Wirtschaft

Öl wird teurerIran-Krise durchkreuzt Trumps 50-Dollar-Versprechen

19.02.2026, 16:23 Uhr
imageNils Kreimeier
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Konkret könnte der Iran im Fall eines Konflikts mit den USA die Meerenge von Hormus blockieren, durch die ein bedeutender Teil der globalen Ölexporte transportiert wird. (Foto: picture alliance / Middle East Images)

Statt sinkender Spritpreise wächst die Unsicherheit: Die Angst vor einer Eskalation zwischen den USA und dem Iran lässt den Ölpreis steigen – und stellt Trumps Ziel von 50 Dollar je Barrel zunehmend infrage. Dabei sprechen volle Lager und ein Überangebot eigentlich gegen einen dauerhaften Preisschub.

Donald Trump hat seine Wähler mit vielen Versprechen gelockt. Eines der wichtigsten Versprechen: ein niedrigerer Ölpreis. In den ersten Wochen nach dem erneuten Amtsantritt des jetzigen US-Präsidenten verkündete dessen Wirtschaftsberater Peter Navarro bei Fox News, man strebe einen Preis von "50 Dollar pro Fass" (159 Liter) an, "um die Inflation um mindestens einen Prozentpunkt zu senken".

Tatsächlich hat sich der Preis für die Referenzsorte WTI in der zweiten Jahreshälfte 2025 nach unten bewegt und der von Navarro genannten Marke genähert. Seit Dezember allerdings geht es in die andere Richtung, und zwar durchaus steil. Bis Mitte Februar stieg der Preis um fast zehn Prozent. Und auch die US-Inflation hat die Regierung nicht wirklich in den Griff bekommen.

Wichtigster Grund für den jüngsten Auftrieb ist die Furcht vor einem erneuten Angriff der USA auf den Iran, und diese Furcht hat zuletzt massiv zugenommen. Seit Ende Januar haben die Amerikaner nach übereinstimmenden US-Medienberichten ihre militärische Präsenz im Roten Meer, in der Straße von Hormus und am Persischen Golf schrittweise verstärkt. Satellitenbilder zeigen, dass seit Ende Januar mindestens zwölf US-Kampfflugzeuge vom Typ F-15 auf einem jordanischen Luftwaffenstützpunkt stationiert wurden. Am Wochenende könnte die Flugzeugträgergruppe USS Gerald Ford in der Region eintreffen.

Zugleich wird zwischen den USA und dem Iran in Genf über ein mögliches neues Abkommen verhandelt, bisher allerdings ohne greifbare Ergebnisse. All dies macht die Märkte nervös – zusammen mit einem vergleichsweise harten Winter in den USA und Europa sowie Lieferunterbrechungen beim Öl-Lieferanten Kasachstan. Das eigentliche Problem für die Investoren ist dabei gar nicht die iranische Ölversorgung selbst. Das Land steht unter Sanktionen und liefert aktuell fast ausschließlich an China. "Die Bedeutung des Iran auf den Ölmärkten geht weit über sein eigenes Produktionsprofil hinaus", heißt es in einer Iran-Analyse des norwegischen Energieberatungsunternehmens Rystad Energy. "Das geopolitische Gewicht des Landes beruht auf seiner strategischen Lage, seinem Einfluss auf die regionale Sicherheitsdynamik und seiner Fähigkeit, wichtige Energieinfrastrukturen und Transitrouten zu stören."

Konkret könnte der Iran im Fall eines Konflikts mit den USA die Meerenge von Hormus blockieren, durch die ein bedeutender Teil der globalen Ölexporte transportiert wird. Nach Schätzungen der US-Energiebehörde EIA entspricht die Menge etwa einem Fünftel des globalen Verbrauchs von Erdölprodukten.

Vor allem China hat vergangene Monate genutzt

Aktuell sind daher im Groben drei Szenarien denkbar: Das für einen niedrigen Ölpreis günstigste wäre ein umfassendes neues Atomabkommen zwischen den USA und dem Iran, in dessen Rahmen die Sanktionen gegen Teheran zum Teil aufgehoben würden – eine Variante, die aktuell eher unwahrscheinlich scheint. In einem zweiten Szenario könnten sich die USA auf einen begrenzten Angriff auf den Iran beschränken, durch den dessen Atomprogramm weiter zurückgeworfen, aber kein längerer Krieg ausgelöst würde. Ein solcher Verlauf käme dem ersten Angriff der Trump-Regierung auf den Iran nahe – in dessen Folge der globale Ölpreis kurzfristig nach oben schoss, dann aber rasch wieder fiel.

Die dritte Variante ist die für den Markt alarmierende: ein vollumfänglicher Angriff mit dem Ziel, das Regime in Teheran loszuwerden und durch eines zu ersetzen, das den USA freundlicher gegenübersteht. "Die Ölmärkte dürften weiterhin sehr empfindlich auf Entwicklungen im Iran reagieren", heißt es bei Rystad Energy.

Im Kern allerdings spielt sich die mögliche Iran-Krise in einer Zeit ab, in der die Märkte deutlich entspannter auf Lieferunterbrechungen reagieren als noch in früheren Jahrzehnten. Das liegt daran, dass die Welt vergleichsweise gut mit Öl versorgt ist. Dem aktuellen Ölmarkt-Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge wird beständig mehr produziert als gebraucht wird. "Da das Angebot weiterhin die Nachfrage übersteigt, stiegen die beobachteten Ölvorräte im Dezember um weitere 37 Millionen Barrel", heißt es in dem Bericht. Deshalb profitierten Öl-Aktien wie Shell und Chevron bislang auch kaum von den Unruhen – und dürften es auch perspektivisch nicht automatisch leichter haben.

Vor allem China hat die vergangenen Monate genutzt, um mit billigem iranischem und russischem Öl Reserven anzulegen. Darüber hinaus wird einfach weniger Öl benötigt, weil die Elektrifizierung des Verkehrs voranschreitet. Das Niveau der weltweiten Lagerbestände liegt danach auf einer Höhe, die seit 2020 nicht mehr erreicht wurde – also mitten in der Pandemie.

Dieser Artikel ist zuerst bei Capital.de erschienen.

Quelle: ntv.de

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