Wirtschaft

Hamburger zahlen MilliardensummeHapag-Lloyd schluckt Konkurrenten aus Israel

16.02.2026, 16:48 Uhr
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Hapag-Lloyd steht in der Rangliste der größten Containerreedereien auf Platz fünf. (Foto: picture alliance / Hans Lucas)

ZIM ist die zehntgrößte Containerrederei der Welt - und wohl bald in den Händen von Hapag-Lloyd. Das Hamburger Logistikunternehmen legt mehr als vier Milliarden Euro auf den Tisch. Grünes Licht muss am Ende der Staat Israel geben.

Deutschlands größte Containerreederei Hapag-Lloyd treibt ihr Wachstum mit einer Großübernahme in Nahost voran: Der Hamburger Konzern übernimmt die israelische Rivalin ZIM in einem insgesamt rund 4,2 Milliarden Dollar schweren Deal. Das heute besiegelte Geschäft stehe noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch den israelischen Staat, teilte Hapag-Lloyd mit. Um dessen Sonderrechten Sorge zu tragen, kooperiere man mit dem israelischen Finanzinvestor Fimi. ZIM ist die zehntgrößte Containerreederei weltweit, Hapag-Lloyd die Nummer fünf. Durch den Kauf stärkt Hapag seine Position als einer der größten Container-Riesen weltweit. Bei den ZIM-Beschäftigten stieß die Übernahme dagegen auf Widerstand, sie traten in den Streik.

Die israelische Reederei hat ihren Sitz in der Mittelmeerhafenstadt Haifa. ZIM verfügt nach eigenen Angaben über 147 Schiffe, die mehr als 330 Häfen ansteuern. Hapag-Lloyd erklärte weiter, der Traditionskonzern werde nach dem Zukauf eine Flotte von über 400 Schiffen, eine Kapazität von mehr als drei Millionen Standardcontainern (TEU) und ein jährliches Transportvolumen von mehr als 18 Millionen TEU haben.

Damit rückt Hapag an die viertgrößte Reederei Cosco aus China heran, bleibt aber nach Angaben der Hamburger hinter ihr zurück. Weltgrößte Reederei ist MSC mit Sitz in der Schweiz, Nummer zwei ist der dänische Hapag-Lloyd Partner Maersk. Beide sollen Medienberichten zufolge auch Interesse an ZIM angemeldet haben.

Den Zuschlag erhielt Hapag-Lloyd und will das Geschäft nun bis Ende des Jahres abschließen. Voraussetzung seien aber behördliche Genehmigungen, so das Unternehmen. Neben der kartellrechtlichen Zustimmung gehe es vor allem um die Sonderrechte, über die Israel bei der ZIM Integrated Shipping Services verfügt. Deshalb werde eine vom Finanzinvestor Fimi Opportunity Funds kontrollierte Firma die aus diesen staatlichen Privilegien resultierenden Verpflichtungen übernehmen. Zu diesem Zweck sollen von Hapag-Lloyd oder ZIM unter anderem zwölf Schiffe auf diese Firma übertragen werden.

ZIM-Betriebsrat ruft zum Streik auf

ZIM erklärte, die Fimi-Reederei "New ZIM" werde mit einer Flotte von 16 Schiffen einem Schwerpunkt auf dem israelischen Geschäft haben. Israel solle über das "Gemini"-Netz von Hapag-Lloyd mit wichtigen Häfen in der EU, den USA, am Mittelmeer und Schwarzen Meer verbunden werden. "Gemini" ist eine seit etwa einem Jahr bestehende Kooperation von Hapag mit Maersk. Dabei koordinieren die beiden Unternehmen einen Teil ihrer Fahrpläne beispielsweise auf Transatlantik-Routen.

Ein ZIM-Vertreter erklärte, die Nachricht von der Übernahme habe die Belegschaft zum Ausstand am ZIM-Sitz in Haifa veranlasst. Israelische Medien hatten zuvor berichtet, der Betriebsrat habe zum Streik aufgerufen, weil er in die Entscheidung nicht eingebunden worden sei. ZIM hatte bereits Ende 2025 erklärt, es habe nicht-bindende Übernahme-Angebote erhalten und seit Monaten die strategischen Möglichkeiten des Unternehmens ausgelotet. Hapag-Lloyd erklärte weiter, der Erwerb soll im Wege der Verschmelzung einer israelischen Tochtergesellschaft von Hapag-Lloyd mit ZIM unter Fortbestehen von ZIM als neuer, zu 100 Prozent gehaltener Tochtergesellschaft von Hapag-Lloyd erfolgen.

Analysten von JP Morgan bewerteten die Übernahme als Möglichkeit für Hapag-Lloyd, die eigenen Kapazitäten schnell auszubauen, obwohl Werften kurzfristig nicht so viele neue Schiffe liefern könnten. Durch die Übernahme würde Hapag seinen weltweiten Marktanteil demnach von sieben auf knapp unter neun Prozent erhöhen können.

Bei dem Geschäft zu berücksichtigen sind aber auch politische Auswirkungen. So hatte Hapag erst vor etwa zwei Wochen Fahrten durch das Rote Meer und den Suezkanal wieder aufgenommen. Die Reederei und die meisten Konkurrenten hatten diese Route etwa zwei Jahre lang wegen der Angriffe jemenitischer Huthi-Rebellen gemieden. Diese hatten als Reaktion auf den Gaza-Krieg vor allem Frachter mit Israel-Bezug ins Visier genommen. Zudem halten die Staatsfonds von Katar und Saudi-Arabien Aktienpakete an Hapag-Lloyd von je mehr als zehn Prozent. Die Stadt Hamburg hält fast 14 Prozent an Hapag-Lloyd. Hapag-Großaktionäre sind mit je 30 Prozent die chilenische Reederei CSAV und der aus Hamburg stammende Milliardär Klaus-Michael Kühne. Der Streubesitz beträgt nur 3,6 Prozent.

ZIM erklärte, Hapag-Lloyd zahle 35 Dollar je Aktie in bar, was einem Aufschlag auf den Kurs vom Freitag von 58 Prozent entspreche. Hapag teilte mit, die Übernahme mit liquiden Mitteln des Unternehmens sowie einer externen Finanzierung von bis zu 2,5 Milliarden Dollar zu stemmen.

Quelle: ntv.de, jpe/rts

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