Wirtschaft

Draghi-Nachfolge geregelt IWF-Chefin Lagarde soll EZB führen

Die EU-Staats- und Regierungschefs verständigen sich auf eine neue Spitze der Europäischen Zentralbank. Die Personalie ist Teil eines seit Tagen andauernden Postenpokers in Brüssel.

Christine Lagarde soll neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) werden. Darauf verständigten sich die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union, wie Ratspräsident Donald Tusk mitteilte. Lagarde ist derzeit Chefin des Internationalen Währungsfonds. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, dass die Wahl einstimmig erfolgt sei.

Lagarde zeigte sich "sehr geehrt". Sie werde vorerst auf ihren Posten als IWF-Chefin verzichten. Nach Gesprächen mit dem Ethik-Komitee und dem Verwaltungsrat des IWF lasse sie ihre Funktionen während der Nominierungsphase ruhen, twitterte sie.

Die Amtszeit bei der EZB dauert acht Jahre. Der Präsident kann nicht wiedergewählt werden. Die Zentralbank mit Sitz in Frankfurt entscheidet wichtige Fragen der Geldpolitik in der Eurozone und bestimmt unter anderem den Leitzinssatz, der auch für Sparer und Kreditnehmer wichtig ist. Die EZB soll zudem für Preisstabilität sorgen.

Grande Dame der Finanzwelt

Die 63-jährige Lagarde gilt als Grande Dame der Finanzwelt. Die Französin steht seit 2011 - nach dem unrühmlichen Abgang ihres Landsmannes Dominique Strauss-Kahn - als erste Frau an der Spitze des IWF. Sie gilt als gut vernetzte, geschickte Verhandlerin.

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Lagarde soll künftig den Euro beaufsichtigen.

(Foto: imago images / ZUMA Press)

Vor ihrer Laufbahn beim IWF hatte sie sich als Anwältin und später als Ministerin einen Namen gemacht. Beim IWF wurde sie zu einer der zentralen Figuren in der Euro-Schuldenkrise und machte sich dabei zeitweise zum Feindbild vieler Menschen in Griechenland. 

Der italienische Wirtschaftswissenschaftler Draghi hat das Amt bei der EZB seit 2011 inne. Er steht dem EZB-Rat vor und repräsentiert die Bank bei internationalen Treffen. Während seiner Amtszeit setzte er vor allem mit seiner lockeren Geldpolitik starke Akzente.

Die Personalie ist Teil eines großen Pakets zur Besetzung der Spitzenposten in der EU. Die Staats- und Regierungschefs der Staatengemeinschaft tagen inzwischen seit Sonntag bei einem Sondergipfel in Brüssel. Als Kandidat für den EZB-Posten war immer wieder auch Bundesbank-Chef Jens Weidmann gehandelt worden.

Quelle: n-tv.de, jwu/rts/dpa/AFP

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