Wirtschaft

1354 Prozent Rendite in 29 Tagen Hunderte Bitcoin-Klone riechen nach Betrug

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Eine Menge Betrüger haben sich vom Bitcoin-Fieber anstecken lassen: Jedes fünfte ICOs ist eine Abzocke.

REUTERS

Nahezu jede fünfte Krypto-Firma, die Geld für neue Cyber-Währungen sammelt, sieht nach typischer Abzocke aus: Gefälschte Prospekte. Astronomische Profit-Versprechen. Und Chefs, die es gar nicht gibt.

Ram Rosenfeld ist zurzeit ein gefragter Mann. Eigentlich müsste er als Chefentwickler bei Premiumtrade, einem Startup, das angeblich zur Finanzierung seiner Investment-Plattform die Cyberwährung SToken herausgibt, mehr als genug zu tun haben. Im Nebenjob ist Rosenfeld aber offenbar auch noch Programmierer der indischen Webdesign-Firma 7span, Business-Manager beim vermeintlichen Netzanbieter Vastnet in Australien und Rezeptionist beim britischen Sicherheitsdienst P & N Security.

All diese Aufgaben bringt Rosenfeld aber nicht etwa durch hypereffizientes, interkontinentales Zeitmanagement unter einen Hut. Höchstwahrscheinlich ist Rosenfeld - wenn es ihn überhaupt gibt - bloß ein Werbebild, das man für wenig Geld bei Agenturen kaufen kann.

Rosenfelds Foto findet sich laut "Wall Street Journal" (WSJ) noch auf 156 anderen Webseiten. Insgesamt tauchen die Bilder des Gründerteams an fast 500 anderen Stellen im Netz auf, mal als Software-Experten, mal als Bauarbeiter. Premiumtrade scheint ein Fake zu sein. Auf Anfragen der Zeitung reagierte die Firma jedenfalls nicht.

Das vermeintliche Blockchain-Startup ist nur das extremste Beispiel einer Untersuchung, die Cyber-Kleinanleger und Krypto-Fans weltweit aufhorchen lässt: Das "WSJ" hat 1450 Krypto-Angebote unter die Lupe genommen, bei denen Firmen neue Cyberwährungen wie Bitcoin ausgeben, um Geld für ihre Geschäftsideen einzusammeln. Bei hunderten dieser sogenannten ICOs (Initial Coin Offerings) fand die Zeitung klassische Merkmale von Anlegerbetrug. Fast jeder fünfte der untersuchten Digital-Coins war demnach höchstwahrscheinlich einfach Abzocke.

1354 Prozent garantierte Rendite

Investoren haben bei den betrügerischen Krypto-Projekten laut Klageschriften und Aufsichtsbehörden bisher Verluste von über 270 Millionen Dollar gemacht. Mehr als eine Milliarde Dollar haben sie insgesamt in die fragwürdigen ICOs gepumpt. Dabei waren die Warnsignale mehr als deutlich.

Schon an den Prospekten ließ sich oft ablesen, dass mit dem neuen Cybergeld wahrscheinlich etwas nicht stimmen kann. In den ICO-Dokumenten ("White Papers"), die typischerweise technische Details und die Idee hinter der Kryptowährung beschreiben, fanden sich häufig zusammengeklaute Textbausteine. In 111 Angeboten wurden laut "WSJ" wörtlich ganze Passagen von anderen ICOs kopiert.

Auch die Macher vieler Cyberwährungen sind mehr als zwielichtig. In mindestens 121 Fällen nannten die Krypto-Projekte nicht einen einzigen Ansprechpartner. Oft versteckten sie sich hinter erfundenen Personen oder nutzten gestohlene Identitäten. Die Hintermänner von Pixiu, benannt nach einem chinesischen Glücksbringer, verlinkten sogar das Linkedin-Profil einer Medien-Produzentin aus San Francisco, die laut "WSJ" noch nie etwas von dem Krypto-Projekt gehört hatte.

Dafür locken die Cybercoin-Schöpfer mit Renditen, die zu gut sind um wahr zu sein. Viele versprechen sogar Gewinne ohne jegliches Risiko - was die US-Börsenaufsicht SEC verbietet. Ein Kanadier namens Dominic Lacroix sagte seinen Anlegern zum Beispiel mit ihren Investments in PlexCoins einen Profit von 1354 Prozent in weniger als 29 Tagen zu - und sammelte so bis zu 15 Millionen Dollar ein. Im Dezember stoppte die SEC den Betrug.

"Wenn sie darauf klicken, sind sie reingefallen"

Für Krypto-Kriminelle sind virtuelle Währungen ideal: Mit ihnen lässt sich gutgläubigen Kleinanlegern das Geld mit besonders wenig Aufwand digital aus der Tasche ziehen. Und um zu zeigen, wie leicht die Masche funktioniert, hat die SEC sogar selbst einen Betrug aufgelegt: HoweyCoins.com. Wer auf den Button, die vermeintliche neue Währung für die Reiseindustrie mit 25 Prozent Rabatt zu kaufen klickt, landet auf einer Warnseite der US-Regierung: "Wenn Sie auf ein Investmentangebot wie dieses reagiert haben, könnten sie abgezockt worden sein - HoweyCoins sind komplett gefaked!".

Was bei den Krypto-Scams schlimmstenfalls passieren kann, zeigt das Beispiel Denaro: Die Macher dieses Cyber-Geldes - das zufällig genauso heißt wie ein flüchtiger sizilianischer Mafia-Boss - schalteten die Webseite mit dem Ende ihrer Coin-Versteigerung im März einfach ab und verschwanden. Denaro-Chef "Jeremy Boker" hatte sein Foto laut "WSJ" offenbar von einem polnischen Banker geklaut.

Doch zu Ende ist der Betrug damit nicht. Er geht laut "WSJ" einfach unter einem neuen Namen weiter: Pluto Coin, mit einer ähnlichen Webseite und demselben White Paper. Die Hälfte des Denaro-Teams sei für das neue Krypto-Projekt recycelt worden, schreibt das Blatt. Und dasselbe Bild von "Jeremy Boker". Er heißt jetzt "Ivan Denver".

Quelle: n-tv.de

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