Wirtschaft

Neun Jahre nach der Katastrophe Island lässt die Finanzkrise hinter sich

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Island ist über den Berg.

(Foto: REUTERS)

Island, Inbegriff der globalen Bankenkrise, hat es geschafft: Mit der Aufhebung der 2008 verhängten Kapitalkontrollen ist das Kapitel Finanzkrise offiziell beendet. Reykjavík hat einfach alles anders gemacht, als die kriselnden Euroländer.

Von Islands Wiederauferstehung nach dem Banken-Crash 2008 können die gebeutelten Eurostaaten etwas lernen. Knapp zehn Jahre, nachdem der zweitgrößte Inselstaat praktisch am Rande des Staatsbankrotts stand, ist die Krise Geschichte. Reykjavík hat vieles anders gemacht und steht heute da mit einem beeindruckenden Wachstum auf einem Niveau wie vor dem großen Knall.

Als letztes Zeichen für die Rückkehr zur Normalität hob Ministerpräsident Bjarni Benediktsson die letzten noch bestehenden Kapitalverkehrskontrollen - mit kleinen Einschränkungen in Teilbereichen - auf.  "Das ist ein sehr erfreulicher Wendepunkt im wirtschaftlichen Wiederaufbau nach der Finanzkrise von 2008 und 2009", erklärte Benediktsson sichtlich zufrieden. Die Kapitalverkehrskontrollen hätten ihren Zweck erfüllt. Nach dem Zusammenbruch der Finanzbranche hätten sie die Wirtschaft und die Währung des Landes stabilisiert. Was sich wie ein technisches Detail anhört, ist ein Meilenstein in der bewegten jüngeren Geschichte des kleinen Landes.

Island gilt als Symbol für die globale Finanzkrise. Anfang 2009 waren 80 Prozent der isländischen Unternehmen und 30 Prozent der Privathaushalte de facto insolvent. Internationale Investoren zogen ihr Geld ab, so dass die Landeswährung abstürzte. Um den Kapitalabfluss zu stoppen, erließ die Regierung im November 2008 Kapitalverkehrskontrollen. Die Bevölkerung protestierte. Aber die Regierung blieb hart - und das totale Finanzdesaster, das viele Island prophezeiten, blieb aus.

Das isländische Erfolgsrezept

Wie das funktioniert hat, ist schnell zusammengefasst: Island hat einfach alles anders gemacht. Die Regierung von Reykjavík verstaatlichte Banken, ließ die Währung abstürzen - eine Option, die Euro-Mitgliedstaaten nicht zur Verfügung stand, sie mussten Löhne und Preise senken. Sie steckte Banker ins Gefängnis und verweigerte die Schuldenbedienung. Darüber hinaus führte Reykjavík besagte Kapitalkontrollen ein. Kreditgeber der Banken und ausländische Investoren konnten ihr Kapital nicht mehr außer Landes bringen. Und das nicht nur für sechs Monate, wie anfangs geplant, sondern jahrelang.

Außerdem stützte Reykjavík die heimische Konjunktur. Die internationalen Gläubiger verordneten Griechenland dagegen eine harte Austeritätspolitik. Ein Viertel der Isländer erhielt einen Teilschuldenerlass. Im Kampf um eine Stabilisierung der Krone erhöhte die isländische Zentralbank den Leitzins um sechs auf 18 Prozent. Gleichzeitig profitierte die Exportindustrie von der Abwertung der isländischen Krone.

Heute brummt die Wirtschaft wieder. Laut jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts wuchs die isländische Wirtschaft im vergangenen Jahr um 7,2 Prozent, im vierten Quartal 2016 sogar um 11,3 Prozent zum Vorjahr. Die Leistungsbilanz ist im schwarzen Bereich, sowohl Einfuhren als auch Ausfuhren wachsen im zweistelligen Bereich. Erstmals in seiner Geschichte exportiert das Land sogar mehr Dienstleistungen als Waren.

Wirtschaftlich steht Island da, wo es vor der Finanzkrise 2008 stand. Waren es die bösen "business-Vikings", die einst Island groß machten - und später an den Rande des Ruins brachten - ist es heute der Tourismus, der die Wirtschaft glühen lässt. Zwischen 2010 und 2016 stieg die Zahl ausländischer Besucher von einer halben Million auf 1,8 Millionen. Dieses Jahr werden nach einer Prognose des Finanzhauses Islandsbanki schon 2,3 Millionen erwartet. Das sind knapp sieben Mal so viele Menschen wie Island Einwohner hat. Die rund 336.000 Einwohner leben in dem am dünnsten besiedelten Land Europas.

Griechenland dagegen bewegt sich auch neun Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise immer noch am finanziellen Abgrund. Das Bruttoinlandsprodukt soll dieses Jahr um 2,5 Prozent steigen, nach einem Mini-Wachstum im vergangenen Jahr. Auch im wichtigen Tourismus hinkt das Land vergleichsweise hinterher: Dieses Jahr werden nach Schätzungen der griechischen Zentrale für Fremdenverkehr rund 30 Millionen Touristen erwartet. 2016 waren es etwa 27 Millionen - bei knapp elf Millionen Einwohnern.

Jetzt, da Island zurück an den Kapitalmärkten ist, Bevölkerung, Unternehmen und Finanzdienstleister wieder ungehinderten Zugang zu ausländischer Währung haben, sieht die Zukunft sogar noch rosiger aus. Ministerpräsident Benediktsson signalisiert ausländischen Investoren: Island ist wieder da.

Quelle: ntv.de