Wirtschaft
Die Türkei kämpft gegen den Verfall der eigenen Währung.
Die Türkei kämpft gegen den Verfall der eigenen Währung.(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 23. Mai 2018

Gegen den Willen Erdogans: Türkische Notenbank stabilisiert Lira

Die türkische Zentralbank reagiert auf den gefährlichen Niedergang der heimischen Währung. Präsident Erdogan mag die Zinsanhebung nicht gefallen, doch die Devisenmärkte sind zunächst ein wenig beruhigt.

Die türkische Notenbank stemmt sich gegen die Talfahrt der Landeswährung Lira und die hohe Inflation. Einer ihrer Leitzinsen - der Spätausleihungssatz - wird von 13,5 Prozent auf 16,5 Prozent angehoben, wie die Zentralbank in Ankara überraschend mitteilte. Ihre anderen beiden Leitzinssätze, den Übernachtsatz und den Satz für einwöchige Ausleihungen, beließ die Zentralbank unverändert bei 9,25 beziehungsweise 8,0 Prozent.

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Es handelte sich um eine außerordentliche Sitzung, nachdem die türkische Lira im Tagesverlauf erneut stark unter Druck geraten war. Die Notenbank begründete die Entscheidung mit der hohen Inflation. Mit höheren Zinsen wolle man für Preisstabilität sorgen. Man sei künftig bereit, alle zur Verfügung stehenden Instrumente falls nötig zu nutzen. Vor allem die immer schwächere Lira hatte zuletzt Einfuhren verteuert und so die Inflation nach oben getrieben. Die nächste reguläre Notenbanksitzung steht am 7. Juni an.

Unterstützung erhielt die Notenbank durch den türkischen Vizepremier Mehmet Simsek, der sich auf dem Kurznachrichtendienst Twitter äußerte. "Es ist an der Zeit, die geldpolitische Glaubwürdigkeit wieder herzustellen", so Simsek. Die Türkei stehe zu Wirtschaftsreformen und haushaltspolitischer Disziplin.

Lira macht nach Entscheidung Tagesverluste wett

Die Aussagen sind bemerkenswert, weil sich Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan in der Vergangenheit mehrfach für niedrigere Leitzinsen ausgesprochen hatte. Erdogan, der unlängst Neuwahlen im Juni ausgerufen hat, erhofft sich dadurch eine zusätzliche Stärkung des Wirtschaftswachstums. Er stellte sogar die Behauptung auf, dass hohe Zinsen die Inflation anfeuern würden - eine Haltung, die der gängigen ökonomischen Lehre widerspricht.

Die türkische Lira profitierte von der Entscheidung der Notenbank und machte ihre deutlichen Tagesverluste mehr als wett. Am Abend mussten für einen Dollar 4,6054 Lira bezahlt werden. Am Morgen war der Dollar noch auf einen Rekordstand von 4,9253 Lira gestiegen. Auch zum Euro erholte sich die Lira etwas. Seit Beginn des Jahres hat die türkische Währung zum Euro allerdings rund ein Viertel ihres Wertes verloren. Commerzbank-Experte Ulrich Leuchtmann sieht in dem jüngsten Kursverfall ein "deutliches Symptom einer Währungskrise".

Quelle: n-tv.de