Wirtschaft

Malaysia will 600 Mio. Dollar "Goldman Sachs' Verhalten war ekelhaft"

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Goldman Sachs sahnte beim Milliardenraub im Malaysia kräftig ab. Nun will das Land sein Geld zurück.

(Foto: REUTERS)

Die korrupten Milliardendeals mit Malaysias Staatsfonds 1MDB werden für Goldmans Bosse zum Image-Desaster: Sie nickten die Plünderung des Landes ab, ihre Bank verdiente Millionen. Nun fordert der künftige Regierungschef Entschädigung.

Für Goldman Sachs wird die Finanzaffäre beim malaysischen Staatsfonds 1MDB immer mehr zum gefährlichen Reputationsrisiko: Der designierte malaysische Premierminister Anwar Ibrahim hat die Beteiligung des Geldhauses bei der Plünderung der Staatskasse scharf verurteilt.

Der Skandal, bei dem der inzwischen abgetauchte Berater Jho Low mithilfe von Goldman-Bankern offenbar Milliarden aus dem Fonds geklaut hat, sei "eine Belastung für das Ansehen des Landes, für Investments und eine Bürde für die Regierung wegen der Beteiligung so vieler dieser sogenannten glaubwürdigen, renommierten Finanzinstitutionen", sagte Ibrahim der "Financial Times". "Dass sie ein Land wie Malaysia ausgenutzt haben, das versucht, sich wirtschaftlich zu reformieren und die Leiter hochzuklettern, ist für mich wirklich ekelhaft."

Zwischen 2009 und 2014 soll Low laut US-Ermittlern rund 2,7 Milliarden Dollar aus dem Fonds geschleust und damit Juwelen, Gemälde und andere Luxusgüter gekauft haben. Selbst in Leonardo di Caprios Film "Wolf of Wall Street" floss Geld von 1MDB, um es zu waschen. Top-Manager von Goldman sollen laut der US-Justiz von all dem nicht nur gewusst und kräftig daran mitverdient haben. Ohne die Bank wäre die Plünderung des Landes offenbar gar nicht möglich gewesen.

Die Bank war Katalyst der Korruption

Denn Goldman Sachs besorgte das Geld: Die Bank platzierte für den Staatsfonds drei Anleihen im Gesamtwert von rund 6,5 Milliarden Dollar. Mit einem Teil der Einnahmen aus den Bond-Verkäufen bestach Low Politiker in Abu Dhabi und Malaysia, damit sie Goldman als Emissionsbank engagierten. Das Geldhaus kassierte dann bei den Deals astronomische Gebühren von rund 600 Millionen Dollar. Insgesamt flossen laut Anklage hunderte Millionen Dollar Schmiergeld, vor allem an den bisherigen malaysischen Premierminister Najib Razak, der den Staatsfonds kontrollierte.

Den konnte Anwar Ibrahim dank des Skandals gemeinsam mit dem früheren Regierungschef Mahathir Mohammad bei den Parlamentswahlen im Mai aus dem Amt fegen. Damit endete die jahrzehntelange Herrschaft der Staatspartei BN, die seit den 50er Jahren ununterbrochen regiert hatte. Nur wenige Tage nach dem Machtwechsel konfiszierte die Polizei auf Razaks diversen Anwesen Juwelen, Bargeld und Luxusgüter für fast 300 Millionen Dollar. Es dauerte fast zwei Wochen, alles zu zählen.

Ibrahim und Mohammad waren einst Widersacher, legten ihren Machtkampf aber bei, um Razak bei den Wahlen abzulösen. Als Oppositionsführer hatte Ibrahim unter der ersten Amtszeit von Mohammad jahrelang wegen angeblicher Homosexualität und Korruption im Gefängnis gesessen - Urteile, die er als politisch motiviert bezeichnet. Nach den Wahlen wurde Ibrahim vom malaysischen König begnadigt und aus dem Gefängnis entlassen und gilt vielen daher als eine Art "Nelson Mandela von Malaysia". Da Mohammad bereits 93 Jahre alt ist, hat er Ibrahim offiziell als seinen Nachfolger auserkoren und will ihm die Macht in etwa zwei Jahren übergeben.

Goldmans Bosse segneten die Deals ab

Ibrahims Worte haben also schon heute Gewicht und bedeuten für Goldman Sachs nichts Gutes. Denn der kommende Premierminister fordert nicht nur, dass die Bank die 600 Millionen Dollar zurückgibt, die sie bei den korrupten Geschäften abgesahnt hat, sondern "erheblich mehr". Offensichtlich sei man von der Bank "betrogen" worden, hatte auch der noch amtierende Regierungschef Mohamad kürzlich gesagt.

Die Bank bestreitet zwar, von dem Milliardendiebstahl und der Korruption gewusst zu haben, die ihre Manager laut US-Ermittlern mitorganisiert haben sollen und stellt den Skandal als Verbrechen einzelner Mitarbeiter dar. Doch angesichts immer neuer Berichte wird diese Verteidigungslinie für das Geldhaus zunehmend unhaltbar.

Denn zwei Top-Manager von Goldman wurden bereits angeklagt. Und mit Tim Leissner hat sich ein dritter Hauptakteur bereits schuldig bekannt. Er hat zugegeben, wie andere Goldman-Banker gewusst zu haben, dass Low mit dem Geld, das sie über die Anleihen besorgten, Politiker schmierte. Laut Anklage halfen Goldmans Männer, die gestohlenen Milliarden auf Offshore-Konten zu deponieren. Die Tarnfirmen gehörten ihnen selbst. Auch einen Teil des Schmiergelds sollen sie persönlich angewiesen haben.

Zudem gab die Chefetage offenbar selbst grünes Licht für die Deals: Mehr als zwei Dutzend Goldman-Manager in New York sollen die schmutzigen Deals mit Malaysias Staatsfonds laut "Financial Times" abgesegnet haben - darunter der heutige Chef David Solomon und sein Vorgänger Lloyd Blankfein. Keiner wurde wegen der außergewöhnlich hohen Gebühren stutzig, die Malaysia für die Bond-Verkäufe großzügig locker machte. Und auch den Drahtzieher des Milliardenraubs selbst, Jho Low, hat der damalige Goldman-Chef Blankfein laut Medienberichten mindestens zweimal getroffen.

Die Affäre könnte für Goldman noch ziemlich teuer werden. Ein Staatsfonds aus Abu Dhabi hat die Bank bereits wegen der mutmaßlichen Bestechung seiner Beamten verklagt. Auch Malaysias künftiger Premier Ibrahim fordert nun "aggressive Verhandlungen" mit Goldman über eine mögliche Entschädigung. Und es sieht nicht danach aus, als würde im dem Skandal bald Ruhe einkehren. Neuigkeiten dürfte es spätestens im Frühjahr geben. Dann soll der Korruptionsprozess gegen Malaysias gefallenen Premierminister Najib Razak starten.

Quelle: n-tv.de

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