Wirtschaft

Vernichtet oder verramscht Immer mehr Kleidung bleibt unverkauft

Kleidung für die kalte Jahreszeit sind in der Bekleidungsabteilung vom Sozialen Kaufhaus zu finden. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Kleidung wird zur Wegwerfware, landet im Müll oder wird verramscht.

(Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa)

2,3 Milliarden Kleidungsstücke werden wohl in diesem Jahr in Deutschland angeboten. Laut Experten bleiben davon 10 bis 20 Prozent unverkauft - und landen oft im Müll. Kleidung werde "mehr und mehr zur Wegwerfware", sagt Umweltministerin Schulze. Sie plant ein Gesetz für mehr Nachhaltigkeit.

Immer mehr fabrikneue Kleidungsstücke werden in Deutschland vernichtet oder verramscht. In diesem Jahr würden hierzulande rund 2,3 Milliarden Kleidungsstücke angeboten, berichtete die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf die Marktforschungsfirma Euromonitor International. Bis zu zehn Prozent davon - 230 Millionen Stück - blieben im Einzelhandel unverkauft, schätzt demnach der Textilbranchenexperte Michael Hauf von der Branchenberatung Hachmeister und Partner.

Andere Branchenexperten gingen sogar von doppelt so viel Überschuss aus, von rund 460 Millionen Stück, wie die Zeitung berichtete. Was der Einzelhandel nicht verkaufe, lande in Verwertungs- oder Müllverbrennungsanlagen oder als Ramschware in Ländern außerhalb der EU.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze sprach von einer "fatalen Entwicklung". Kleidung werde "mehr und mehr zur Wegwerfware", sagte die SPD-Politikerin der "Welt am Sonntag". Viele Kleidungsstücke würden nur für eine Saison gekauft, billig produziert und über große Entfernungen nach Deutschland transportiert. Die Textilbranche brauche eine "Nachhaltigkeitswende".

Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einer Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes. Demnach soll Herstellern künftig eine Obhutspflicht gegenüber ihrer Ware auferlegt werden, damit weniger überschüssige Waren produziert werden und Unverkauftes nicht mehr so schnell wie bisher vernichtet wird. "Damit wollen wir die Händler unter anderem gesetzlich anhalten, ihre Warenbestellungen stärker am tatsächlichen Kundenbedarf auszurichten und große Überhänge zu vermeiden", sagte Ministerin Schulze.

Der Grünen-Bundestagsfraktion geht die Gesetzesüberarbeitung nicht weit genug, weil sie auf Freiwilligkeit der Hersteller setze. "Damit wird die Lösung des Problems auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben", sagte die Grünen-Bundestagsabgeordnete und ehemalige Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast.

Quelle: ntv.de, mli/AFP