Wirtschaft

n-tv Wirtschaftstalk "Goldene Jahre der Globalisierung enden"

Bei der Internationalen Funkausstellung in Berlin spricht n-tv mit den Wirtschaftswissenschaftlern Bert Rürup und Marcel Fratzscher. Es geht unter anderem über das sich weltweit nachlassende Wirtschaftswachstum. Nach Ansicht der Experten deutet vieles auf stürmische Zeiten hin.

Die deutsche Wirtschaft wird in eine Rezession rutschen - so lautet die Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW). Im laufenden dritten Quartal dürfte das Bruttoinlandsprodukt demnach um 0,2 Prozent fallen. Bereits im Frühjahr hatte es ein Minus von 0,1 Prozent gegeben. Bei zwei Rückgängen in Folge wird von einer Rezession gesprochen.

"Was wir im Augenblick sehen ist so was, wie der perfekte Sturm, wo einfach viele Faktoren zusammenkommen", erklärt DIW-Präsident Marcel Fratzscher im n-tv Wirtschaftstalk auf der IFA in Berlin. Der globale Handelskrieg, der Brexit und die Krise in Italien - das seien viele Risiken, die die Wirtschaft belasteten. Und diese Krisen treffen Deutschland deutlich härter, da die Wirtschaft hierzulande zum Großteil von Exporten abhängt. Das bedeutet: "Wenn die Welt einen Schnupfen hat, dann kriegen wir eine Grippe", so Fratzscher. 

Dennoch zeigt er sich optimistisch. Die deutsche Wirtschaft habe eine gute Struktur und wettbewerbsfähige Unternehmen. Insbesondere der Arbeitsmarkt sei gut aufgestellt. Eine niedrige Arbeitslosenquote und steigende Löhne stützten den heimischen Konsum. "Die Binnennachfrage ist das Rückgrat, was uns im Augenblick noch ein bisschen Sicherheit gibt."

Die goldenen Jahre gehen zu Ende

Der Wirtschaftswissenschaftler Bert Rürup geht sogar noch einen Schritt weiter. Der aktuelle Wirtschaftskrieg sei nur "ein Vorspiel zu einer neuen Aufteilung der Weltwirtschaft", sagte er. "Wir werden nie wieder eine Globalisierung haben, wie wir sie seit Ende der 1980er Jahre hatten."

Im Moment würde der Handelskrieg vor allem zwischen China und den USA ausgetragen, Deutschland habe die Digitalisierung dagegen ziemlich verpasst. Hierzu habe auch die Politik ihren Teil beigetragen. Der lang anhaltende Aufschwung seit 2009 habe "die Politik dazu gebracht, das Thema Wachstumspolitik ganz klein zu schreiben, aber die Klientelpolitik ganz groß zu schreiben", sagte er bei n-tv. Das müsse nicht unbedingt den Niedergang der deutschen Wirtschaftsnation bedeuten, eines aber sei klar: "Ich glaube schon, dass die goldenen Jahre der Globalisierung, die wir seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion erlebt haben, dass die jetzt zu Ende gegangen sind."

Europa müsse sich also entscheiden, ob es einen dritten Pol zwischen China und den USA bilden könne. Und, darin sind sich beide Experten einig, das gehe nur mit einem geeinten Europa. "Wir brauchen ein Europa mit einer Stimme", so Fratzscher.

Quelle: n-tv.de, cpf/dpa

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