Wirtschaft

Gewinnrückgang im Corona-Jahr Investmentbanking versöhnt JP Morgen

df07814764f2a12d1700b685a9c93f8a.jpg

Die Bank verbuchte am Ende des Corona-Jahres ein Rekordquartal.

(Foto: REUTERS)

Mit seinem Investmentbanking verdient die größte US-Bank Milliarden. Die Sparte gleicht zudem schwächere Geschäfte in anderen Bereichen aus. Obendrein profitiert das Finanzinstitut davon, weniger Geld für Kreditausfälle beiseite legen zu müssen. Davon profitieren auch Citi und Wells Fargo.

Mitten in der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten sprudeln bei der US-Bank JP Morgan die Gewinne. Dank eines florierenden Handels mit Aktien, Anleihen und Rohstoffen verdiente die größte US-Bank im vierten Quartal 2020 so viel wie noch nie. Zuwächse im Investmentbanking machten Einbußen im Privatkundengeschäft wett. Bankchef Jamie Dimon zeigte sich zuversichtlich, dass das Geldhaus weitere Stürme in der Corona-Krise gut überstehen wird.

JP Morgan
JP Morgan 124,90

Unter dem Strich verdiente JP Morgan von Oktober bis Dezember mit 12,1 Milliarden Dollar gut 40 Prozent mehr. Aufs gesamte Jahr gesehen gingen die Gewinne aber zurück. Nach einem Rekordergebnis von 36 Milliarden Dollar im Jahr 2019 verdiente JP Morgan im vergangenen Jahr 29 Milliarden Dollar.

In den ersten Monaten hatten wie bei anderen Banken drastisch gestiegene Risikokosten zur Abdeckung von drohenden Kreditausfällen zu Buche geschlagen. Da sich aber die wirtschaftlichen Aussichten besonders für die Unternehmen inzwischen verbessert hätten, löste JP Morgan im vierten Quartal knapp drei Milliarden Dollar bereits gebildete Risikovorsorge wieder auf. Ende des Jahres schlugen damit Risikokosten von 30,8 Milliarden Euro zu Buche. "Damit sehen wir uns in der Lage, der kurzfristig weiteren wirtschaftlichen Unsicherheit zu begegnen", sagte Dimon.

Die Erträge legten im vierten Quartal konzernweit um drei Prozent auf 30,2 Milliarden Dollar zu. Besonders das Investmentbanking stach hervor, in dem die Einnahmen um fast ein Fünftel in die Höhe schossen. Der Handel mit Aktien, Anleihen und Rohstoffen brummte. Dagegen gingen die Erträge im Geschäft mit Privatkunden - nach wie vor die größte Sparte - um acht Prozent zurück.

Citi kann mit JP Morgan nicht Schritt halten

Auch die Citi und Wells Fargo lösten einen Teil ihrer Risikovorsorge wieder auf. Die sechs größten US-Banken legten in den ersten neun Monaten des Jahres insgesamt 65 Milliarden Dollar für drohende Kreditausfälle zur Seite, rund die Hälfte davon alleine im zweiten Quartal. Mehrere Institute hatten damals aber schon signalisiert, dass damit auch der Höhepunkt erreicht sei.

Bei der Citigroup brach der Jahresgewinn um 41 Prozent auf 11,4 Milliarden Dollar ein. Im Schlussquartal fiel der Rückgang mit einem Minus von sieben Prozent auf 4,6 Milliarden Dollar weniger deutlich aus. Einen Anstieg der Einnahmen wie JP Morgan schaffte die Citigroup nicht, obwohl auch sie von einer erhöhten Handelstätigkeit bei Aktien und Anleihen profitierte. Die konzernweiten Einnahmen gingen um zehn Prozent auf 16,5 Milliarden Dollar zurück.

Wells Fargo mit Gewinneinbruch

Die Westküstenbank Wells Fargo schaffte es unterdessen das erste Mal seit sechs Quartalen, die Gewinnerwartungen der Analysten zu übertreffen. Sie verdiente 2,99 Milliarden Dollar nach 2,87 Milliarden im Vorjahr. Die Einnahmen sackten unterdessen um knapp ein Zehntel auf 17,9 Milliarden Dollar ab und damit stärker als befürchtet. Ein großes Problem stellten auch hier die niedrigen Zinsen dar: Die Nettozinseinnahmen der Bank sanken um 17 Prozent auf 9,3 Milliarden Dollar.

Die schwachen Vorquartale sorgten bei Wells Fargo dafür, dass die Bank im Gesamtjahr lediglich 3,3 Milliarden Dollar verdiente, ein massiver Einbruch im Vergleich zu den 19,5 Milliarden des Vorjahres. Ein Grund ist, dass die Bank in einer schwächeren Verfassung als ihre Konkurrenten von der Corona-Krise erfasst wurde, da sie sich immer noch von einem Skandal um rechtswidrige Geschäftspraktiken erholt.

In der kommenden Woche legen Goldman Sachs, Bank of America und Morgan Stanley ihre Ergebnisse des vergangenen Quartals vor.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/DJ