Wirtschaft
Trotz harter Umbaumaßnahmen - die meisten Griechen sind gegenüber der Eurozone positiv eingestellt.
Trotz harter Umbaumaßnahmen - die meisten Griechen sind gegenüber der Eurozone positiv eingestellt.(Foto: picture alliance / dpa)
Sonntag, 05. März 2017

Umfrage zur Finanzkrise: Griechen sehen Schuld bei eigenem Land

Nicht der harten Haltung der europäischen Geldgeber gibt eine Mehrheit der Griechen die Schuld für die anhaltenden Finanzkrise - sondern den Schwächen des eigenen Landes. Auch zur Euro-Mitgliedschaft gibt es eine dominierende Haltung.

Rund 62 Prozent der Griechen sind der Ansicht, dass die schwere Finanzkrise, die Griechenland erschüttert, hauptsächlich auf "Gründe im Landesinneren und eigene Schwächen" zurückzuführen sei. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Meinungs- und Sozialforschungs-Instituts DiaNEOsis und der Universität von Thessaloniki.

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Ein neues Wirtschaftsmodell mit weniger Staat und Steuern befürworten über 60 Prozent der Befragten - auch wenn es zu weiteren Kürzungen der Sozialprogramme und Renten führen sollte. Zudem glauben knapp 60 Prozent der Befragten, dass es besser für sie wäre, wenn Griechenland den Euro behält. Nur rund 33 Prozent sind für einen Austritt aus der Eurozone.

Experten der Gläubiger Griechenlands setzen derweil die Kontrollen der Bücher in Athen fort. Es gebe noch viele Themen, über die verhandelt werden müsse, hieß es aus Kreisen des Finanzministeriums. Die Gespräche sollten am Montag weiter gehen.

Weitere Rentenkürzungen im Gespräch

Nach wie vor wird von den Gläubigern und allen voran vom Internationalen Währungsfonds (IWF) ein Sparpaket in Höhe von rund 3,6 Milliarden Euro gefordert. Im Mittelpunkt steht die Senkung des Einkommensteuer-Freibetrags von heute 8636 Euro auf unter 6000 Euro pro Jahr. Damit würden jährlich rund 1,8 Milliarden Euro zusätzlich in die Staatskassen fließen. Diskutiert werden auch weitere Rentenkürzungen.

Die Athener Regierung hatte 2015 im Gegenzug für ein Hilfspaket von bis zu 86 Milliarden Euro umfangreiche Reformen zugesagt. Erst nach einer erfolgreichen Überprüfung können weitere Milliarden ausgezahlt werden.

Allerdings appellierte Griechenlands Zentralbankchef Yannis Stournaras zuletzt an die Euro-Partner, weniger ehrgeizige Haushaltsziele als bislang gefordert für das Land zu formulieren. Ab 2021 sollte nach seiner Auffassung nicht mehr ein Überschuss (ohne Zinszahlungen) von jährlich 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung als Zielmarke gelten, sondern nur noch von zwei Prozent. Dies würde dem Land erlauben, über niedrigere Steuersätze das Wachstum anzukurbeln. Wie der "Spiegel" berichtete, soll Berlin zu einem Entgegenkommen in dieser Hinsicht bereit sein. Griechenland wolle im Gegenzug umstrittene Reformen sofort umsetzen.

Quelle: n-tv.de

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