Joybuy in DeutschlandChina-Gigant JD.com startet Frontalangriff auf Amazon

Mit dem Start seiner Online-Plattform Joybuy in Deutschland bläst der chinesische Handelsriese JD.com zur Jagd auf Amazon. Das Versprechen: Lieferungen noch am selben Tag dank massiver Investitionen in die Logistik.
Der chinesische Handels- und Technologieriese JD.com startet mit seiner Online-Plattform Joybuy in Deutschland. "Wir bringen ein Modell nach Deutschland, das Onlineshopping neu definiert", zitiert das "Handelsblatt" Marketingchefin Julia Hager. Kern des Konzepts ist ein Service mit dem Namen "Double 11". Dahinter steckt das Versprechen: Wer bis 11 Uhr bestellt, bekommt seine Ware noch vor 23 Uhr. Damit wollen die Chinesen nicht nur Online-Händler Amazon Konkurrenz machen, sondern auch die Abhängigkeit von einem zunehmend hart umkämpften heimischen Markt verringern.
Das Angebot umfasst Produkte aus den Bereichen Technik, Haushaltsgeräte, Beauty, Wohnen, Lebensmittel und Alltagsbedarf. Die sogenannten Same-Day-Lieferungen bietet das Unternehmen zunächst in zahlreichen Städten in Nordrhein-Westfalen an. Zeitgleich startet das Unternehmen noch in fünf weiteren europäischen Ländern: Belgien, Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich.
Sandy Ran Xu, Geschäftsführerin von JD.com, erklärte Analysten diesen Monat, dass der Vorstoß nach Europa chinesischen Marken helfen werde, weltweit zu expandieren, aber "wir wollen auch mehr hochwertige europäische Marken auf den chinesischen Markt bringen." Das Unternehmen hat sich inzwischen mehr als 60 Lagerhäuser mit einer Fläche von 300.000 Quadratmetern und über 49.000 Abholfächer auf dem gesamten Kontinent gesichert. Außerdem hat es einen Teil seiner eigenen automatisierten Lagertechnologie aus China importiert, bei der Hunderte von Robotern eingesetzt werden.
"Die chinesischen Unternehmen expandieren ins Ausland, weil das Wachstum auf dem heimischen Markt stagniert", zitiert die "Financial Times" Ed Sander, ein in den Niederlanden ansässiger Analyst für den digitalen Einzelhandel in China. Zuletzt hatten Rabattschlachten dem chinesischen Online-Händler im dritten Quartal zu einem überraschend starken Umsatzplus verholfen. Die Erlöse kletterten um 14,9 Prozent auf 299,1 Milliarden Yuan (rund 40 Milliarden Euro). Hohe Investitionen in die internationale Expansion und neue Geschäftsfelder ließen den Gewinn jedoch um mehr als die Hälfte auf 5,3 Milliarden Yuan einbrechen.
Hintergrund der aggressiven Preisstrategie ist die Kaufzurückhaltung vieler chinesischer Verbraucher angesichts von Sorgen um Arbeitsplatz und Einkommen. Große Einzelhändler wie JD.com und der Konkurrent Alibaba versuchen daher, mit hohen Preisnachlässen Kunden zu gewinnen.
JD.com hat sich zuletzt eine deutliche Mehrheit an der Ceconomy AG gesichert, der Muttergesellschaft der Elektrohändler MediaMarkt und Saturn. Wie Ceconomy Anfang Dezember mitteilte, stieg die Beteiligung von JD.com auf 59,8 Prozent des Grundkapitals und der Stimmrechte. Zusammen mit dem verbleibenden Anteil von Convergenta, der Beteiligungsgesellschaft der Gründerfamilie Kellerhals, ergebe sich damit eine Gesamtbeteiligung von 85,2 Prozent. Endgültig ist die Übernahme allerdings noch nicht. Erwartet wird der Abschluss in der ersten Jahreshälfte 2026.