

Vizeministerin Gao Yan, die den Handelsminister in dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuss vertrat, beklagte in ihrer Auftaktrede eine investitionsfeindliche Stimmung in Deutschland. Mit keinem Wort entschuldigte sie sich bei den Spitzen der deutschen Wirtschaft für die Abwesenheit des chinesischen Ministers. Während Delegationskreise berichteten, die Absage sei eine chinesische Entscheidung gewesen, hob Gabriel später hervor, es sei vielmehr sein Vorschlag gewesen, direkt zum Premier zu fahren. "Wir haben sehr lange darüber geredet, welche Bedingungen deutsche Unternehmen in China vorfinden müssen."

8dc315a3f362719335708a96fd21d80c.jpg

Gabriel traf den chinesischen Premier Li - deshalb nahm er nicht an der Sitzung des gemeinsamen Wirtschaftsausschusses teil.

(Foto: REUTERS)

Die Abwesenheit der beiden Minister in dem Ausschuss, der von beiden Seiten stets große Aufmerksamkeit genießt, sorgte unter den Wirtschaftsvertretern für Verwunderung. Die Spekulationen waren groß, weil die wachsende Sorge in Deutschland vor einem Ausverkauf von Schlüsseltechnologien für Verärgerung in Peking gesorgt hat.

Gabriels Ministerium hatte jüngst die Genehmigung für den Verkauf des Spezialmaschinenbauers Aixtron an den chinesischen Investors Fujian Grand Chip zurückgenommen und eine neue Überprüfung des Verkaufs eingeleitet. Auch hatte Gabriel einen besseren Schutz in der EU vor Übernahmen von Hightech-Firmen gefordert. Auf die Frage, ob Aixtron bei seinen Gesprächen in Peking angesprochen worden sei, antwortete Gabriel mit "Nein". Am Tag vor seinem Besuch hatte Chinas Außenministerium nach dpa-Informationen den deutschen Gesandten in Peking einbestellt, um gegen die Nichtgenehmigung von Investitionen und negative Medienberichte zu protestieren.

"Prinzip einer Marktwirtschaft"

Nach dem Fehlen des Handelsministers beim Wirtschaftsausschuss wollte Staatssekretär Matthias Machnig auch nicht von einem "Affront" sprechen. Beide Minister hätten einen "intensiven Meinungsaustausch" gehabt. In seiner Rede im Ausschuss forderte Machnig "Reziprozität", also Gegenseitigkeit: "Für uns ist wichtig, dass es für deutsche Unternehmen in China die gleichen Chancen gibt wie für chinesische Unternehmen in Deutschland."

Es sei der deutschen Wirtschaft wichtig, dass es in China Zugang zu Ausschreibungen und keine Diskriminierung von Produkten aus Deutschland gebe. "Das ist auch das Prinzip einer Marktwirtschaft", sagte Machnig offenbar unter Hinweis auf die chinesische Forderung, als Marktwirtschaft eingestuft zu werden. Bei Chinas Aufnahme in die Welthandelsorganisation (WTO) vor 15 Jahren war China zugesagt worden, den Status bis Dezember dieses Jahres zu erhalten. Dann könnte China bei Verstößen gegen Dumpingregeln, also wenn es Produkte unter Preis auf den Markt bringt, nicht mehr mit hohen Strafzöllen belegt werden. Allerdings stößt diese Einstufung auch auf scharfe Kritik.

Quelle: ntv.de, mli/dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.