Wirtschaft

E-Zigaretten in der Kritik Juul-Chef gibt auf

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Juul wird immer wieder vorgeworfen, junge Menschen zum Nikotinkonsum zu verführen.

(Foto: REUTERS)

Der E-Zigarettenhersteller Juul zieht die Reißleine: Der Chef muss gehen, das Unternehmen stoppt jegliche Werbung für seine Produkte. Und auch Lobbyarbeit findet vorerst nicht mehr statt. Das drastische Vorgehen kommt nicht von ungefähr.

Der E-Zigaretten-Hersteller Juul Labs stellt seine Firmenspitze neu auf: Vorstandschef Kevin Burns erklärte seinen Rücktritt. Ersetzen wird ihn K.C. Crosthwaite, wie das Unternehmen mitteilte. Damit übernimmt ein Manager des US-Tabakriesen Altria, der mit 35 Prozent an Juul beteiligt ist und dort großen Einfluss ausübt. Zu Altria gehören traditionelle Marken wie Marlboro und Chesterfield.

Elektronische Zigaretten stehen nach dem Tod von neun Menschen in den USA derzeit generell in der Kritik. Juul selbst sieht sich zudem immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt, junge Menschen zum Nikotinkonsum zu verführen. E-Zigaretten werden als weniger schädlich für den Nutzer als herkömmliche Zigaretten beworben - der Nikotingehalt aber ist weiterhin hoch.

Das Startup aus San Francisco sieht sich angesichts seiner Methoden bei der Vermarktung von E-Zigaretten schweren Vorwürfen ausgesetzt. Elektrozigaretten mit süßlichen oder nach Menthol schmeckenden Zusatzstoffen sind besonders bei jungen Leuten beliebt.

US-Behörden ermitteln

US-Bundesbehörden in Kalifornien haben Medienberichten zufolge strafrechtliche Ermittlungen gegen Juul aufgenommen. Auch die Gesundheitsbehörde CDC und andere Staatsanwälte schauen sich die Vermarktungspraktiken des Unternehmens genauer an. Die US-Regierung hat bereits angekündigt, die meisten aromatisierten E-Zigaretten verbieten zu wollen. Laut CDC sind in den USA inzwischen 530 Fälle von Lungenverletzungen nach dem Gebrauch von E-Zigaretten erfasst

Parallel zum Chefwechsel kündigte Juul vor diesem Hintergrund an, in den USA sämtliche Werbung in Rundfunk-, Print- und Digitalmedien vorerst auszusetzen. Auch Lobbyarbeit werde zunächst nicht mehr stattfinden. Juul argumentierte bisher, die E-Zigaretten nie an Jugendliche verkauft zu haben. Die Produkte seien für Erwachsene gedacht, die vom Tabakkonsum loskommen und wechseln wollten.

Juul dominiert in den USA den Markt für E-Zigaretten und wurde im vergangenen Jahr mit 38 Milliarden US-Dollar bewertet, als Altria einstieg. Im ersten Halbjahr dieses Jahres erzielte Juul der Nachrichtenagentur Dow Jones zufolge weltweit einen Umsatz von knapp 1,3 Milliarden Dollar.

Elektrische Zigaretten, bei denen nikotinhaltige Flüssigkeit verdampft wird, haben in den USA und in vielen anderen Ländern in den vergangenen Jahren enorm an Beliebtheit gewonnen. Die Behörden sehen den Trend mit Sorge, zumal bislang wenig über die gesundheitlichen Gefahren bekannt ist. Auch die deutsche Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) warnt, dass die langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen noch nicht untersucht seien. "Insbesondere die Kombination der verschiedenen Inhaltsstoffe könnte bei dauerhaftem Konsum zu Gesundheitsschäden führen", heißt es in einer Broschüre.

Konsum nimmt in Deutschland zu

Als erster US-Bundesstaat hatte Massachusetts gestern den Verkauf von E-Zigaretten vorerst vollständig verboten. Gouverneur Charlie Baker sagte, das Verbot in dem Bundesstaat im Nordosten der USA gelte bis zum 25. Januar. In den kommenden Monaten solle geprüft werden, was die Menschen krank mache und wie solche Produkte besser reguliert werden könnten, um die Gesundheit der Menschen zu schützen, sagte Baker.

Befürworter der E-Zigarette argumentieren, sie sei deutlich weniger gesundheitsschädlich als herkömmliche Zigaretten und könne Rauchern dabei helfen, von der Tabaksucht loszukommen. Kritiker befürchten aber vor allem, dass E-Zigaretten Jugendliche nikotinabhängig machen. In den USA dürfen E-Zigaretten seit Anfang des Jahres nur an Konsumenten ab 21 Jahren verkauft werden.

In Deutschland nimmt der Gebrauch von E-Zigaretten vor allem bei jungen Leuten zu, wie kürzlich die BZgA mitteilte. In einer Umfrage aus dem Jahr 2018 sagten 4,2 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen und 6,6 Prozent der jungen Erwachsenen, sie hätten in den vergangenen 30 Tagen E-Zigarette geraucht.

Quelle: ntv.de, jga/AFP/dpa/DJ