Wirtschaft

Neuer Name, neues Glück Holt sich Boeing rettenden Tipp von Trump?

99196492.jpg

Für die 737 Max gilt seit den zwei Abstürzen, bei denen 346 Menschen ums Leben kamen, ein weltweites Flugverbot.

(Foto: picture alliance / Dirk Waem/BEL)

Die zwei tödlichen Abstürze der Boeing 737 Max kratzen heftig am Image des Flugzeugbauers. Um das Vertrauen in das Modell wieder zurück zu gewinnen, ist Boeing sogar für einen Vorschlag von US-Präsident Trump offen. Retten wird das den Unglücksflieger laut Experten wohl kaum.

Vom Bestseller zum Sorgenkind: Nach zwei tödlichen Abstürzen in Indonesien und Äthiopien ist die Boeing 737 Max in Verruf geraten. Flugverbote, Vertrauensverlust und der Mangel an neuen Aufträgen machen dem US-Flugzeugbauer schwer zu schaffen. Um das desaströse Image wieder aufzubessern, wäre Boeing auch für einen äußerst ungewöhnlichen Schritt bereit - die Umbenennung der Unglücksmaschine 737 Max.

"Ich würde sagen, dass wir für alle Vorschläge offen sind", sagte Boeings Finanzchef Greg Smith auf der weltgrößten Luftfahrtmesse bei Paris in einem Interview mit der Nachrichtenagentur "Bloomberg". Der Konzern wolle alles tun, um den Ruf des Flugzeugs wieder herzustellen. "Wenn das bedeutet, dass wir den Namen ändern müssen, werden wir das angehen." Konkrete Pläne dazu gebe es allerdings noch nicht, hieß es vom Management.

Die Idee, dem Flugzeug einen neuen Namen zu verpassen, kommt von US-Präsident Donald Trump. Anfang April hatte er getwittert: Wenn er Boeing wäre, würde er die 737 Max reparieren, ein paar "tolle Features" hinzufügen und dem Flugzeug einen neuen Namen geben. Eingeleitet hatte Trump seinen Tweet mit den Worten: "Was weiß ich schon über Marken." Aus Sicht von Boeing anscheinend gar nicht so wenig.

Aus alt mach neu: "737 Gamechanger"

Das sieht Ryanair offenbar ähnlich. Bei der Billig-Airline heißt die 737 Max bereits "737 Gamechanger". Mit der Namensänderung gelingt Ryanair ein doppelter Coup. Einerseits vermeidet die Fluggesellschaft die Bezeichnung 737 Max, die bei manch einem Passagier Angst und Ablehnung auslösen könnte. Andererseits positioniert sich Ryanair damit als klimaschonender Vorreiter und verweist darauf, dass die Boeing 737 Max 16 Prozent weniger Kraftstoff als die Vorgängerversion verbraucht. Bis 2024 will der Billigflieger für über 20 Milliarden Dollar insgesamt 210 Exemplare des neuen Modells in die eigene Flotte holen.

Ryanair-Chef Michael O'Leary räumte zwar ein, dass es Zweifel bei den Passagieren geben könnte. Diese würden jedoch nicht lange andauern, so der Manager. Vor fünf Jahren hätten die Lithium-Ionen-Batterien in der Boeing 787 gebrannt. "Dann ging das Flugzeug wieder in Betrieb und niemand erinnert sich mehr daran", sagte O'Leary der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera" vor wenigen Tagen.

Mit seiner kühnen Einschätzung könnte der Ryanair-Chef nicht ganz Unrecht haben. Erfahrungswerte zeigen, dass Passagiere ihre Bedenken zu der Sicherheit bestimmter Flugzeugtypen schnell vergessen. Kurz nach der Einführung der Boeing 727 Mitte der 1960er Jahre gab es vier tödliche Abstürze. Insgesamt starben dabei 257 Menschen. Viele Reisebüros empfahlen ihren Kunden damals laut CNN, Flüge mit anderen Maschinen zu buchen. Das Problem wurde allerdings durch zusätzliche Pilotenschulungen behoben und die Passagiere buchten wieder Flüge mit der 727.

Darauf hofft Boeing nun auch bei seinem neuesten Unglücksflieger. Die Krise um die 737 Max ist allerdings nur schwer mit früheren Fällen vergleichbar. Damals fehlte nämlich ein entscheidender Faktor: die sozialen Medien. Die Abstürze der 737 Max erregten durch Twitter, Facebook und Co deutlich mehr Aufmerksamkeit. Das könnte dazu führen, dass sich die Flugunglücke länger in den Erinnerungen der Menschen halten.

Skepsis der Passagiere ist nach wie vor groß

Eine Umbenennung des Flugzeugs wird die Vorbehalte der Passagiere allerdings nicht aus dem Weg räumen können. Der Schritt wäre nach Ansicht von Luftfahrtexperten beispiellos, schreibt der US-Sender CNN. Andere Maschinen wie die 727 oder auch die DC-10 hätten ihren Namen nach den Absturzserien behalten. Das läge vor allem daran, dass der Namenstrick Fluggesellschaften unbeeindruckt lässt. Sie bewerten das Flugzeug trotz neuer Bezeichnung gleich. Zudem seien sich Passagiere beim Ticketkauf oft nicht bewusst, mit welchem Flugzeugmodell sie fliegen. "Die meisten Menschen wissen nicht, ob sie in einen Airbus oder eine Boeing steigen", sagte Unfallermittler Shem Malmquist CNN. Sie schauten meist nur auf den Ticketpreis.

Boeing
Boeing 124,82

Im schlimmsten Fall könnte die Namensänderung sogar einen Shitstorm auslösen und Passagiere könnten den Eindruck bekommen, man wolle sie für dumm verkaufen, warnen Experten. Für Boeing wäre das fatal. Der Flugzeugbauer setzt momentan alles daran, das Vertrauen in sein Modell zurückzugewinnen. Noch sind die Meldungen und Bilder der tragischen Abstürze in den Köpfen der Menschen fest verankert. Eine Umfrage der Internetseite "Aerotelegraph" ergab, dass von rund 6400 Befragten gerade einmal 13 Prozent in eine 737 Max steigen würden. Für die restlichen 87 Prozent käme das nicht in Frage. Sie hätten dabei ein zu "mulmiges Gefühl".

Für die 737 Max gilt seit den Unglücken, bei denen 346 Menschen ums Leben kamen, ein weltweites Flugverbot. Inzwischen hat Boeing ein Update für die umstrittene Steuerungssoftware MCAS entwickelt, das aber erst von den Behörden freigegeben werden muss. Bislang steht noch nicht fest, warum die zwei Maschinen verunglückten. Solange diese Unsicherheit besteht, leidet das Image des Flugzeugbauers.

 

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen