Wirtschaft

Milliardenskandal in Malaysia Die goldene Gans von Goldman Sachs

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Jho Lows Milliardenraub erschüttert Malaysia. Goldman-Sachs-Banker machten ihn erst möglich.

AP

In Las Vegas machte er Party mit Britney Spears und Leonardo di Caprio, beim Staatsfonds 1MDB veruntreute Jho Low Milliarden. Goldman Sachs machte seinen Raubzug erst möglich - und sahnte fast 600 Millionen Dollar ab.

"Don't be fooled by the rocks that I got", heißt es im Ohrwurm von Jennifer Lopez alias J Lo. Die Zeile passt auch auf jemand anders, der fast genauso heißt: Jho Low, mysteriöser Geldmanager aus Malaysia und zentrale Figur in einem Milliardenskandal, der derzeit die Finanzwelt in Atem hält. Seine Freunde hätten sich von dem vielen Geld, mit dem er um sich warf, nicht täuschen lassen sollen - genauso wie es J Lo einst sang. Es war nicht wirklich seins.

Beim malaysischen Staatsfonds 1MDB soll Low Milliarden veruntreut haben. Der Skandal hat sich längst zu einer der größten Finanzaffären aller Zeiten ausgewachsen und Malaysia wie ein Erdbeben erschüttert. Trotzdem würde er wohl deutlich weniger Interesse wecken, hätte Low nicht in den höchsten Kreisen von Hollywood verkehrt. Und wäre die US-Bank Goldman Sachs, deren Aktienkurs sich wegen der Affäre im Sinkflug befindet, nicht bis zum Hals in seinen Milliardenraub verwickelt.

Klunker, Gemälde und Hollywoodstars

Lows Geschichte kann es mit jedem Hollywoodfilm aufnehmen. Seine 31. Geburtstagsfeier nannte das "Wall Street Journal" die "wildeste Party, die Las Vegas je gesehen hat". Britney Spears hüpfte aus einer Torte und sang "Happy Birthday", Low machte Party mit Pharrell Williams, Paris Hilton, Kim Kardashian und Kanye West. Und Leonardo Di Caprio, dessen Film "Wolf of Wall Street" Low mitfinanzierte. Darin haut ein skrupelloser Gauner übrigens Tausende Anleger übers Ohr.

Inzwischen versteckt sich Low wahrscheinlich in China. Anfang November klagten US-Ermittler ihn und zwei hochrangige Goldman-Sachs-Banker an. Das Geldhaus versinkt seitdem immer tiefer in dem Skandal. Offenbar wussten die Banker nicht nur, dass Low sein Land plünderte. Sie sollen selbst dabei geholfen haben, Politiker zu bestechen. Und Goldman sahnte dabei kräftig ab: mehr als eine halbe Milliarde Dollar. Die schmutzigen Deals offenbaren, dass die skrupellose Zockerkultur, die vor der Finanzkrise bei Goldman herrschte, nicht etwa tot ist, sondern im Asiengeschäft weiterlebt.

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Jho Lows Luxus-Jacht "Equianimity".

(Foto: REUTERS)

Zwischen 2009 und 2014 soll Low laut den jahrelangen Ermittlungen der US-Justiz Milliarden Dollar aus dem malaysischen Staatsfonds herausgeschleust haben. Das abgeschöpfte Geld gab er mit vollen Händen in den USA aus: für Juwelen, Privatjets und einen Picasso. Um sein Treiben zu vertuschen, schmierte Low hochrangige Politiker, vor allem den malaysischen Ex-Premierminister Najib Razak.

Der wurde wegen dem Skandal inzwischen abgewählt und wegen Korruption angeklagt. Bei Razzien auf seinen Anwesen fand die Polizei Schmuck und andere Wertgegenstände für 273 Millionen Dollar, darunter 25 Millionen Euro in bar, 1400 Ketten, 2200 Ringe, 1600 Broschen, 567 Luxus-Handtaschen von Marken wie Hermes, Prada und Chanel sowie 423 Uhren von Rolex oder Chopard. Es dauerte mehr als zwei Wochen, alles zu zählen.

Goldman machte den Raubzug möglich

Möglich geworden sein soll all das nur dank der tatkräftigen Mithilfe von Goldman-Bankern: Dem Deutschen Tim Leissner, seinem Vize Roger Ng aus Malaysia und einem dritten Banker aus Italien, bei dem es sich laut "Wall Street Journal" um Andrea Vella handeln soll. Vella und Leissner waren Goldman-Partner und gehörten damit zur Elite der Bank. Leissner hat sich inzwischen wegen Bestechung, Geldwäsche und Untreue schuldig bekannt. Mit seinem Geständnis klagte er auch die Bank insgesamt an: Er habe bei seinen Taten mit anderen Goldmännern zusammengewirkt und "in Übereinstimmung mit der Kultur bei Goldman Sachs" die Compliance-Abteilung getäuscht, erklärte Leissner vor Gericht.

Die Bank wäscht ihre Hände in Unschuld: Er sei persönlich "schockiert" über die Mitarbeiter und ihr "verwerfliches" Verhalten, beteuerte Goldman-Chef David Solomon in einer Nachricht an die Belegschaft. Es ist die übliche Verteidigungstaktik: Schuld haben Einzelne, die Bank und ihre Kultur mit dem Skandal nichts zu tun.

Dabei verdiente die Investmentbank an Lows Schwindel kräftig mit. Sie platzierte für Malaysias Staatsfonds drei Anleihen im Wert von 6,5 Milliarden Dollar am Markt und kassierte dafür horrende Gebühren von rund 600 Millionen Dollar. Die Deals wurden vom Top-Management in New York abgesegnet. Auch der frühere Goldman-Chef Lloyd Blankfein begegnete Low laut "Wall Street Journal" zweimal, als er sich mit dessen damaligem Chef, Ex-Premierminister Razak, traf.

Malaysia will sein Geld zurück

Laut Leissner wussten die Banker genau, was Low trieb: "Ich und mehrere andere Angestellte von Goldman Sachs wussten, dass Jho Low Schmiergeld an ausländische Beamte zahlte, um Aufträge für Goldman Sachs bei 1MDB zu sichern." Ihm und seinen Kollegen sei klar gewesen, dass ein Teil des Bestechungsgeldes aus den Anleiheverkäufen stammte, die Goldman für den Staatsfonds abwickelte.

Malaysia will nun so viel Geld wie möglich zurückholen. Zuallererst von Goldman Sachs: Offensichtlich sei man von der Bank "betrogen" worden, sagte der neue malaysische Regierungschef Mahathir Mohamad vor wenigen Tagen. Das Land fordert die Emissionsgebühren von 600 Millionen Dollar zurück.

Jho Lows gesamtes Vermögen wurde bereits beschlagnahmt. Seine 250-Millionen-Dollar-Jacht namens "Equanimity" (Gleichmut) dümpelt seitdem im Hafen von Port Klang bei Kuala Lumpur vor sich hin. Und selbst die Oscar-Statue von Marlon Brando, die Jho Low dem Hollywoodstar zum Dank für den Erfolg von "Wolf of Wall Street" schenkte, hat Leonardo di Caprio inzwischen zurückgegeben.

Quelle: n-tv.de

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