Wirtschaft

ZEW-Index sackt ab Handelsstreit trübt die Stimmung

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Auf dem Bau läuft es gut, doch der Handelsstreit könnte die Konjunktur dämpfen.

(Foto: dpa)

Der von den USA und China angeheizte Handelsstreit lässt die Erwartungen an die deutsche Konjunktur deutlich schwächeln. Der ZEW-Index fällt auf den tiefsten Wert seit mehr als fünf Jahren. Dabei läuft es in einigen Bereichen blendend.

Börsenprofis blicken wegen des Handelsstreits mit den USA erheblich skeptischer auf die Aussichten für die deutsche Konjunktur. Das Barometer für ihre Erwartungen im nächsten halben Jahr sank im Juli überraschend stark um 8,6 Zähler auf minus 24,7 Punkte und fiel damit auf den tiefsten Stand seit August 2012. Das teilte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zu seiner monatlichen Umfrage unter 201 Analysten und Anlegern mit.

"Vor allem die Befürchtung einer Eskalation des internationalen Handelskrieges mit den Vereinigten Staaten belastet den konjunkturellen Ausblick", sagte ZEW-Präsident Achim Wambach. Der Index blieb unter dem langfristigen Durchschnittswert von plus 23,2 Punkten. Es war der fünfte Rückgang in sechs Monaten.

Die gegenwärtige Lage schätzten die Experten ebenfalls schlechter ein als zuletzt. Wambach sagte, die erwarteten negativen Folgen des Handelskonfliktes mit den USA für den deutschen Außenhandel fielen stärker ins Gewicht als jüngste positive Daten bei Aufträgen, Industrieproduktion und Arbeitsmarkt.

Für den Chefökonom der VP Bank aus Liechtenstein, Thomas Gitzel, spiegelt der ZEW-Index derzeit vor allem ein schwieriges deutsch-amerikanisches Verhältnis wider. "Der deutschen Wirtschaft droht kein jäher konjunktureller Absturz." Da die Firmen wegen günstiger Finanzierungsbedingungen mehr investierten und der Wohnungsbau floriere, werde die deutsche Wirtschaft im zweiten Halbjahr aber Kurs halten. "Die Wette gilt: Eskaliert der Handelsstreit nicht weiter, wird der ZEW-Index im August deutlich besser ausfallen", so Gitzel.

Viele Ökonomen gehen davon aus, dass der Aufschwung seinen Höhepunkt hinter sich hat. Zahlreiche Experten und Institute haben deshalb ihre Wachstumsprognosen zuletzt gesenkt und rechnen für dieses Jahr nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von knapp zwei Prozent in Deutschland, nach 2,2 Prozent 2017. Vor allem in der Bauwirtschaft läuft es aber weiter rund. Die boomende Branche startete mit einem kräftigen Umsatzplus ins zweite Quartal. Im April lagen die Erlöse im Bauhauptgewerbe um 9,8 Prozent über dem Niveau vor einem Jahr, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Quelle: n-tv.de, mli/rts

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