Wirtschaft

"Alle Standorte bleiben"IG Metall und Betriebsrat machen VW-Spitze eine Basta-Ansage

15.05.2026, 10:02 Uhr
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Die VW-Spitze möchte die Produktionskapazitäten in Europa um weitere 500.000 Fahrzeuge jährlich drosseln. (Foto: picture alliance / Chris Emil Janßen)

Es ist ein offenes Geheimnis: Die VW-Spitze möchte den Autobauer mit Werkschließungen wieder auf Erfolgskurs bringen. Darüber möchten Betriebsrat und Gewerkschaft nicht einmal diskutieren. Sie legen dem Konzern ein neues Geschäftsmodell nahe.

Die Gewerkschaft IG Metall und der Volkswagen-Betriebsrat haben Werksschließungen bei Europas größtem Autobauer eine klare Absage erteilt. Das werde es mit dem Gesamtbetriebsrat und der IG Metall nicht geben, erklärten IG-Metall-Chefin Christiane Benner, VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo und der Bezirksleiter der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, Thorsten Gröger, in einer gemeinsamen Stellungnahme. "Natürlich bleiben alle Standorte erhalten. Und falls die Geschäftsmodelle dafür absehbar nicht mehr vollständig tragen sollten, müssen eben neue her."

Neue Geschäftschancen in anderen industriellen Feldern kämen dabei allerdings nicht infrage, um bestehende Zusagen aus der Einigung von 2024 zu ersetzen. "Es könnte dabei allenfalls um Ergänzungen gehen - als zusätzliche neue Standbeine für unsere Standorte", erklärten die drei Arbeitnehmervertreter. Sollten sich derartige Felder auftun, sei es unter dem Konzerndach oder mit externen Partnern, werde das die Arbeitnehmerseite ergebnisoffen prüfen, so wie sie es schon immer getan habe. Dabei seien gute Arbeit, Zukunftsperspektiven und sichere Beschäftigung die Leitplanken. "Was darauf einzahlt, hat unsere vollste Unterstützung. Was dem zuwiderläuft, werden wir auch in Zukunft mit aller Härte bekämpfen."

Im Dezember 2024 hatte Volkswagen als Gegenleistung für tarifliche Einschnitte und den Abbau von 35.000 Stellen in Deutschland den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen zugesagt. Der Kompromiss habe beiden Seiten viel abverlangt, erklärten Benner, Cavallo und Gröger. Insbesondere habe die Arbeitgeberseite von den bis zum Ende der Verhandlungen favorisierten Werksschließungen und Massenentlassungen vollständig Abstand nehmen müssen. "Seit der Einigung sind dennoch insbesondere bei den Fabrikkosten und beim Stellenabbau Fortschritte erzielt worden, die die Ergebnisse aus ähnlichen Effizienzprogrammen wie etwa dem Zukunftspakt im Jahr 2016 weit in den Schatten stellen."

Was macht Blume?

Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume reicht das allerdings angesichts der Zölle von US-Präsident Donald Trump, der Schwierigkeiten in China und dem milliardenschweren Strategieschwenk bei der Tochter Porsche nicht aus. Er hatte bei der Vorlage der Geschäftszahlen zum abgelaufenen Jahr angekündigt, die Geschäftsstrategie genau unter die Lupe zu nehmen. Dabei rücken ein weiteres Mal die Werke in den Mittelpunkt. In Europa sollen Kapazitäten für den Bau von weiteren 500.000 Fahrzeugen jährlich gestrichen werden, zusätzlich zu der Million Autos, die der Einigung vom Dezember 2024 zufolge in Deutschland wegfallen.

In dem Zusammenhang hatte sich Blume offen dafür gezeigt, bei Volkswagen chinesische Autos vom Band laufen zu lassen. In einem ersten Schritt würde es um Fahrzeuge gehen, die Volkswagen in China entwickelt habe, in einem zweiten Schritt um die Autos anderer Hersteller, insbesondere der chinesischen Partnerfirmen. Auch eine Zusammenarbeit mit Rüstungsunternehmen sei eine Möglichkeit, mit den Überkapazitäten umzugehen, betonte Blume.

Quelle: ntv.de, chr/rts

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