Wirtschaft

Rückgang im "Unfall-Hotspot" Immer weniger große Schiffe gehen unter

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Der Öltanker "Sanchi" kollidierte im Januar 2018 vor der Küste Chinas mit einem Frachter, geriet in Brand und sank.

(Foto: imago/Xinhua)

Zur See zu fahren wird immer sicherer: Die Zahl der auf den Weltmeeren gesunkenen großen Schiffe halbiert sich in den vergangenen zehn Jahren. Im vergangenen Jahr hat neben technischen Verbesserungen auch die Wetterlage ihren Anteil daran.

Vergangenes Jahr sind so wenige große Schiffe gesunken wie seit Jahren nicht. 2018 sanken demnach 30 Schiffe auf den sieben Weltmeeren, 2009 waren es noch 62 gewesen, wie aus einer Analyse des Industrieversicherers AGCS hervorgeht, einer Tochter der Allianz. Die meisten der untergegangenen Schiffe waren Fischereischiffe oder Frachter, doch versanken auch drei Passagierschiffe.

Eingang in die Statistik fanden Schiffe mit mehr als 100 Bruttoregistertonnen. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre gab es aber auch immer wieder Ausreißer nach oben: So gingen 2013 den Angaben zufolge 70 Schiffe unter.

Begründet wurde der jüngste Rückgang mit weniger Verlusten im "Unfall-Hotspot" Südostasien sowie einer ruhigeren Hurrikan- und Taifun-Saison. Verbesserte Schiffsdesigns, strengere Vorschriften und robustere Systeme für das Sicherheitsmanagement an Bord hätten dazu beigetragen, dass sich Pannen und Unfälle nicht zu großen Verlusten ausgewachsen hätten.

Die Untergänge machen den größten Teil der von der Allianz untersuchten Totalschäden aus - manche Schiffe werden bei Unfällen zwar irreparabel beschädigt, gehen aber nicht unter. Unfallträchtigstes Gewässer des Planeten ist nach wie vor das sehr viel befahrene Südchinesische Meer: Ein Viertel aller Totalschäden zählte die Versicherung in Südostasien. Insbesondere die Küstenregionen Indonesiens waren früher auch für Piraten berüchtigt, doch das hat sich geändert: Die meisten Angriffe von Seeräubern - insgesamt 48 - gab es 2019 in nigerianischen Gewässern.

Sorge vor mehr Maschinenschäden

Zudem beklagen internationale Versicherer eine Pflicht zum Tanken schwefelärmerer Treibstoffe in der Hochseeschifffahrt vom nächsten Jahr an. Sie befürchten, dass es deswegen mehr Maschinenschäden geben wird. Die internationale Schifffahrts-Organisation IMO hatte 2016 beschlossen, den maximalen Grenzwert für Schwefel im Treibstoff von 2020 an weltweit auf 0,5 Prozent zu begrenzen.

"Die Versicherer befürchten, dass durch die Einführung der neuen Kraftstoffe möglicherweise die Zahl der Versicherungsfälle aufgrund von Maschinenschäden ansteigt, wenn der Wechsel nicht gut organisiert wird", teilte Justus Heinrich von der AGCS mit. Reeder, die aus Kostengründen keine schwefelarmen Kraftstoffe verwenden, haben mit empfindlichen Strafen zu rechnen, warnte der AGCS. Zur Umsetzung bleibe nur noch wenig Zeit, während es gleichzeitig nach wie vor an internationalen Standards fehle, kritisierte der Versicherer. Allerdings könnte es im Schiffsverkehr zu Störungen und Verzögerungen kommen, wenn in den Häfen kein vorschriftenkonformer Kraftstoff bereitsteht.

2018 waren von den nahezu unverändert rund 2700 gemeldeten Schäden die an Maschinen (1079 Fälle) die häufigsten. In den vergangenen fünf Jahren haben sich die Kosten hierfür den Angaben zufolge auf 900 Millionen Euro summiert. Bislang durften Schiffe auf hoher See Schweröl verfeuern mit einem Grenzwert von 3,5 Prozent Schwefel, in Nord- und Ostsee waren zum Schutz der Umwelt schon länger nicht mehr als 0,1 Prozent Schwefel erlaubt.

Quelle: ntv.de, kst/dpa