Wirtschaft

"Es geht ums Überleben" Huawei-Gründer schwört Chinesen auf schwere Zeiten ein

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Kämpfer durch und durch: Huawei-Gründer Ren Zhengfei bezeichnet seine Angestellten als "Offiziere" und das Verkaufsteam als "Frontsoldaten".

(Foto: picture alliance / Xinhua News Agency)

Ren Zhengfei schockt mit zutiefst finsteren Prognosen. In einem eigentlich nur an Huawei-Mitarbeiter adressierten Memo warnt der Unternehmensgründer vor einer globalen Rezession und einem "schmerzhaften Jahrzehnt". Das Schreiben sickert durch und trifft in der verunsicherten Bevölkerung einen Nerv.

Ein angebliches Mitarbeiterschreiben von Huawei-Gründer Ren Zhengfei sorgt in China derzeit für große Wellen. Wie das britische Portal The Register unter Berufung auf mehrere chinesische Medien meldet, prophezeit der 77-jährige Selfmade-Milliardär darin eine langanhaltende globale Rezession und warnt vor den fatalen Folgen für sein Unternehmen.

Die Rede ist von einem "schmerzhaften historischen Jahrzehnt". Bereits kurz nach seiner Veröffentlichung ging das angebliche Memo viral. Seitdem würden die Kommentare in den sozialen Medien nicht mehr abreißen, heißt es. Viele Chinesen befänden sich in einer Art Schockstarre.

In dem Maße wie die Weltwirtschaft schrumpfe, wachse auch der Marktdruck auf den Telekomausrüster und Hardwarehersteller aus Shenzhen, wird aus dem Schreiben zititert. Ren Zhengfei skizziert darin bereits, dass Huawei wohl einige Länder komplett aufgeben wird.

Für Huawei gehe es nicht mehr um Expansion, Größe oder Gewinne, sondern insbesondere für die Jahre 2023 bis 2025 nur noch ums reine Überleben, wird aus dem Memo zitiert. Es müsse sichergestellt werden, dass Huawei "die Krise in den nächsten drei Jahren übersteht": Alle Randgeschäfte müssten geprüft und gegebenenfalls geschlossen werden. "Überleben ist das Hauptprogramm."

"Keine Illusionen mehr, kein Geschichtenerzählen"

Die "Kälte" werde an alle weitergegeben, richtet sich der Huawei-Gründer an die Belegschaft. Die Mitarbeiter müssten sich der Realität stellen und alle Erwartungen zurückschrauben. Angesichts der dramatischen Lage wolle er, dass ihnen "ein Schauer über den Rücken laufe": "Keine Illusionen mehr, kein Geschichtenerzählen."

Verluste würden "vom Lebensmittelpaket" abgezogen, "zuerst müssen Sie überleben, und wenn Sie überleben, haben Sie eine Zukunft", zitiert das chinesische Portal NetEase. Beobachtern zufolge hatte als erste die chinesische Mediengruppe Yicai über das Memo berichtet. Eine Langfassung wurde von der Website entfernt, heißt es. Aber auch die kürzere Version ist mit vielen Zitaten gespickt, die sich mit denen in anderen Quellen decken.

Die Schuld für die bevorstehende Durststrecke sieht der Konzernchef in einer Kombination aus schlechten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, dem Krieg in der Ukraine und den US-Sanktionen. Zwar ist Ren Zhengfei für sein martialisches Weltbild bekannt, aber selbst daran gemessen, sind seine Äußerungen laut Beobachtern niederschmetternd.

Sorge um Chinas Wirtschaft

Bei vielen Chinesen hat der angesehene Unternehmer mit seinen düsteren Schilderungen einen empfindlichen Nerv getroffen. "Das ist nicht die Rede eines Unternehmers, sondern spiegelt die Meinung des Volks über die derzeitige Wirtschaftslage wider", zitiert die "Neue Zürcher Zeitung" einen Post auf der Online-Plattform Weibo.

Die Wirtschaftsstimmung in China ist so schlecht wie seit drei Jahrzehnten nicht mehr. Die Konjunktur schrumpfte im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 2,6 Prozent. Das Land leidet besonders unter der staatlich verordneten "Null-Corona-Politik", die zum Ziel hat, jeden Ausbruch des Virus bereits im Keim zu ersticken.

Jeder fünfte Mensch zwischen 16 und 24 Jahren ist arbeitslos. Zudem belasten auch Probleme auf dem Immobilienmarkt das Wachstum. Die Branche, auf die schätzungsweise 13 bis 30 Prozent des BIP entfallen, steckt in großen Schwierigkeiten. Auch die Dürre macht der Wirtschaft zu schaffen. Weite Teile der Bevölkerung sind angesichts der Gemengelage massiv verunsichert.

Erst diese Woche gab Peking bekannt, umgerechnet weitere 146 Milliarden US-Dollar Stützungsmaßnahmen locker zu machen. Die Ausweitung der Investitionen solle dabei helfen, "die wirtschaftlichen Aktivitäten auf einem stetigen Kurs zu halten", so Chinas Premierminister Li Keqiang. Laut dem englischsprachigen Blog Pekingnology wollte Huawei keine Stellung zu den angeblichen Aussagen Ren Zhengfeis nehmen. Die Journalisten deuten das als eine Bestätigung für die Existenz des Memos.

Quelle: ntv.de, ddi

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