Wirtschaft
Blick auf den Hamburger Hafen: Die Experten verweisen auf außenwirtschaftliche Risiken für die deutsche Wirtschaft.
Blick auf den Hamburger Hafen: Die Experten verweisen auf außenwirtschaftliche Risiken für die deutsche Wirtschaft.(Foto: picture alliance / Daniel Reinha)
Dienstag, 19. Juni 2018

"Kräftige Gewitterwolken": Ifo-Institut senkt Konjunkturprognose

Deutlich schlechter entwickelt habe sich die deutsche Wirtschaft in den ersten Monaten des Jahres, teilt das Ifo-Institut mit. Die Ökonomen senken ihre Konjunkturprognose gleich um 0,8 Prozentpunkte. Mit ihrer Einschätzung sind sie nicht allein.

Das Münchner Ifo Institut erwartet im laufenden Jahr ein deutlich schwächeres Wirtschaftswachstum in Deutschland als bisher. "Die Wirtschaft hat sich in den ersten Monaten des Jahres deutlich schlechter entwickelt als gedacht", teilte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser mit.

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Für 2018 sei demnach nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,8 Prozent zu erwarten. Im Frühjahr hatte das Institut noch einen Anstieg um 2,6 Prozent prognostiziert. Für das kommende Jahr wurde die Prognose von 2,1 Prozent auf 1,8 Prozent reduziert. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr war die deutsche Wirtschaft um 2,2 Prozent gewachsen.

"Am deutschen Konjunkturhimmel brauen sich derzeit kräftige Gewitterwolken zusammen", sagte Wollmershäuser. Er verweist zum Beispiel auf außenwirtschaftliche Risiken, etwa die Ungewissheit über weitere Handelseinschränkungen wie etwa Zölle. Die USA hatten Strafzölle auf Importe von Aluminium und Stahl auch aus Europa verhängt. Zudem eskaliert derzeit der Handelsstreit zwischen Washington und Peking.

Auch das Essener RWI-Institut senkte seine Wachstumsprognose zuletzt deutlich. Die Konjunktur werde 2018 wohl nur um 1,8 Prozent anziehen und nicht wie bisher erwartet um 2,4 Prozent, teilten die Forscher und Regierungsberater mit. Für 2019 rechnen sie mit einem Anstieg der deutschen Wirtschaftsleistung um nur noch 1,5 statt 1,9 Prozent. Ursachen hierfür seien schlechtere Exportaussichten aufgrund der staatlichen Abschottungsmaßnahmen etwa der USA.

"Klima ist rauer geworden"

"Das außenwirtschaftliche Klima ist rauer geworden", sagte RWI-Chefökonom Roland Döhrn. "Selbst wenn nur kleine Teile des deutschen Exports von den durch die USA verhängten Zöllen betroffen sind, dürfte das Aufkeimen des Protektionismus negativ auf das Exportklima wirken und Unternehmen vorsichtiger agieren lassen." Zudem seien die Firmen verunsichert durch die unklare Zukunft der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU vor dem Hintergrund des geplanten EU-Austritts.

Zuletzt hatten auch andere Institute ihre Wachstumsprognosen deutlich zurückgenommen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) etwa erwartet für das laufende Jahr noch 1,9 Prozent. Die Ökonomen begründeten das unter anderem mit "hohen Risiken". So könnte der Handelskonflikt mit den USA weiter eskalieren und sich die Schuldenkrise in Italien noch verschärfen.

Die Bundesregierung hat ihre Prognose zuletzt ebenfalls heruntergeschraubt. Sie ist aber etwas optimistischer und rechnet für 2018 noch mit einem Wachstum von 2,3 Prozent. 2019 soll es dann noch ein Plus von 2,1 Prozent werden. Die Bundesbank erwartet einen Anstieg des BIP um 2,0 Prozent. Bei ihrer letzten halbjährlich vorgelegten Prognose im Dezember hatten die Ökonomen noch ein Plus von 2,5 Prozent vorhergesagt.

Ein Ende der wirtschaftlichen Erholung sei trotz der deutlichen Prognosesenkung aber nicht in Sicht, betonten auch die Ifo-Experten. "Wir glauben, dass sich der deutsche Aufschwung fortsetzt, wenn auch nicht in demselben Tempo wie 2017", sagte Wollmershäuser.

Laut RWI sorgt am Arbeitsmarkt aber die erwartete schwächere Konjunktur dafür, dass sich der Beschäftigungsaufbau verlangsamt und die Arbeitslosigkeit nur noch wenig sinkt. Insbesondere am Bau und im Pflegebereich bestehe zwar Arbeitskräftebedarf. Dieser werde jedoch häufig durch Zuwanderung gedeckt. Die Arbeitslosenquote werde wohl nur noch leicht von 5,3 Prozent in diesem Jahr auf 5,2 Prozent im kommenden Jahr zurückgehen.

Quelle: n-tv.de