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Dienstag, 29. Mai 2018

Bank-Aktien brechen ein: Italien-Krise sorgt für Unruhe

Die Krise in Italien ist an den Finanzmärkten deutlich zu spüren: Die Renditen für Staatsanleihen des Landes schießen nach oben, Bank-Aktien verlieren kräftig an Wert, Gold wird teurer. "Italien kennt die Regeln", warnt EZB-Vize Constâncio.

Das politische Gezerre in Italien sorgt an den Finanzmärkten für erhebliche Nervosität: Die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone steuert auf eine Verfassungskrise und Neuwahlen zu - bei der die verhinderte Koalition von Euro-Gegnern ihren Stimmenanteil wohl ausbauen dürfte. Diese Wahl wird aller Voraussicht nach zu einem Referendum über den Verbleib Italiens in der Eurozone.

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Diese Aussicht sorgt für Verwerfungen an den Märkten, die an die Turbulenzen der Euro-Krisenjahre 2011 und 2012 erinnern. So überwindet die Rendite für zehnjährige italienische Staatsanleihen die Drei-Prozent-Marke und erreicht mit 3,2 Prozent den höchsten Stand seit vier Jahren. Zum Vergleich: Bei den deutschen Anleihen liegt die Rendite bei 0,2 Prozent. Investoren verlangen für die italienischen Papiere also einen Risikoaufschlag, der so groß ist wie zuletzt vor fast fünf Jahren.

Auch der Euro gerät unter Druck und fällt unter die Marke von 1,16 Dollar. An der Mailänder Börse sackt der Leitindex um 2,9 Prozent ab. Vor allem Banken lassen Federn, da sie in großem Umfang europäische Staatsanleihen halten. Der italienische Bankenindex brach um bis zu 5,6 Prozent ein, so stark wie zuletzt vor knapp zwei Jahren. Sein Pendant für die Eurozone steuerte mit einem Minus von 5,1 Prozent auf den größten Tagesverlust seit Sommer 2016 zu.

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Der Grund für die Kursreaktionen: An den Märkten wächst die Furcht, dass Italien die Eurozone verlassen könnte. Einer Umfrage der Beratungsfirma Sentix zufolge erwarten 13 Prozent der Investoren, dass mindestens ein Land innerhalb der kommenden zwölf Monate aus dem gemeinsamen Währungsraum ausscheidet. Das ist der höchste Wert seit mehr als einem Jahr. "Vorbei ist es also mit der mühsam erreichten Ruhe in der Euro-Zone", sagt Sentix-Geschäftsführer Manfred Hübner. Seinen bisherigen Höchststand hatte der Index während der Griechenland-Krise Mitte 2012 mit 73 Prozent erreicht.

"Noch einmal genau lesen"

Die Nervosität bleibt nicht auf Italien beschränkt. Portugiesische Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit rentierten mit bis zu 2,4 Prozent - ein Höchststand seit Herbst 2017. In Spanien erhöhten sich die Renditen ebenfalls, wenngleich weniger stark.

An den Aktienmärkten zeigt sich das gleiche Bild. Der deutsche und der französische Leitindex verlieren jeweils 1,4 Prozent. In Madrid und Athen geht es 2,4 Prozent nach unten, in Lissabon 2,6 Prozent. Dagegen suchen Anleger Zuflucht in als sicher angesehenen Gold und japanischem Yen.

Derweil warnte EZB-Vizepräsident Vitor Constancio Italien vor einer erneuten Staatsschuldenkrise. "Als 2012 Finanzmärkte das Land attackiert haben, hat das gezeigt: Sie können in ihrer Wahrnehmung sprunghaft sein und die Risikoeinschätzung für einen Schuldner abrupt und schnell ändern, manchmal mit gravierenden Folgen", sagte er dem "Spiegel". Ob die EZB Italien im Notfall vor der Pleite retten würde, ließ er offen. Jede Intervention müsse "der Erfüllung unseres Mandats dienen", erklärte Constâncio. Demnach ist die EZB allein für Geldpolitik zuständig und darf keine Finanzierung von Staaten leisten. "Italien kennt die Regeln", sagte der Vize der Notenbank. "Sie sollten diese vielleicht noch einmal genau lesen."

Quelle: n-tv.de