Wirtschaft

Alibaba-Chef über Wale und Shrimps Jack Ma hat von Forrest Gump gelernt

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Ein Filmplakat zu "Forrest Gump" in China. Der Film ist 1994 erschienen.

Unternehmertum und Freihandel animieren in der Regel nicht zum Lachen. In Davos schafft es Alibaba-Chef Ma trotzdem, den Entertainer zu geben und bei der Sache zu bleiben. Wichtig dabei: der Unterschied zwischen kleinen und großen Fischen.

Große Probleme wälzen und sich dabei gut fühlen - die Gäste des Weltwirtschaftsforums in Davos hätten diese Woche sicherlich gerne mehr davon gehabt. Alibaba-Chef Jack Ma zumindest enttäuschte nicht. Er ließ sich von Brexit, Trump und den anderen Problemen der Welt nicht runterziehen. Vielmehr zeigte der 52-jährige chinesische Multimilliardär auf großer Bühne: Wirtschaft geht auch anders. Das Publikum honorierte es mit regelmäßigem Gelächter.

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Jack Ma, chinesischer Unternehmer und Philantrop.

(Foto: REUTERS)

Ma ist nicht nur ein guter Entertainer. Er ist auch ein großer Fan des amerikanischen Kinos. Als Geschäftsmann hegt er selbst Ambitionen, ins Hollywood-Business einzusteigen. Sein Traum: einen Film produzieren, in dem der Held wie in amerikanischen Filmen überlebt. In chinesischen Blockbustern tut er das nie. 

Sein Lieblingsfilm ist der US-amerikanische Spielfilm Forrest Gump. Frei nach dem berühmten Pralinenschachtel-Zitat: "Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen - man weiß nie was man kriegt", hat der Unternehmer Ma einiges probiert und seine Lehren daraus gezogen. Sein Lieblingsfilm habe ihn gelehrt: "Das Leben ist hart", sagte er in Davos. Wenn die Leute ihn wegen seiner Ideen für verrückt erklärt hätten, habe er sich immer gedacht: "Forrest Gump sagte: 'Mach weiter, achte nicht darauf, was die anderen sagen'." Der nur 1,50 Meter große Mann aus China hat sich in den vergangenen Jahren auf jeden Fall nicht stoppen lassen.

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Forrest Gump habe ihm auch beigebracht, die kleinen Fische zu fangen, erklärte Ma sein Erfolgsrezept: "Niemand macht Geld, indem er Wale fängt, sondern indem er Shrimps fischt. Darum arbeiten wir für die kleinen Businesses." Tatsächlich liegt der Fokus von Alibaba seit seiner Gründung 1999 auf kleinen und mittelständischen Unternehmen - und nicht auf den großen.

"Wenn der Handel stoppt, stoppt die Welt"

Heute ist der Konzern mit seiner gigantischen Online-Plattform eine Macht in China. Mit großen Zielen. Er will über die Grenzen der Volksrepublik hinaus die Welt erobern. Freier Handel ist unerlässlich dafür. Ein Handelskrieg wäre Ma zufolge desaströs für China genauso wie für die USA: "Wenn der Handel stoppt, stoppt die Welt." Den Vorwurf von Donald Trump, China und Mexiko würden den USA Arbeitsplätze stehlen, rückte er auf freundliche, aber bestimmte Art zurecht. "Nicht andere Länder stehlen den USA die Jobs", stellte Ma klar. "Die Amerikaner haben das Geld nicht richtig verteilt."

Die USA hätten sich vor Jahrzehnten entschieden, die Produktions- und Servicejobs nach Mexiko, China und Indien auszulagern. Es sei eine "perfekte Strategie" gewesen, die den Amerikanern viel Geld beschert habe. Es sei nur lieber in Kriege und die Wall Street gesteckt worden als in die Infrastruktur, die Industrie oder das Volk, etwa in die Menschen, die nicht gut in der Schule seien.

Hätte man nach 2008 Milliardensummen - anstatt in die Rettung der Wall Street - in den Aufbau einer Industrie im mittleren Westen investiert, hätten die USA die jetzigen Probleme nicht, so der Milliardär weiter. Erfrischend einfach formuliert. Nicht nur seinem Ruf als Entertainer ist Ma in Davos voll und ganz gerecht geworden. Er ist ein Ausnahmeunternehmer, der seine Überzeugungen nicht aus dem Blick verliert. Das hat er auch bei seiner persönlichen Begegnung mit Trump vor gut einer Woche bewiesen.

Quelle: n-tv.de, ddi

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