Wirtschaft

"Uneingeschränkte Unterstützung" Herbert Diess bleibt Chef von Volkswagen

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Hat auf eine vorzeitige Vertragsverlängerung dann doch verzichtet: Herbert Diess.

(Foto: dpa)

In einer Sondersitzung spricht der VW-Aufsichtsrat Konzernchef Herbert Diess sein Vertrauen aus. In einem Punkt aber setzt sich Betriebsratschef Osterloh durch: Diess lässt seine Forderung nach einer vorzeitigen Vertragsverlängerung fallen.

Die Führungskrise bei Volkswagen ist fürs Erste abgewendet. Der Aufsichtsrat beschloss den Neuzuschnitt und die Besetzung von Schlüsselressorts im Vorstand, mit denen Konzernchef Herbert Diess die Transformation zu einem Technologieanbieter nach dem Vorbild des US-Elektroautobauers Tesla beschleunigen will. Dabei wurden auch konkrete Sparziele vereinbart. Seine Forderung nach einer vorzeitigen Vertragsverlängerung habe Diess fallengelassen, hieß es aus dem Umfeld des Aufsichtsrats. Damit hat sich nach Meinung von Konzernbeobachtern Betriebsratschef Bernd Osterloh durchgesetzt, mit dem sich Diess seit Monaten einen kräftezehrenden Machtkampf über die Geschwindigkeit beim Konzernumbau lieferte.

Das Kontrollgremium demonstrierte im Anschluss Geschlossenheit. Diess habe "die uneingeschränkte Unterstützung" bei der Ausrichtung des Konzerns auf Elektromobilität und Digitalisierung. "Ohne seinen Einsatz wäre die Transformation des Unternehmens nicht so konsequent und erfolgreich verlaufen." Dabei würdigte der Aufsichtsrat ausdrücklich "die Zielstrebigkeit und Hartnäckigkeit", mit der Diess den technologischen Wandel, den Beitrag zur Erreichung der Klimaziele, aber auch die wirtschaftlichen Ergebnisse des Unternehmens vorantreibe. "In den kommenden Jahren wird der Vorstand der Volkswagen AG die Strategie mit Herbert Diess an der Spitze umsetzen."

Umsetzung der "Strategie 2025+"

Die Eignerfamilien Porsche und Piech erklärten: "Es ist für uns von entscheidender Bedeutung, dass Herbert Diess mit seinem neuen Vorstandsteam diese wichtige Phase des Volkswagen Konzerns weiter prägen wird." Bei der Umsetzung der "Strategie 2025+" habe er die volle Rückendeckung, "genauso wie bei der Umsetzung von Maßnahmen, die die Wirtschaftlichkeit erhöhen". Als Teil der Vereinbarungen kündigte der Aufsichtsrat an, Vorstand und Betriebsrat sollten sich Ende des ersten Quartals auf einen Plan verständigen, um die Fixkosten bis 2023 um fünf Prozent zu reduzieren. Die Materialkosten sollen in den kommenden zwei Jahren um sieben Prozent gesenkt werden.

Osterloh sagte, zwischen Aufsichtsrat, Vorstand und Belegschaftsvertretern herrsche "absolute Einigkeit" über die Ausrichtung des Konzerns auf die strategischen Ziele der Transformation. Bei der Umsetzung bekannten sich alle Beteiligten weiterhin zur Gleichrangigkeit von Wirtschaftlichkeit und Beschäftigungssicherung sowie zur Bedeutung der Ausbildung.

Außerdem gab der Aufsichtsrat bekannt, dass das Stammwerk in Wolfsburg mittelfristig zur Modellfabrik für die hochautomatisierte Fertigung von Elektrofahrzeugen der Marke VW werden soll. Hierzu werde - ähnlich dem Projekt "Artemis" von Audi - ein Projekt aufgesetzt, das von der Entwicklung des Fahrzeugs bis zur Produktion alle Aktivitäten bündeln solle.

Nein zum Verkauf von Lamborghini und Ducati

Eine Absage erteilte der Aufsichtsrat Überlegungen, Lamborghini und Ducati zu verkaufen. Beide Marken sollen Bestandteil des Konzerns bleiben. Der britische Luxusautobauer Bentley soll zum 1. März in die Verantwortung von Audi übergehen, um im Rahmen der Elektrifizierungsstrategie Synergien zu heben.

Auf die Besetzung von Schlüsselpositionen im Konzernvorstand hatte man sich schon im Vorfeld geeinigt. Demnach soll Arno Antlitz Konzern-Finanzchef werden, wenn Frank Witter im Juni nächsten Jahres abtritt. Antlitz, der derzeit Finanzvorstand bei der VW-Tochter Audi ist, solle sich vor allem auf weitere Effizienzsteigerungen konzentrieren, hieß es. Für das Einkaufsressort, das seit dem Rückzug von Stefan Sommer verwaist ist, berief der Aufsichtsrat zum 1. Januar Murat Aksel. Er soll zugleich Einkaufschef der Marke VW bleiben.

Das Komponentenressort, das unter Sommer in einem Vorstandsbereich mit dem Einkauf gebündelt war, wird als eigenständiges Ressort "Technik" von Thomas Schmall geleitet. Er führte bereits die konzerneigene Zuliefersparte "Komponente".

Quelle: ntv.de, nan/rts