Wirtschaft

Erneuter Chaos-Sommer in Sicht Im Flugverkehr drohen wieder Ausfälle

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Streiks und Wetterkapriolen sorgen 2018 für etliche Flugausfälle. Passagiere mussten sich öfters in Geduld üben. Wie wird der Sommer 2019?

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Sommer 2018 war vom ständigen Durcheinander auf deutschen Flughäfen gezeichnet. Es gab Streiks und Wetterprobleme, dadurch kam es zu etlichen Annullierungen. Viele Reisende saßen fest. Die Flugbranche und die Politik wollen das für 2019 verhindern. Doch die Umsetzung ihres Plans ist schwierig.

Mehr Personal auf den Flughäfen, schnellere Sicherheits- und Gepäckkontrollen und mehr Fluglotsen im Dienst - die Luftverkehrsunternehmen und die Politik haben Maßnahmen eingeleitet, damit der Luftverkehr sicher und pünktlich abläuft. Doch das reicht vielleicht nicht. "Da mit einem weiteren Wachstum des Luftverkehrs in Deutschland und Europa zu rechnen ist, können die bereits ergriffenen kurzfristigen Maßnahmen durch dieses Wachstum teilweise kompensiert werden", heißt es in der Erklärung nach dem zweiten Luftfahrt-Gipfel. Mit anderen Worten: Die Flugreisenden in Deutschland müssen sich in diesem Sommer weiterhin mit Verspätungen und Flugausfällen herumschlagen.

Die Probleme im europäischen Luftverkehr sind auf verschiedene Ursachen zurückzuführen, auch Streiks oder das Wetter können dazugehören. Im Kern aber stößt das starke Wachstum des Luftverkehrs an Kapazitätsgrenzen, und die Infrastruktur ist überlastet. Das ist nicht von heute auf morgen lösbar, wurde bei dem Treffen von Bund, Ländern, Airlines, Flughäfen, Flugsicherung und Behörden im Hamburger Rathaus deutlich. "Wir wollen ein gutes Mobilitätsangebot für die Bürger, und wir arbeiten intensiv daran", sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer von der CSU. "Doch in diesem Sommer können wir noch nicht alle glücklich machen." Es seien noch einige Ruckeleien zu erwarten.

3000 zusätzliche Beschäftigte

Seit dem ersten Luftfahrt-Gipfel im vergangenen Oktober ist einiges passiert. So haben die Flughäfen über das normale Wachstum hinaus mehr als 3000 zusätzliche Beschäftigte im Bodenverkehrs-, Terminal- und Sicherheitsdienst eingestellt. An mehreren Flughäfen wurden Kontrollspuren am Sicherheitscheck eingerichtet, die eine schnellere Kontrolle der Passagiere ermöglichen und damit die Kapazität erhöhen. Die Lufthansa investierte 250 Millionen Euro, optimierte ihre Flugpläne und hält nun 37 Reserve-Maschinen bereit, um die Stabilität und Qualität ihres Angebots zu verbessern.

Alle Fluglinien zusammen haben die Zahl ihrer Reserveflugzeuge und -crews verdoppelt und mehr Puffer in die Flugpläne eingebaut. "Die Airlines ziehen an einem Strang", sagte Lufthansa-Vorstand Detlef Kayser. Die Flugsicherung hat Fluglotsen von Sonderaufgaben entlastet und in die Tower beordert und zudem 36 ausgebildete Lotsen aus dem Ausland eingestellt. "Ein Drittel des europäischen Luftverkehrs spielt sich über Deutschland ab, aber wir sind nicht ein Drittel des europäischen Luftraums", sagte der Chef der Flugsicherung, Klaus-Dieter Scheurle.

Gegen die Maßnahmen steht das Verkehrswachstum, das stärker ausfiel als erwartet. Scheuer hat das Thema auf die europäische Ebene gebracht, weil einige der Probleme nicht im nationalen Rahmen zu lösen seien. Der europäische Regulierungsrahmen soll überarbeitet werden. Dazu müssten allerdings dicke Bretter gebohrt werden. Auch andere Maßnahmen wie etwa die Ausbildung neuer Fluglotsen brauchten viel Zeit. Die maximale Ausbildungskapazität von 122 künftigen Fluglotsen werde nun ausgeschöpft, ab 2020 sollen es sogar 146 Auszubildende sein. Die mittel- und langfristigen Maßnahmen sollen in den folgenden Monaten und Jahren schrittweise ihre Wirkung entfalten.

Quelle: n-tv.de, kpi/dpa

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