Wirtschaft

Experte zur Insolvenz "Gute Nachricht für Air-Berlin-Mitarbeiter"

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Die Chancen für die Air-Berlin-Mitarbeiter stehen nicht schlecht. Ob sie allerdings auch nach einer Übernahme ihres Unternehmens noch Schokoherzen an die Fluggäste verteilen, ist ungewiss.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit seinem riesigen Schuldenberg war Air Berlin nicht überlebensfähig, sagt Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt im Interview mit n-tv.de. Die Insolvenz biete dagegen nun die Möglichkeit für einen Neuanfang ohne diese Last - auch wenn das Unternehmen seine Selbständigkeit verliert.

n-tv.de: Was bedeutet die Insolvenz in Eigenverwaltung, während der Flugbetrieb und die Übernahmeverhandlungen mit der Lufthansa weiterlaufen, für Air Berlin?

Heinrich Großbongardt: Ich denke, das ist insgesamt eine positive Nachricht sowohl für die Mehrheit der Mitarbeiter als auch für die Verbraucher.

Die Pleite ist eine gute Nachricht?

Air Berlin war nicht überlebensfähig mit seinem riesigen Rucksack von Schulden, einem negativen Eigenkapital und Millionenverlusten seit Jahren. Eine Sanierung bei dieser Schuldenlast nicht möglich. Durch die Insolvenz ist dieser Druck erst einmal weg und es kann nach einer Lösung - wahrscheinlich eine Übernahme oder Teilübernahme durch die Lufthansa - gesucht werden. Für viele Air-Berlin-Mitarbeiter sind die Chancen groß, ihren Job zu behalten. Die Lufthansa braucht die Air-Berlin-Maschinen und -Strecken, um ihre Low-Cost-Tochter Eurowings schnell so groß zu machen, dass sie mit Ryanair und Easyjet konkurrieren kann. Und die benötigten Piloten, Flugbegleiter und Techniker dafür wachsen ja auch nicht auf Bäumen, derzeit. Schlecht ist dagegen die Position der Verwaltungsmitarbeiter von Air Berlin. Die Marketing-Abteilung beispielsweise benötigt im Falle einer Übernahme sicher niemand.

Müssen die Mitarbeiter bei einer Übernahme durch die Lufthansa oder Eurowings nicht erheblich schlechtere Arbeitsbedingungen und Gehälter befürchten?

Sicher bietet Eurowings heute nicht mehr die gleichen Bedingungen, wie sie früher einmal bei der Lufthansa waren. Aber die Konditionen sind immer noch erheblich besser als etwa bei Ryanair, gegen die ja staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen Scheinselbständigkeit der Piloten laufen und wo Flugbegleiter ihre Ausbildung teilweise selbst bezahlen müssen.

Sind die Verbraucher nicht die Verlierer, wenn die zweitgrößte Fluggesellschaft vom Markt verschwindet?

Zunächst einmal ist durch die geordnete Insolvenz gesichert, dass alle Kunden weiter fliegen und auch aus dem Urlaub wieder zurückkommen können. Die Konkurrenz unter den Fluglinien wird auch bei einer Fusion der Air Berlin mit Lufthansa hart bleiben. Ryanair, Easyjet und andere sind ja auch am Markt und werden dafür sorgen, dass die Preise niedrig bleiben.

Sehen Sie daher auch keine kartellrechtlichen Bedenken für eine Übernahme von Air Berlin durch die Lufthansa?

Es wird sicher Auflagen geben durch das Bundeskartellamt und von der EU. Wahrscheinlich muss Lufthansa ein paar Strecken an die Konkurrenz abgeben. Aber insgesamt sehe ich keine Probleme, der Wettbewerb in Deutschland funktioniert.

Die Bundesregierung hält den Flugbetrieb in den kommenden Wochen mit einem Kredit über 150 Millionen Euro aufrecht. Wird der Steuerzahler dieses Geld wohl wiedersehen?

Dieser Kredit im Rahmen des Insolvenzverfahrens fließt nicht in die Insolvenzmasse von Air Berlin. Er wird beim Verkauf von Teilen des Unternehmens zum Beispiel an Lufthansa bevorzugt bedient und ist sowieso gut investiertes Geld. Denn ohne diesen Kredit stünden heute bereits mehr als 8000 Mitarbeiter von Berlin arbeitslos auf der Straße - und hätten Anspruch auf staatliche Leistungen.

Mit Heinrich Großbongardt sprach Max Borowski

Quelle: n-tv.de

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