Wirtschaft
Es droht ein "harter Brexit".
Es droht ein "harter Brexit".(Foto: REUTERS)
Freitag, 09. November 2018

Der Brexit naht: Heineken bunkert Bier

Die Briten können etwas entspannter auf den nahenden Brexit blicken. Der Bier-Gigant Heineken stockt die Vorräte auf der Insel vorsorglich kräftig auf und sichert damit den Nachschub, auch wenn es zu Grenzkontrollen kommen sollte.

Die Briten und die im Vereinigten Königreich tätigen Unternehmen bereiten sich nach und nach auf den Brexit vor. Da ein ungeregelter Ausstieg Großbritanniens aus der EU droht, entwickeln einige Firmen wie etwa Heineken regelrechte Notfallpläne. Der Brauerei-Riese hat der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge begonnen, auf der Insel Bier und den bei Briten beliebten Apfelschaumwein Cider zu bunkern und will die Vorräte in den kommenden Wochen und Monaten kräftig erhöhen.

Der Konzern arbeitet dabei mit dem Logistiker Wincanton zusammen, um zusätzlichen Lagerraum anzumieten. Heineken suche nach Platz für tausende Paletten, sagte Wincanton-Chef Adrian Colman. 

Der Schritt zeigt, dass die Nervosität wegen eines möglichen ungeregelten Austritts wächst. Ganz vorne mit dabei ist der Großbritannien-Chef von Amazon. Doug Gurr hat der "Times" zufolge den Brexit-Minister Dominic Raab gewarnt, dass es im Falle eines "harten Brexits" wegen Lieferengpässen zu Aufständen kommen könne. So weit gehen andere nicht, doch immerhin wird ein Teil der Autobahn M20, die in Richtung Ärmelkanal führt, zu einem  Parkplatz für Lastwagen umfunktioniert. Der Hintergrund: Sollte nicht rechtzeitig ein Abkommen unterzeichnet werden, müssen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU über Nacht wieder Grenzkontrollen eingeführt werden - und die Lastwagen auf beiden Seiten am Ärmelkanal gestoppt werden.

"Die Uhr tickt"

Viel Zeit für eine Einigung bleibt nicht mehr. Am 29. März will Großbritannien die EU verlassen - das ist in weniger als 3400 Stunden. Die Staats- und Regierungschefs der EU hatten einen Gipfel für Mitte November angepeilt, um einen Brexit-Vertrag mit der Regierung in London abzuschließen. Doch dazu wird es wohl nicht kommen. "Um ehrlich zu sei, wir sind noch nicht so weit", sagte EU-Chefunterhändler Michel Barnier. "Die Uhr tickt." Es seien noch wichtige Fragen offen.

Beide Seiten sind nach wie vor uneins darüber, wie die Wiedereinführung der Kontrollen an der Grenze zwischen dem EU-Mitglied Irland und der britischen Provinz Nordirland verhindert werden soll. Eine offene Grenze auf der irischen Insel gilt als entscheidend für den Fortbestand des Karfreitagsabkommens, das 1998 den Bürgerkrieg in Nordirland beendete.

Dezember sei die "endgültige deadline", so Barnier. Gelinge bis dahin keine Einigung, bleibe nicht genug Zeit für die nötigen Ratifizierungen durch das Parlament in London und das Europäische Parlament. Kleiner Trost: Die Briten können sich den Austritt aus der EU bei Bedarf schöntrinken.

Quelle: n-tv.de