Die Party geht weiterHohe KI-Ausgaben zahlen sich für Big Tech aus

Die großen US-Technologiekonzerne ernten weitere Früchte ihrer KI-Engagements. Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft legen überraschend starke Quartalsergebnisse vor - und wollen weiter hochrüsten.
Die Tech-Riesen Amazon, Google, Microsoft und Meta wollen in diesem Jahr im Zuge ihres KI-Wettrüstens bis zu 725 Milliarden US-Dollar (rund 620 Mrd Euro) ausgeben. Das Geld soll vor allem in den Ausbau von Infrastruktur wie Rechenzentren fließen. Der Facebook-Konzern Meta und Google schraubten ihre Ausgabeprognosen noch einmal hoch.
Konzernchefs betonten in Telefonkonferenzen mit Analysten, dass sie gewaltige Chancen für die Transformation ihres Geschäfts durch Künstliche Intelligenz sehen. Entsprechend groß ist auch die Sorge, zu wenig zu investieren und damit das Feld anderen zu überlassen. So sagt der Chef des Facebook-Konzerns Meta, Mark Zuckerberg, er würde lieber Überkapazitäten in Rechenzentren aufbauen als zu kurz zu greifen. Zugleich gibt es schon seit Monaten die Sorge, dass es nicht gelingen wird, die gewaltigen Investitionen zurückzuverdienen - und der Wettlauf mit dem Platzen einer gewaltigen Blase endet.
Denn der Fortschritt hat seinen Preis. Die Investitionen in die Infrastruktur, die zur Deckung der Nachfrage erforderlich ist, steigen stetig an. Microsoft, Alphabet, Meta und Amazon kamen im vergangenen Jahr zusammen auf Investitionen von 410 Milliarden US-Dollar und werden laut einer Zählung des Wall Street Journal im Jahr 2026 voraussichtlich mehr als 670 Milliarden Dollar zusätzlich für Investitionen ausgeben. Morgan Stanley schätzt, dass Technologieunternehmen zwischen 2025 und 2028 2,9 Billionen Dollar für Chips, Server und andere Teile der Rechenzentrumsinfrastruktur ausgeben werden.
Die Kosten für diese Inputs, die den KI-Motor am Laufen halten, steigen weiter. Die Preise für Speicherchips, die für den schnellen Datenaustausch zwischen den Computerprozessoren und Datenbanken unerlässlich sind, sind in die Höhe geschossen. Grund ist die Verknappung durch die steigende Nachfrage nach KI-Tools. Es gibt nachfragebedingte Kapazitätsengpässe bei allem, von Glasfaserkabeln über Strom und Wasser zur Kühlung von Chipfabriken bis hin zu unbebauten Grundstücken für Rechenzentren.
"Jede Anwendung neu erfunden"
Vorerst geht die KI-Party weiter. Amazon-Chef Any Jassy sprach bei der Vorstellung der Quartalsergebnisse von "einer Gelegenheit, wie es sie nur einmal im Leben gibt". Durch KI werde "jede Anwendung, die wir kennen, neu erfunden" - und es werde neue geben, die man sich noch gar nicht vorstellen könne.
Amazon hatte die Börse vor drei Monaten mit einer Investitionsprognose von rund 200 Milliarden Dollar schockiert. Das Geld soll unter anderem in KI, Chips, Robotik und Satelliten gehen. Jetzt sagte Jassy, es gebe kein Update zu der Zahl, "unser Plan ist größtenteils unverändert".
Anders bei Meta: Der Facebook-Konzern schraubte seine Spanne der geplanten Kapitalinvestitionen um zehn Milliarden Dollar hoch. Für das laufende Jahr stellt Meta hierfür nun zwischen 125 und 145 Milliarden Dollar in Aussicht. Die vorherige Spanne lag bei 115 bis 135 Milliarden Dollar. 2025 gab der Konzern vor allem für den Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz gut 72 Milliarden Dollar aus.
Anleger waren nicht begeistert und ließen den Meta-Kurs im nachbörslichen Handel um mehr als sechs Prozent fallen. Die Aktie der Google-Mutter Alphabet legte hingegen um rund sieben Prozent zu.
Alphabet erhöhte die Spanne für die Kapitalausgaben zwar ebenfalls - um fünf Milliarden auf jetzt 180 bis 190 Milliarden Dollar, mit der Aussicht auf noch "signifikant" mehr 2027. Doch die Investoren haben das Gefühl, dass es Alphabet besser gelingt, die KI-Investitionen bereits ins Wachstum des Geschäfts umzumünzen. So sprang Googles Cloud-Geschäft im vergangenen Quartal um gut 63 Prozent auf 20 Milliarden Dollar hoch. Und Konzernchef Sundar Pichai hob einen Höchstwert bei Google-Suchanfragen hervor - auch dank neuer KI-Funktionen.
KI ist Turbo für Cloud-Dienste
Cloud-Dienste, bei denen etwa Rechenleistung und Speicher aus dem Netz bereitgestellt werden, profitieren ganz eindeutig vom KI-Boom. So verzeichnete Amazons Cloud-Sparte AWS die höchste Wachstumsrate seit 2022 mit einem Umsatzplus von 28 Prozent auf knapp 38 Milliarden Dollar. Und Microsoft stellte für das laufende Quartal einen Zuwachs von 40 Prozent bei den Erlösen seiner Azure-Cloud in Aussicht. Auch das hat seinen Preis: Der Windows-Riese peilt für dieses Jahr Kapitalinvestitionen von rund 190 Milliarden Dollar an, mehr als an der Wall Street erwartet wurde.