Wirtschaft

"Terroristen", "Verräter" Istanbuler Taxi-Lobby beschimpft Uber

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Der Chef der Taxigewerkschaft meint: Wer Uber statt Taxi fährt, begeht Vaterlandsverrat.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Uber handelt sich weltweit Ärger mit Behörden und Taxifahrern ein. Doch nirgendwo stößt der Fahrdienstvermittler auf heftigeren Widerstand als in Istanbul. "Uber ist wie die PKK", wettert dort die Gewerkschaft. Und der Taxiverband droht mit Gewalt.

Weltweit schimpft das etablierte Taxigewerbe auf den Fahrdienstanbieter Uber. Doch in Istanbul schlägt dem Unternehmen regelrechte Feindseligkeit entgegen. Ganz vorne dabei: der Chef der dortigen Taxigewerkschaft, Irfan Öztürk. "Uber ist wie die PKK, wie der Daesh", sagte Öztürk und benutzte ein verächtliches Akronym für den selbsternannten Islamischen Staat (IS). Jeder Fahrer und jeder Kunde von Uber sei ein Vaterlandsverräter.

"Uber ist in San Francisco entstanden", fuhr Öztürk fort. "Das ist der Ort, wo die Verräter herangezüchtet wurden, die [unsere] Soldaten in Afrin ermordet haben." Die türkische Armee war im Januar in die syrische Region Afrin einmarschiert und kämpft dort gegen die Kurdenmiliz YPG, die die Regierung in Ankara als Terrororganisation einstuft. Die YPG ist wichtiger Partner der USA im Kampf gegen die Terrormiliz IS. Die US-Amerikaner haben deren Kämpfer deshalb mit Waffen ausgerüstet und ausgebildet.

Für Öztürk sind nicht nur PKK und YPG Feinde der Türkei, sondern auch Uber: "Das ist eine Terrorgruppe, ein weltweit agierender Dieb."

Uber verfügt über keinen eigenen Fuhrpark, sondern vermittelt Fahrten per Smartphone. Dazu nutzt der Kunde eine App und kann dort sehen, wie weit das nächste Auto entfernt ist. Die Fahrer nutzen ihren eigenen Wagen und arbeiten auf eigene Rechnung.

Uber ist der Zeitung "Hürriyet" zufolge in Istanbul in der Regel deutlich teurer als normale Taxis. Daher geht der Wettbewerb nicht über den Preis, sondern über die Qualität. Und da Istanbuler Taxis häufig in einem miesen Zustand und deren Fahrer als unehrlich verschrien sind, erfreut sich Uber bei den Einwohnern der größten türkischen Stadt zunehmender Beliebtheit. Hinzu kommt: Für viele Touristen ist es bequem, Uber zu nutzen. Sie haben die App ohnehin auf ihrem Smartphone installiert und kennen den Fahrdienst aus anderen Ländern.

"Diebische jüdische Lobby"

Vor diesem Hintergrund schießt auch der Istanbuler Taxiverband gegen Uber. Deren Chef Eyüp Aksu steht dem Gewerkschaftsvertreter Öztürk in seiner Rhetorik in nichts nach. Er wittert hinter Uber eine "diebische jüdische Lobby" - und droht mit Gewalt.

Sein Verband ist gegen Uber vor Gericht gezogen und hofft, dass der Fahrdienst verboten wird. "In europäischen Ländern haben Taxi-Fahrer in ihren Protesten [gegen Uber] Dinge verbrannt", warnt Aksu. "Wir wollen so etwas hier nicht durchführen". Doch wenn Politiker und Justiz nicht im Interesse der Taxi-Fahrer handelten, "ist unsere Geduld am Ende". Die Taxifahrer würden dann alles tun, was nötig sei, um ihr täglich Brot zu verdienen. Eine Qualitätsoffensive meint Aksu damit nicht.

Derweil kommt es zu Übergriffen von türkischen Taxifahrern auf Landsleute, die für Uber unterwegs sind. In einem auf Youtube veröffentlichten Video ist zu sehen, wie ein Taxifahrer einen Konkurrenten beschimpft und mit einem Messer attackiert.

Zudem reißen der "Hürriyet" zufolge Berichte über Istanbuler Taxifahrer nicht ab, die ihre Kunden betrügen, beschimpfen und sogar tätlich werden. Ein Beispiel: Der Zeitung zufolge soll einer von ihnen einen arabischen Touristen nach allen Regeln der Kunst abgezockt haben.

Auf der asiatischen Seite der Metropole gabelte der Fahrer den Mann auf, der zum Flughafen Sabiha-Gökcen wollte. Die Fahrt ging zunächst in die entgegengesetzte Richtung über eine Bosporus-Brücke auf den europäischen Teil und später über eine andere Brücke zurück auf die asiatische Seite, auf der sich der Flughafen weit im Osten der Stadt befindet. Der Umweg war nicht nur teuer, sondern dauerte so lange, dass der Fahrgast den Flug verpasste.

Quelle: n-tv.de

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