Wirtschaft

Aktien gehen durch die Decke Hilft Corona der Gaming-Branche?

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Die Absage von großen Branchenevents macht den Unternehmen zu schaffen.

(Foto: imago images/ULMER Pressebildagentur)

Auch wenn die Maßnahmen gegen Corona gelockert werden, bleiben viele Menschen zu Hause. Viele von ihnen greifen zu Videospielen. Doch inwiefern die Gaming-Branche von der Corona-Krise profitiert, ist offen.

Die Gaming-Branche ist trotz der durch die Corona-Krise überall ausgelösten wirtschaftlichen Flaute im Aufwind. Das zumindest beim ersten Blick auf die Aktien der großen Spielefirmen. Ein Beispiel: Die Aktie des japanischen Konsolenherstellers Nintendo ist seit Mitte März nach einer langen Talfahrt um mehr als 40 Prozent gestiegen und notiert nahe an ihrem Fünf-Jahres-Hoch. Zwar hat dazu vermutlich auch der aktivistische Investor ValueAct Capital Partners beigetragen, der für 1,1 Milliarden US-Dollar Anteile am Unternehmen gekauft hat. Doch Anleger gehen offensichtlich davon aus, dass Nintendo künftig Gewinn und Umsatz noch weiter steigern wird.

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Das aktuelle Spielekonsolen-Modell, die Nintendo Switch, ist seit Beginn der Corona-Krise weltweit ausverkauft und wird auf den Kleinanzeigenportalen gebraucht zu höheren Preisen gehandelt als die mit Verzögerung gelieferte Neuware in den großen Onlineshops. Und je mehr Konsolen im Umlauf sind, desto mehr verdient Nintendo sowohl an den eigenen Spielen, als auch an den Lizenzen, die sie an Entwickler verkaufen. Dasselbe gilt für die anderen beiden Konsolenproduzenten, Sony und Microsoft. Vor diesem Hintergrund haben die Aktien der Spieleentwickler Ubisoft, Electronic Arts und TakeTwo Interactive kräftig zugelegt.

Lässt sich die gute Stimmung an den Aktienmärkten also eins zu eins auf die gesamte Branche übertragen? Felix Falk, Geschäftsführer vom Verband der deutschen Games-Branche (Game) bezweifelt das im Gespräch mit ntv.de: "Seit Beginn der Corona-Pandemie lässt sich ein Anstieg der Spieler-Zahlen beobachten. Inwieweit aber auch die Umsätze dadurch steigen werden, lässt sich noch nicht abschätzen. Denn viele Menschen spielen die Titel, die sie bereits besitzen."

Zu sehen ist das beispielsweise an der größten PC-Spiele-Plattform Steam, die zurzeit Nutzerrekorde verzeichnet. Schaut man in die Liste der meistgespielten Spiele, sind zwei davon mittlerweile schon älter als fünf Jahre (in der Gaming-Welt eine beachtliche Zahl) und dürften auch vor Corona längst im Besitz der Nutzer gewesen sein, zumal die Plattform mehrmals im Jahr ältere Spiele zu Schleuderpreisen verkauft. Hinzu kommt: Viele Spiele in der Rangliste funktionieren nach dem sogenannten Free-to-Play-Prinzip. Ähnlich wie bei vielen Apps auf dem Smartphone ist das Grundspiel kostenlos und die Nutzer können innerhalb des Spiels Geld ausgeben, sind aber keineswegs dazu gezwungen. Ob sie sich die vermehrte Spielzeit in Krisenzeiten auch mehr kosten lassen, bleibt abzuwarten.

Kurzfristige Verschlechterung

Die deutsche Branche ist international zwar vergleichsweise klein, wächst dem Verband Game zufolge zuletzt aber stetig: 2019 fuhr sie mit über sechs Milliarden Euro Umsatz ein Plus von sechs Prozent ein. Das war allerdings vor Corona, jetzt "geben knapp zwei Drittel der Unternehmen an, dass sich ihre wirtschaftlichen Rahmenbedingungen kurzfristig verschlechtern werden", sagt Felix Falk.

Auch die Absage von großen Branchenevents, in Deutschland zum Beispiel die Gamescom und die direkt davor stattfindende Devcom, könnten negative Folgen haben. "Denn hier treffen zum Beispiel die kleinen und mittelgroßen Entwicklerstudios Partner und Publisher, um die Finanzierung ihrer künftigen Spiele-Produktionen sicherzustellen. Ohne diese Netzwerk-Möglichkeiten ist das deutlich schwieriger. Daher wollen wir mit der digitalen Gamescom und Devcom Ende August auch den Spiele-Entwicklern eine Plattform bieten, um potenzielle Partner zumindest digital treffen zu können", so Falk. Es gebe sogar jetzt schon Unternehmen, die in Not geraten, gerade Dienstleister und Veranstalter sowie der eSport-Bereich. Für die seien schnelle Hilfe und Kredite jetzt besonders wichtig.

Quelle: ntv.de