Wirtschaft

Ifo-Index sinkt erneut "Industrie erlebt Flaschenhals-Rezession"

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Die wirtschaftliche Erholung hängt derzeit etwas in der Luft. Viele Unternehmen haben Probleme, an Vorprodukte zu kommen.

(Foto: picture alliance / Franz Neumayr / picturedesk.com)

Leere Regale und anhaltende Sorgen bei der Beschaffung von Vorprodukten trüben die Stimmung der deutschen Unternehmen. Für einen Ökonom könnte dieses Problem bedeutender als Corona werden. Mit der Bewältigung der Sorgen im kommenden Jahr erwartet das Ifo-Institut dann eine kräftige Erholung.

Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Unternehmen hat sich im September zum dritten Mal in Folge verschlechtert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank von 99,6 auf 98,8 Punkte, wie das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut zu seiner Umfrage unter 9000 Managern mitteilte. Ökonomen hatten weitgehend damit gerechnet. Beim dritten Rückgang in Folge sprechen Fachleute von einer konjunkturellen Trendwende. "Die Probleme bei der Beschaffung von Rohstoffen und Vorprodukten bremsen die deutsche Konjunktur", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. "Die Industrie erlebt eine Flaschenhals-Rezession". Insgesamt beurteilten die Manager ihre Lage und die Geschäftsaussichten skeptischer als zuletzt.

Im Verarbeitenden Gewerbe trübte sich die Stimmung deutlich ein. Die Unternehmen schätzten ihre aktuelle Lage merklich weniger gut ein. "Ein stärkerer Rückgang war zuletzt im Mai 2020 beobachtet worden", erklärte Fuest. Auch der große Optimismus bei den Erwartungen aus dem Frühjahr sei fast verschwunden. Die Auftragsbücher seien noch immer gut gefüllt, aber die Neubestellungen flachten ab. "Fast 80 Prozent der Industriebetriebe klagen über Engpässe bei Vorprodukten, nach 70 Prozent im Vormonat", sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe. "Die Lager in der Industrie sind leergefegt." Diese Knappheit werde zumindest teilweise über Produkte an Kunden weitergegeben und dürfte Preiserhöhungen zur Foge haben.

Experten hatten mit dem Rückgang beim wichtigsten Barometer für die deutsche Konjunktur gerechnet. "Es dürfte uns damit ein schwieriges viertes Quartal ins Haus stehen, in dem die Lieferketten-Thematik Corona als Hauptrisiko sogar ablösen könnte", sagte LBBW-Analyst Jens-Oliver Niklasch. Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe rechnet mit einer spürbaren Entspannung bei den Lieferkettenproblemen erst im kommenden Jahr. "Der Produktion und der Stimmung dürfte dies dann einen neuen Schub verleihen."

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Im Dienstleistungssektor hellte sich das Klima auf - wegen besserer Erwartungen. "Im Gastgewerbe und Tourismus ist nach der großen Skepsis im Vormonat eine gewisse Zuversicht zurückgekehrt", betonte Fuest. In der Logistik jedoch trübten sich die Aussichten ein, im Gleichklang mit der Industrie. Im Handel stagnierte die Stimmung weitgehend. "Eine große Mehrheit der Händler berichtete von Lieferproblemen bei der Beschaffung."

Im Bauhauptgewerbe verbesserte sich das Geschäftsklima deutlich. Die Beurteilung der Lage stieg laut Ifo auf den höchsten Stand seit März 2020. Auch die Erwartungen hellten sich merklich auf. Die deutsche Wirtschaft war wegen der Corona-Krise Anfang des Jahres um zwei Prozent geschrumpft, dann aber im Zuge der Lockdown-Lockerungen im Frühjahr um 1,6 Prozent gewachsen. Trotz Lieferengpässen bei wichtigen Vorprodukten gehen viele Ökonomen davon aus, dass sich das Wachstum im laufenden Sommer-Quartal beschleunigt haben dürfte. Das Kieler IfW-Institut etwa erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 2,2 Prozent zum Vorquartal zulegt.

Quelle: ntv.de, jwu/rts

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