Wirtschaft

"Er hat es vergeigt" HSH-Chef muss gehen

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Nach weniger als zwei Jahren muss Paul Lerbinger den Vorstandssitz wieder abgeben.

dapd

Vorstandswechsel bei der HSH-Nordbank: Paul Lerbinger verlässt die Hamburger Landesbank. Der überraschende Rückzug zeigt auf, dass die Bank noch nicht über den Berg ist. Lerbinger habe nicht den erhofften Wandel gebracht, heißt es offiziell. "Er hat es vergeigt", hinter vorgehaltener Hand.

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Constantin von Oesterreich soll den Wandel bringen.

(Foto: dapd)

Die HSH Nordbank setzt ihren Vorstandschef Paul Lerbinger nach weniger als zwei Jahren wieder vor die Tür. Der langjährige Investmentbanker werde Ende Oktober abtreten, teilte das von den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein kontrollierte Institut überraschend mit. Lerbinger habe es nicht geschafft, die Landesbank in sicheres Fahrwasser zu bringen, hieß es in Eignerkreisen. "Das hat Lerbinger vergeigt", sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. "Das ist von seiner Seite kein freiwilliger Abgang."

Aufsichtsratschef Hilmar Kopper dankte Lerbinger für "die geleistete Arbeit und den unermüdlichen Einsatz unter sehr anspruchsvollen Rahmenbedingungen. Das Ausscheiden von Dr. Lerbinger in dieser für die Bank schwierigen Phase ihrer Umstrukturierung ist bedauerlich", sagte er. Der HSH-Aufsichtsrat soll die Personalie in seiner Sitzung am kommenden Mittwoch absegnen und den derzeitigen Finanzchef Constantin von Oesterreich zum neuen Vorstandschef bestellen. Bankkreisen zufolge soll in Kürze auch ein neuer Finanzchef ernannt werden.

Lerbinger war im März 2011 bei der Bank angetreten, die sich in der Finanzkrise mit Kredit- und Wertpapiergeschäften verspekuliert hatte und vom Staat mit Milliarden vor dem Aus gerettet wurde. Wegen der Staatshilfen musste sich die HSH einem EU-Beihilfeverfahren stellen, das sie im Herbst 2011 abschloss. Das Geldhaus muss nun zu einer Regionalbank schrumpfen, die Flugzeugfinanzierung und das globale Immobiliengeschäft aufgeben und die Schiffsfinanzierung zurückfahren.

"Gewaltige Aufgaben"

Lerbinger, der zuvor unter anderem für JP Morgan, die Deutsche Bank und Citigroup gearbeitet hatte, habe das unter seinem Vorgänger herrschende "Klima der Angst und des Misstrauens" beendet, hieß es aus der Bank. Seine wichtigste Aufgabe sei es gewesen, dass EU-Verfahren abzuschließen und die Bank neu aufzustellen. Für den Abbau der Altlasten und die Betreuung des kriselnden Schifffahrtportfolios sei Finanz- und Restrukturierungsexperte von Oesterreich nun der richtige Mann. Der langjährige Deutsche-Bank-Manager von Oesterreich war im November 2009 zur HSH gestoßen und ist bisher für Finanzen und die interne Bad Bank zuständig.

Auf den neuen Chef warten große Herausforderungen. Die Bank erlitt wegen der Schifffahrtskrise im zweiten Quartal einen Vorsteuerverlust und rechnet auch in den kommenden Monaten mit Gegenwind. "Wir haben gewaltige Aufgaben vor uns, daran hat sich nicht geändert", sagte ein hochrangiger HSH-Manager gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Zweifel am Umbau

Die HSH hat im August angekündigt, zusätzliche Maßnahmen zu prüfen, um das Risikopotenzial zu senken und dauerhaft angemessene Kapitalquoten zu sichern. Die Risikovorsorge in der Schifffahrt sei weiter hoch, sagte ein Insider. Zudem bereiteten der Bank Währungs-Optionsgeschäfte Kopfschmerzen. Die Ratingagentur Moody's hatte kürzlich Zweifel geäußert, ob das Geldhaus in der Lage ist, sein Geschäftsmodell wie von der EU verlangt bis 2014 umzubauen und droht mit einer Herabstufung.

Die katastrophale Lage in der Schifffahrt könne man Lerbinger zwar nicht anlasten, aber es sei ihm nicht gelungen, in den neuen Geschäftsfeldern wie geplant Fuß zu fassen, hieß es in Eignerkreisen. Im Großkunden- und Großkreditgeschäft habe die Bank ihre Ziele verfehlt, sagte ein Insider. Lerbinger habe die Erwartung nicht erfüllt und die Trennung von ihm sei deshalb unausweichlich gewesen, sagte eine andere mit dem Vorgang vertraute Person. Lerbinger war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, die HSH und die beiden Landeseigner wollten sich über die offizielle Mitteilung hinaus nicht äußern.

Die HSH hat im Juli die letzten Hilfen des Bankenrettungsfonds SoFFin zurückgezahlt, das Institut besitzt von den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein aber noch eine sogenannte Zweitverlustgarantie über sieben Mrd. Euro. Die Länder springen mit diesem Betrag ein, wenn die Bank in einem bestimmten Kredit- und Wertpapierportfolio Verluste einfährt, die über den vereinbarten Selbstbehalt der Bank von 3,2 Mrd. Euro hinausgehen.

Quelle: n-tv.de, sla/rts/AFP

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