Wirtschaft

Qualität statt niedrige Preise Handel kämpft erbittert um Bio-Kunden

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Das Bioland-Sortiment bei Lidl soll in Zukunft kontinuierlich wachsen.

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Das Bio-Segment ist einer der wenigen Bereiche, die im deutschen Lebensmittelhandel noch kräftig wachsen. Mehr als zehn Milliarden Euro geben Verbraucher bereits jährlich für Öko-Produkte aus. Den Kampf um umweltbewusste Kunden heizt Lidl jetzt mit einer neuen Offensive an.

Deutschlands große Handelsketten von Aldi bis Edeka haben sich schon zwei Drittel des Bio-Marktes gesichert. Doch sie wollen mehr. Seit Anfang des Jahres kämpft der Handel noch erbitterter um umweltbewusste Kunden. Eingeläutet wurde der neue Schlagabtausch vom Discounter Lidl. Doch der Rotstift spielte dabei keine Rolle.

"Gut. Besser. Bioland", wirbt Lidl in ganz Deutschland für seine neue Bio-Offensive. Seit Jahresbeginn hat der Billiganbieter nahezu alle Molkereiprodukte seiner Bio-Eigenmarke mit dem bislang vor allem im Fachhandel zu findenden Bioland-Siegel versehen, dessen Vorgaben teils deutlich über die EU-Bio-Richtlinien hinausgehen. Das Bioland-Sortiment bei Lidl soll in Zukunft kontinuierlich wachsen.

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(Foto: picture alliance/dpa)

Der Schritt ist bemerkenswert, denn der Billiganbieter versucht hier nicht in erster Linie über den Preis zu punkten, sondern setzt stattdessen auf bessere Qualität. "Aldi hat die Frage "Bio oder nicht Bio" beantwortet, indem es - über die Menge - zum Marktführer in diesem Bereich aufgestiegen ist. Lidl lässt das nicht auf sich sitzen und versucht Aldi mit den anspruchsvolleren Standards von Bioland zu übertrumpfen", urteilt der Handelsexperte Matthias Queck von Retailytics, der Analystengruppe der "Lebensmittel Zeitung". Für ihn steht fest: "Es gibt derzeit keinen richtigen Preiskampf mehr, vielleicht noch vereinzelte Scharmützel." Der Wettbewerb der Lebensmittelhändler habe sich vom Preis auf die Qualität verlagert.

Kaum ein anderer Bereich eignet sich mehr dafür als das Bio-Segment. Denn Bio ist einer der wenigen Bereiche, die im Lebensmittelhandel noch kräftig wachsen - zwischen 2012 und 2017 jährlich nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung um 5,9 Prozent im Schnitt. Mehr als zehn Milliarden Euro geben die deutschen Verbraucher inzwischen jährlich für ökologische Produkte aus. Der Lidl-Vorstoß hat den Kampf um die Kunden in diesem attraktiven Segment noch einmal angeheizt.

Kampf um die Öko-Kundschaft

Denn die Konkurrenz schaut nicht tatenlos zu. "Vor allem Aldi, Edeka, dm und Rossmann haben bei Bio aufgerüstet", beobachtet das Branchenfachblatt "Lebensmittel Zeitung". Auch Aldi Süd umwirbt die Öko-Kundschaft derzeit mit einem 28-seitigen Sonderprospekt und verspricht eine "noch größere Bio-Auswahl". Und Rewe verweist auf seiner Online-Seite auf mehr als 500 Bio-Produkte in seinem Angebot, von denen mehr als 200 das Naturland-Siegel tragen.

Im Bio-Fachhandel lässt der Schlagabtausch der Branchenriesen die Alarmglocken schrillen. Vor allem die Listung der bisher weitgehend dem Fachhandel vorbehaltenen Marke Bioland im Lidl-Sortiment sorgt für Unruhe. "Es weckt Ängste, wenn sie als kleines oder mittleres Unternehmen plötzlich im Wettbewerb mit einem der größten Discounter stehen", berichtet Elke Röder vom Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN). "Da sackt ihnen das Herz in die Hose." Die Fachhändler müssten nun auf die Warnsignale reagieren, selbst in die Offensive gehen und stärker als bisher die Werbetrommel rühren, meint Röder.

"Der Fachhandel hat ja einiges zu bieten: ein breites Bio-Sortiment mit Spezialitäten aus der Region, Innovationen bei Naturkosmetik und ökologische Reinigungsmittel vom Feinsten." Branchenkenner Queck sieht aber in der aktuellen Entwicklung nicht nur Risiken, sondern auch Chancen für den Bio-Fachhandel. "Der Marktanteil der großen vier Händler - Edeka, Rewe, Aldi und Lidl - im Biomarkt wird weiter steigen. Aber das muss nicht negativ für die Fachmärkte sein", meint er. Denn durch das Bio-Angebot der Discounter würden ganz neue Kundengruppen für Bioprodukte erschlossen. Davon könnten am Ende auch die Fachmärkte profitieren.

Quelle: n-tv.de, Erich Reimann, dpa

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