Wirtschaft

Folgen der Corona-Krise Insolvenzwelle ab Januar erwartet

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Besonders Restaurants könnten von der Pleitewelle betroffen sein, meint Wirtschaftsminister Altmaier.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Bundesregierung hat die Insolvenzantragspflicht wegen der Pandemie bis Jahresende ausgesetzt. Kreditversicherer fürchten danach eine Vielzahl von Unternehmenspleiten - auch Wirtschaftsminister Altmaier warnt davor. Gegen ihn regt sich scharfe Kritik: Er trage Mitschuld an der Misere.

Die Kreditversicherer erwarten für das kommende Jahr einen deutlichen Anstieg der Unternehmenspleiten: "Die deutsche Wirtschaft schiebt seit Monaten eine Welle von Insolvenzen vor sich her", erklärte der Vorsitzende der Kommission Kreditversicherung im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Thomas Langen. "Erst wenn ab Januar sowohl überschuldete als auch zahlungsunfähige Unternehmen wieder einen Insolvenzantrag stellen müssen, werden wir erkennen, wie groß dieser Anstieg ist und welche wirtschaftlichen Verwerfungen die Corona-Pandemie tatsächlich angerichtet hat."

Bis Ende des Jahres hat die Bundesregierung wegen der Corona-Krise die Insolvenzantragspflicht noch ausgesetzt. Für 2020 erwarten die Kreditversicherer deshalb nur leicht steigende Schäden. Nach GDV-Hochrechnung müssen die Warenkreditversicherer im Jahr 2020 für Zahlungsausfälle in Höhe von 436 Millionen Euro geradestehen - nur 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Kreditversicherer befürworten nach GDV-Angaben dennoch die für Januar vorgesehene "Rückkehr zu grundlegenden marktwirtschaftlichen Prinzipien". Insolvenzen seien in einer Marktwirtschaft "natürlich und notwendig", erklärte Langen. Mittlerweile richte die ausgesetzte Insolvenzantragspflicht mehr Schaden an, als sie nutze, denn die Unsicherheit im Markt wachse täglich. "Jeder Lieferant muss sich fragen, ob sein Geschäftspartner tatsächlich noch solvent und stabil ist - oder doch längst insolvent, aber noch keinen Antrag stellen musste."

Vor einer steigenden Zahl von Firmenpleiten warnten auch die Wirtschaftsminister von Deutschland und Frankreich, Peter Altmaier und Bruno Le Maire. "Je länger die Krise andauert, desto mehr werden wir uns mit Insolvenzen auseinandersetzen müssen", sagte Altmaier im Interview mit dem "Handelsblatt" und der französischen Zeitung "Les Échos". Le Maire sagte, nun beginne "eine gefährliche Phase, in der wir fragile Sektoren wie Hotels, Restaurants, den Kultur- und Sportsektor besonders unterstützen müssen".

Der Vizechef der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Theurer, warf Altmaier vor, wegen "Pleiten, Pech und Pannen bei den Novemberhilfen im eigenen Hause eine immer größer werdende Mitschuld an der befürchteten Pleitewelle" zu tragen. Zuletzt hatte es wachsende Kritik an einer schleppenden Auszahlung der Hilfen gegeben. Die Auszahlung kann wegen der noch ausstehenden Fertigstellung eines Software-Tools erst im Januar erfolgen. Theurer kritisierte dies als "mittelstandspolitischen Offenbarungseid".

Quelle: ntv.de, chf/AFP