Wirtschaft

Milliarden für Reserve Habeck lässt Gaspreis auf Rekordhoch springen

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Der weltweite LNG-Markt könnte durch Europas zusätzliche Käufe aus der Balance geraten.

(Foto: picture alliance / Zoonar)

Die Bundesregierung macht Ernst. Um Deutschland gegen mögliche Engpässe zu wappnen, kauft sie in großem Stil Gas. Doch der Markt ist eng, die Preise im Großhandel reagieren sofort. Ohne politische Koordination droht die Aktion zu einem teuren Eigentor zu werden.

Die Bundesregierung hat in einer Überraschungsaktion für 1,5 Milliarden Euro Gas gekauft, das als Reserve in deutsche Erdgasspeicher gefüllt werden soll. Wie das "Handelsblatt" berichtet, wurden erste Verträge dazu bereits gestern abgeschlossen. Nach Angaben eines Sprechers des Wirtschaftsministeriums wird die Trading Hub Europe GmbH (THE), die gemäß Energiewirtschaftsgesetz für den Ausgleich von Angebot im deutschen Markt zuständig ist, mit der Beschaffung beauftragt. Wie viel Gas aus welchen Quellen gekauft wurde, gab die Gesellschaft nicht bekannt. Es soll sich jedoch um Flüssiggas handeln, das in der Regel aus Übersee per Schiff geliefert wird.

Wirtschaftsminister Robert Habeck hatte angekündigt, dass Deutschland angesichts der Sorge vor einem russischen Lieferstopp im Zuge des Ukraine-Kriegs, eine staatliche Gasreserve aufbauen werde. Dazu soll auch eine gesetzliche Grundlage geschaffen werden. Derzeit sind Europas Gasspeicher für die Jahreszeit am Ende des Winters verhältnismäßig gut gefüllt. Selbst bei einem Stopp der Lieferungen aus Russland, die in den vergangenen Jahren rund 40 Prozent des Gasverbrauchs in der EU ausmachten, dürfte es in dieser Heizsaison nicht mehr zu einer akuten Gasknappheit kommen. Zudem hat Russland in den vergangenen Tagen seine Lieferungen durch die Ukraine sogar erhöht.

TTF auf Rekordhoch

Dennoch könnte das Gas im kommenden Winter knapp werden, wenn die europäischen Gasspeicher im Sommer nicht gefüllt werden, zumal die Forderungen nach einem Embargo für russische Energieexporte in Europa immer lauter werden. Das Füllen der Speicher müsse jetzt vorbereitet werden, sagt Georg Zachmann, Energieexperte der Brüsseler Thinktanks Bruegel. "Das ist auch ein Signal an die Lieferländer, dass die Nachfrage steigt." So könnten Produzenten, etwa in den USA oder im Mittleren Osten, soweit das überhaupt möglich ist, die Produktion und damit das Angebot in den kommenden Monaten erhöhen. Zudem, so Zachmann, sollte der deutsche Milliarden-Einkauf auch ein Signal an die europäischen Regierungen sein, ihre Energiebeschaffung dringend zu koordinieren.

Denn ohne eine solche enge Koordination dürfte der deutsche Kauf einen Überbietungswettbewerb um das knappe Angebot auf dem LNG-Markt auslösen und den Preis explodieren lassen. "Das wäre kein Nullsummenspiel, sondern ein Negativ-Summenspiel", warnt Zachmann. Alle würden im schlechtesten Fall höhrere Preise für die gleiche Menge oder sogar weniger Gas zahlen. Der Weltmarkt für Flüssiggas ist mit einem Volumen von rund 5500 Terrawattstunden (TWh) vergleichsweise klein. Sollten die Europäer versuchen, ohne umfangreiche politische Absprachen untereinander, mit anderen Importländern wie Japan und Korea sowie mit den Produzenten 1000 TWh oder mehr zusätzlich von dieser Menge aufzukaufen, würde dies zu einer Preisexplosion führen.

Wie groß diese Gefahr ist, zeigt bereits die Reaktion des europäischen Gasgroßhandels. Der Preis für Gaslieferungen im nächsten Monat schoss innerhalb kürzester Zeit um mehr als zwei Drittel nach oben. Im Laufe des Tages gab der als Leitindex für den europäischen Gasmarkt geltende niederländische TTF-Index etwas nach, liegt aber immer noch auf Rekordniveau.

Quelle: ntv.de

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