Wirtschaft
(Foto: picture alliance / Sebastian Gol)
Sonntag, 10. Juni 2018

Hunderttausende Autos betroffen: KBA findet weitere Daimler-Manipulationen

Im deutschen Diesel-Skandal nehmen die Vorwürfe gegen Daimler immer konkretere Gestalt an. Das Kraftfahrtbundesamt prüft fast eine Million Autos, darunter viele Fahrzeuge der Euro-6-Flotte. Allein in Deutschland droht eine Milliardenstrafe.

Daimler gerät im Dieselskandal einem Medienbericht zufolge weiter unter Druck. Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) habe inzwischen fünf "unzulässige Abschaltfunktionen" bei Daimler-Modellen entdeckt, berichte die "Bild am Sonntag" vorab. Die Behörde geht dem Verdacht nach, dass diese Software-Funktionen in einem Großteil der neueren Diesel-Flotte (Euro 6) zum Einsatz kämen und fast eine Million Fahrzeuge betroffen seien.

Daimler wollte sich zunächst nicht zu dem Bericht äußern. "Kein Kommentar", sagte ein Sprecher. Er verwies darauf, dass Daimler vollumfänglich und transparent mit dem KBA und dem Bundesverkehrsministerium zusammen arbeite. Zudem bekräftigte der Sprecher, Daimler widerspreche, wenn das KBA meine, es handele sich um eine unzulässige Abschalteinrichtung.

Die "BamS" schrieb, Daimler nutze wie andere Hersteller eine Harnstofflösung zur Abgas-Reinigung. Allerdings verschlechtere sich laut KBA der Wirkungsgrad ohne erklärbaren Grund, sobald der Motor nach dem Start 17,6 Gramm Stickoxide ausgestoßen habe. Bei einer anderen Softwarefunktion wechsle die Motorsteuerung nach 1200 Sekunden - bei neueren Modellen 2000 Sekunden - in den schmutzigen Abgas-Modus.

Daimler-Chef Dieter Zetsche soll an diesem Montag erneut im Bundesverkehrsministerium vorsprechen und Klarheit über das Ausmaß des mutmaßlichen Dieselabgasskandals bei Mercedes schaffen. Sollte sich bewahrheiten, dass der Autokonzern ähnlich wie Konkurrent Volkswagen bei Abgaswerten geschummelt hat, droht den Stuttgartern einem Spiegel-Bericht zufolge ein Ordnungsgeld von fast vier Milliarden Euro. Demnach soll pro betroffenes Fahrzeug bis zu 5000 Euro berechnet werden.

Quelle: n-tv.de