Wirtschaft

Konzept kratzt an schwarzer Null Grüne wollen neue Schulden machen

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Baerbock und Habeck ist die schwarze Null nicht heilig.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ob wichtige Infrastrukturprojekte oder Klimaschutzmaßnahmen: Der Bund braucht Geld, hat wegen der Schuldenbremse aber nur begrenzten Spielraum. Die Grünen plädieren daher für einen Investitionsfonds, der die Schuldenbremse aufweicht. Die Große Koalition würde lieber die Bürger anpumpen.

Die Grünen wollen einen milliardenschweren Fonds für Investitionen des Bundes einrichten und dafür die Schuldenbremse lockern. "Wir halten an der Schuldenbremse fest, wollen sie aber zeitgemäß reformieren", sagte Parteichef Robert Habeck der "Süddeutschen Zeitung". "Zu einer Schuldenbremse gehört ein Investitionsmotor." Dafür wollen die Grünen das Grundgesetz ändern, dort ist die Regel zur Begrenzung der Neuschulden des Staates verankert. Der neue Bundesinvestitionsfonds soll aus neuen Krediten befüllt werden, um das "öffentliche Vermögen" zu vergrößern - also etwa Geld in Infrastruktur zu stecken.

Es geht also nicht einfach um das Aufrechterhalten des laufenden Betriebs, dauerhafte Ausgaben sollen weiter aus Steuereinnahmen bezahlt werden. "Wenn der Bund mehr investiert als sein Vermögen an Wert verliert - wenn er also neue Werte schafft, soll dies auch durch die Platzierung von neuen Anleihen finanziert werden können", heißt es in einem Impulspapier, das die Partei- und Fraktionschefs sowie Fachpolitiker aus Bund und Ländern unterschrieben haben. Die Bundestagsfraktion der Grünen weilt derzeit in Weimar zur Klausur.

Die Grünen wollen die Schuldenbremse für den Bund so verändern, dass sie zu den sogenannten Maastricht-Kriterien der EU passt. Diese erlauben ein jährliches Defizit von einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), also der Wirtschaftsleistung, wenn die Schuldenquote eines Staats unter 60 Prozent des BIP liegt. Deutschland liegt knapp unter dieser Marke. "Durch unseren Vorschlag dürfte der Bund im Durchschnitt etwa 35 Milliarden Euro pro Jahr Kredite aufnehmen", heißt es im Papier. Die Schuldenbremse ist restriktiver: Danach darf der Staat sich nur mit 0,35 Prozent der Wirtschaftskraft neu verschulden und die Länder dürfen es gar nicht - Ausnahmen kann es etwa in Wirtschaftskrisen geben.

Große Koalition will an schwarzer Null festhalten

Derzeit wird in der Politik viel darüber diskutiert, wie der Staat die Investitionen bezahlen soll, die zum Beispiel für den Klimaschutz notwendig sind. Dabei geht es meist um die "schwarze Null", auf die insbesondere die Union pocht - das heißt, der Haushalt soll ausgeglichen sein. Die Große Koalition will daran nicht rütteln. Stattdessen erwägt sie unter anderem, "Klimaanleihen" auszugeben, also sich bei Bürgern zu einem festen Zinssatz Geld für Projekte zum Klimaschutz zu leihen. Andere argumentieren, dass es angesichts der niedrigen Zinsen für den Staat günstiger wäre, Schulden etwa bei Banken zu machen.

Schuldenbremse und Staatsschulden sind auch unter Grünen-Politikern kein ganz unumstrittenes Thema - Parteilinke und "Realos" setzen unterschiedliche Schwerpunkte, im Bund ist die Sicht teils anders als in den Ländern. Ein flügelübergreifendes Bund-Länder-Papier ist daher auch ein Signal in die Partei hinein. Parteikreisen zufolge waren daran unter anderen Parteichef Habeck und Fraktionschef Anton Hofreiter maßgeblich beteiligt.

Quelle: n-tv.de, ibu/dpa

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