Wirtschaft

Handeln mit "Symphony" Großbanken starten Attacke auf Bloomberg

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Gelten bisher als fester Bestandteil auf dem Börsenparkett: Die Händler-Terminals des Finanzdienstes Bloomberg.

(Foto: REUTERS)

Bisher sind die Händler-Terminals des Finanzdienstes Bloomberg vom Börsenparkett kaum wegzudenken. Doch die Stationen stehen bei mehreren Großbanken in der Kritik. Nun proben sie mit einem "Bloomberg-Killer" den Aufstand gegen das kostspielige System.

Ohne sie geht in der Börsenwelt so gut wie nichts: Die Terminals des Finanzdienstes Bloomberg sind in den Handelssälen der Großbanken allgegenwärtig. Rund um die Uhr liefert das System den Finanzprofis die Charts mit den Kursen - Aktien, Rohstoffe, Anleihen - jede noch so kleine Nische der Finanzmärkte deckt der Service ab und liefert zudem noch diverse Analyse-Funktionen.

Goldman Sachs
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Doch genauso weit verbreitet wie die Terminals ist auch die Kritik. Die in der Regel mit zwei bis sechs Bildschirmen und eigener Tastatur ausgestattete Arbeitsstation gilt mit einer jährlichen Nutzungsgebühr von mindestens 20.000 Dollar als teuer. Zudem ist die Benutzer-Oberfläche alles andere als ein Augenschmaus und die Suchfunktion mit zahlreichen Buchstaben- und Nummerncodes relativ kompliziert.

Dennoch gibt es bislang kaum Konkurrenz für Bloomberg, dessen Terminals von über 325.000 Profihändlern genutzt werden. Ein wesentlicher Grund für die Popularität der Maschinen ist eine Chat-Funktion, die Händler nutzen, um sich gegenseitig über Marktentwicklungen - wie etwa Übernahmegerüchte oder lukrative Finanzwetten - auf dem Laufenden zu halten.

Belastende Chatprotokolle

Dieses Tool ist für Banken und Finanzfirmen, die ihre Geschäfte gerne diskret betreiben, allerdings auch ein Risiko. Denn neben den Terminals betreibt Bloomberg unter anderem auch noch eine Nachrichtenagentur und das Finanzmagazin "Bloomberg Businessweek" - der Konzern beschäftigt ein großes Heer an Journalisten, die für schnelle und investigative Finanzberichterstattung bekannt sind.

2013 kam heraus, dass Nachrichtenreporter von Bloomberg bei ihren Recherchen in vertraulichen Daten von Terminal-Kunden gestöbert hatten. Die Empörung an der Wall Street war groß, allen voran bei der führenden US-Investmentbank Goldman Sachs. Kein Wunder, dass die Großbanken empfindlich sind. Chatprotokolle können zu belastbaren Dokumenten werden, was in diversen Manipulationsskandalen der letzten Jahre auch der Fall war.

Mit den Worten "Nennt mich Legende!!!" - brüstete sich beispielsweise ein Händler der Schweizer UBS, den Devisenmarkt durch illegale Preisabsprachen ausgetrickst zu haben. Die Zitate waren von der Finanzaufsicht sichergestellt und im November 2014, im Zuge der Verhängung von Milliardenstrafen gegen UBS und andere Banken, veröffentlicht worden.

Symphony soll Bloomberg ausbremsen

Um sich von Anbietern wie Bloomberg unabhängiger zu machen, hat ein Konsortium von 15 Wall-Street-Akteuren einen eigenen Messenger-Service entwickeln lassen, der nur 15 Dollar im Monat kosten soll. Das Startup heißt Symphony - Hauptinvestor ist Goldman Sachs, mit dabei sind zudem internationale Bankenschwergewichte wie die Deutsche Bank oder UBS.

Symphony, in den USA bereits als "Bloomberg-Killer" gehandelt, entstand aus der 2012 von dem Franzosen David Gurlé - einem ehemaligen Mitarbeiter von Microsoft und dem Bloomberg-Rivalen Thomson Reuters - gegründeten Firma Perzo. Laut US-Medien soll Goldman Sachs Perzo zunächst für 40 bis 50 Millionen Dollar übernommen und dann andere Finanzfirmen als Teilhaber eingeladen haben. Zuletzt räumte Symphony durch einen Kompromiss mit der New Yorker Finanzaufsicht DFS eine wichtige regulatorische Hürde aus dem Weg.

Allerdings forderten die Finanzwächter Zugeständnisse: Die Protokolle müssen sieben Jahre lang gespeichert, und die Software für die Entschlüsselung bei unabhängigen Treuhändern hinterlegt werden. "Dies ist eine kritische Angelegenheit, nachdem Chats und andere elektronische Daten wichtige Beweise in den Ermittlungen über die Fehlverhalten der Wall Street geliefert haben", sagte DFS-Vertreter Anthony Albanese. Es müsse sichergestellt werden, dass die Daten künftig nicht in ein digitales "schwarzes Loch" fallen.

Quelle: n-tv.de, Hannes Breustedt, dpa

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