Wirtschaft

Auf 2,7 Prozent für Jahr 2022 Institute senken Konjunkturprognose drastisch

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Die Erholung von der Corona-Krise werde infolge des Krieges gedämpft, meinen die Ökonomen.

(Foto: dpa)

Angesichts des Ukraine-Krieges passen die führenden deutschen Wirtschaftsinstitute ihre Wachstumsprognose an. Für das Jahr 2022 senken sie ihre Vorhersage um ganze 2,1 Prozentpunkte. Im Falle eines Stopps russischer Gas-Importe werde das Land gar in eine schwere Rezession rutschen, heißt es.

Die fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Konjunkturprognose für dieses Jahr deutlich gesenkt. Sie erwarten nach eigenen Angaben nur noch ein Wachstum von 2,7 Prozent statt wie im Herbst noch 4,8 Prozent. Die Inflation wird ihrer Schätzung nach bei 6,1 Prozent in diesem Jahr liegen. "Die Erholung von der Corona-Krise wird infolge des Krieges in der Ukraine gedämpft, behält aber die Oberhand", sagte der Vizepräsident und Konjunkturchef des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Stefan Kooths. Für das Jahr 2023 wurde die Prognose dagegen von 1,9 auf 3,1 Prozent angehoben.

Im Falle eines Stopps russischer Gaslieferungen warnen die Institute sogar vor einer schweren Rezession und der höchsten Inflation seit Bestehen der Bundesrepublik. Dann dürfte die Wirtschaft in diesem Jahr nur um 1,9 Prozent zulegen, 2023 dann sogar um 2,2 Prozent schrumpfen."Bei einem Stopp der Gaslieferungen droht der deutschen Wirtschaft eine scharfe Rezession", warnte Kooths. In beiden Jahren stünden dann insgesamt 220 Milliarden Euro an Wirtschaftsleistung im Feuer.

"Wirtschaftspolitisch käme es dann darauf an, marktfähige Produktionsstrukturen zu stützen, ohne den Strukturwandel aufzuhalten", sagte Kooths. Dieser werde sich für die gasintensiven Industrien auch ohne Boykott beschleunigen, da die Abhängigkeit von den bislang günstig zu beziehenden russischen Lieferungen so oder so rasch überwunden werden solle.

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Hilfen für private Haushalte zum Abfedern hoher Energiepreise sollte die Politik sehr zielgerichtet dosieren, heißt es weiter. "Werden solche Hilfen auf breiter Front ausgereicht, treibt das zusätzlich die Inflation und torpediert den wichtigen Lenkungseffekt höherer Energiepreise", warnte Kooths. Das verschärfe wiederum die Probleme einkommensschwacher Haushalte.

Beteiligt an der Frühjahrsprognose sind das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen (RWI), das Leibniz-Institut in Halle (IWH), das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), das Münchner Ifo-Institut und das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel. Ihr Gutachten dient der Bundesregierung als Grundlage für ihre eigene Prognose. Erst Ende März hatten die sogenannten Wirtschaftsweisen wegen des Ukraine-Krieges ihre Wachstumsprognose für 2022 drastisch von 4,6 Prozent auf nur noch 1,8 Prozent gesenkt.

Quelle: ntv.de, mbe/AFP/rts

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