Wirtschaft
Die Lage der Wirtschaft zählt zu den wichtigsten Wahlkampfthemen: Präsident Recep Tayyip Erdogan.
Die Lage der Wirtschaft zählt zu den wichtigsten Wahlkampfthemen: Präsident Recep Tayyip Erdogan.(Foto: picture alliance / Pool Presdent)
Montag, 04. Juni 2018

Preisauftrieb in der Türkei: Inflation bringt Erdogan in Bedrängnis

Die Zahlen kommen Präsident Erdogan höchst ungelegen: Wenige Wochen vor dem geplanten Wahltermin bestätigen Statistiker in Ankara, was die Menschen in der Türkei längst im Geldbeutel spüren. Die Preise ziehen kräftig an, das Geld verliert immer stärker an Wert.

Wenige Wochen vor den Wahlen in der Türkei hat die Inflation nach starken Kursverlusten der Landeswährung Lira kräftig zugelegt. Im Mai sei die Inflationsrate auf knapp 12,2 Prozent gestiegen, teilte das nationale Statistikbüro in Ankara mit.

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Damit hat die Teuerung in dem Schwellenland den höchsten Stand seit vergangenem November erreicht. Im April lag die Inflation noch deutlich tiefer bei 10,9 Prozent. Analysten hatten den Anstieg im Mai erwartet.

Die Kernrate der Preisentwicklung, bei der schwankungsanfällige Preise für Energie und Nahrungsmittel herausgerechnet werden, lag im Mai bei 12,6 Prozent. Experten sehen die Ursache für den starken Anstieg der Teuerung in der jüngsten Kursschwäche der türkischen Lira, die importierte Waren spürbar verteuert.

Im Mai war der Kurs der Landeswährung zum US-Dollar und zum Euro jeweils auf ein Rekordtief gefallen. Die türkische Notenbank sah sich zum Eingreifen gezwungen. Mit energischen Maßnahmen konnten die Währungshüter die Talfahrt der Lira vorerst stoppen. Die Zentralbank vereinfachte zudem ihre bisher sehr unübersichtliche Geldpolitik, indem sie den für Kreditgeschäfte maßgeblichen Leitzins umstellte.

Kurz vor der großen Türkei-Wahl

Der Wechselkurs der Lira und der starke Anstieg bei den Verbraucherpreisen birgt politische Sprengkraft: Beide Faktoren sind für Sparer und Verbraucher im Land spürbar, da sie sich unmittelbar auf die Kaufkraft im Alltagsleben auswirken. Sollten sich die Trends fortsetzen, rechnen Ökonomen mittelfristig auch mit Folgen für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ist an der Entwicklung nicht ganz unschuldig: Im Frühjahr hatte er den Kurs der Lira mit seinen Aussagen stark belastet, als er in einem Fernsehinterview eine stärkere Kontrolle der Notenbank im Falle seines Wahlsieges in Aussicht stellte. Beobachter sahen dadurch die Unabhängigkeit der türkischen Zentralbank in Gefahr. Die Glaubwürdigkeit der türkischen Geldpolitik wurde dadurch massiv erschüttert.

In der Türkei werden am 24. Juni erstmals gleichzeitig das Parlament und der Präsident gewählt. Umfragen zufolge ist die Lage der Wirtschaft das Thema, das die Wähler am meisten umtreibt. Erdogan sieht hinter den Verlusten der Lira und der Inflation eine westliche Verschwörung.

Nach Umfragen ist es derzeit nicht sicher, ob Erdogan im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit erzielt. Sollte das nicht der Fall sein, steht am 8. Juli eine Stichwahl an.

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Quelle: n-tv.de